Grüne Branche

Insolvenz angemeldet: Schutzschirm für Trendfleur

Für Trendfleur, bundesweiter Anbieter von Artikeln für den Floristbedarf, ist zum 1. März 2012 ein Insolvenzeröffnungsverfahren angeordnet worden. Das Unternehmen wird nach Aussagen von Geschäftsführer Dr. Wolfram Olschowy aber normal weiterlaufen, der Handel sowohl über die 33 Cash & Carry-Märkte als auch über den Online-Verkauf geht weiter. 

Trendfleur hat am 1. März Insolvenz angemeldet. Dem Geschäftsführer Dr. Wolfram Olschowy zufolge können Floristen aber weiterhin unverändert in den Cash & Carry-Märkten und im Internetshop einkaufen. Werkfoto

Erst Ende letzten Jahres hatte das Unternehmen seinen Namen von Retif Floristik GmbH in die Trendfleur GmbH umgeändert. Mit dem Namenswechsel verbunden war eine Neustrukturierung – der neue Name soll den Hauptfokus des Unternehmens auf moderne Dekorationsaccessoires, Lifestyle und Trend-Floristik symbolisieren. Damit verbunden war eine genaue Analyse des Sortimentes. Man trennte sich von wöchentlich wechselnden Rabattaktionen und unrentablen Märkten, entwickelte ein einheitliches Visual-Merchandising- Konzept und eine neue Art der Warenpräsentation. In gut einem Jahr wurden alleine mehr als 25 Märkte umgebaut.

Das Unternehmen ist in Insolvenz geraten, weil dessen Hausbank infolge einer neuen Rating-Einstufung die bestehenden Kreditlinien gekündigt hatte. Das geschah laut Olschowy nach vielen anderslautenden Gesprächen und trotz eines positiven Gutachtens und sei ein „bitterer Schlag“ für das Unternehmen gewesen. Trendfleur hat aber Glück im Unglück: Zum 1. März 2012 trat das neue Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) in Kraft, das zum Ziel hat, überlebensfähigen Unternehmen mehr Chancen zur Sanierung zu geben und das Insolvenzverfahren künftig stärker als bisher als echte „Chance zur Sanierung“ zu nutzen.

Dieses Gesetz gibt dem Schuldner die Möglichkeit, innerhalb von drei Monaten in einer Art „Schutzschirmverfahren“ unter Aufsicht eines vorläufigen Sachverwalters und frei von Vollstreckungsmaßnahmen in Eigenverwaltung einen Sanierungsplan auszuarbeiten. Diesen kann er anschließend als Insolvenzplan umsetzen. Herauskommen kann in Sanierungsplänen beispielsweise, dass einzelne Bereiche fremdvergeben werden müssen oder wenig lukrative Standorte einer Umstrukturierung oder sogar einer Schließung bedürfen.

Das Gesetz ermöglicht Unternehmen im neuen Gesetzesrahmen unter anderem, Rentenverpflichtungen und andere Verpflichtungen erlassen zu bekommen und Miet-, Arbeits-, Leasing- oder Dienstverträge mit kurzen Fristen zu kündigen. Im Gegenzug bleibt das Unternehmen aber selbst beispielsweise vor Kündigungen geschützt, sämtliche Arbeitskosten übernimmt für den Insolvenzzeitraum die Arbeitsagentur. Alles in allem also ein großes Paket an Erleichterungen, die auch Trendfleur einen neuen Start ermöglichen können.

Das Amtsgericht Dortmund hat für den Floristbedarfsanbieter einen in solchen Planungsinsolvenzverfahren erfahrenen Fachmann, den Rechtsanwalt und Karstadt-Sanierer Rolf Weidmann (Essen), zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Gemeinsam ist man derzeit dabei, einen Sanierungsplan zu erstellen, in dessen Rahmen alle Bereiche – von der Hauptverwaltung über Dienstleistungsverträge bis zu den einzelnen Märkten – einer genauen Kontrolle unterzogen werden, um das Unternehmen für die Zukunft neu aufzustellen, wie Olschowy erläutert.

Nahezu alle Lieferanten hätten mittlerweile zugesagt, weiter an Trendfleur zu liefern. An passenden Zahlungsmodalitäten arbeiten beide Seiten gemeinsam. Auch die Mitarbeiter aller Märkte sind informiert und hätten breite Unterstützung signalisiert, so der Geschäftsführer. Olschowy geht davon aus, dass der Sanierungsplan in sechs Wochen steht und das Insolvenzverfahren in einem halben Jahr abgeschlossen ist. „Unsere Zahlen sind nicht schlecht. Wir erleben trotz allem derzeit keine Einbrüche, liegen nach einem verhaltenen Jahresstart im Moment zwölf Prozent über Plan.“ (kla)