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Insolvenzantrag: Gewächshaus-Großprojekt in der Krise

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Eines der größten Gewächshaus-Projekte im Bundesgebiet ist offenbar in finanzielle Schieflage geraten. Insgesamt drei Gesellschaften der Joris-Gruppe, die in Osterweddingen auf 6,5 Hektar unter Glas Tomaten und Paprika produzieren, haben jetzt Insolvenzantrag gestellt.

Paprika-Anbau im Gewächshaus. Symbolfoto: Pixabay

Hohe Bau- und Energiekosten verantwortlich für Insolvenz

Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit nannte ein Sprecher der mit der Vermögensverwaltung beauftragten Kanzlei Schultze & Braun (Achern) auf Anfrage von TASPO Online als Gründe für den Insolvenzantrag. Ursache für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten sollen hohe Bau- und Energiekosten für die Gewächshaus-Anlage sein, „die deutlich über den veranschlagten Beträgen liegen“. Dies habe die Liquidität erheblich belastet und schließlich zur Insolvenz geführt.

Unmittelbar betroffen sind nach Angaben der Kanzlei die für den Paprika-Anbau zuständige Charlottes Garden UG & Co. KG, die für den Tomaten-Anbau zuständige Joris Gewächshäuser GmbH & Co. KG und die Joris Gemüsevertrieb BV & Co. KG. Für die drei Gesellschaften der Joris-Gruppe hat das Amtsgericht Magdeburg die Rechtsanwälte Rüdiger Bauch, Heitje Thürnagel und Tobias Hirte von Schultze & Braun zu vorläufigen Insolvenzverwaltern bestellt.

Gewächshaus in Osterweddingen sollte wachsen

„Diese verschaffen sich derzeit einen Überblick über die wirtschaftliche Lage der Gesellschaften und prüfen Sanierungsoptionen. Ziel der vorläufigen Insolvenzverwalter ist es, die Vermögenswerte zu erhalten“, so der Sprecher der Anwaltskanzlei gegenüber TASPO Online. Weitergehende Aussagen seien zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich, da sich die Kanzlei erst am Beginn der Verfahren befinde.

Hinter dem Gewächshaus-Großprojekt in Osterweddingen (Landkreis Börde) steht der niederländische Gemüse-Anbauer Jorg van der Wilt, der gemeinsam mit zwei weiteren Investoren rund 13 Millionen Euro in die im vergangenen Jahr fertiggestellte Anlage investiert haben soll. Geplant war laut einem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung zudem, die Anbaufläche zu verdoppeln – in diesem Sommer sollte demnach der zweite Bauabschnitt starten.

Besteht Zusammenhang mit Großprojekt in Sangerhausen?

Noch unklar ist derzeit, inwieweit ein Zusammenhang zwischen dem Gewächshaus-Projekt in Osterweddingen und dem geplanten Großprojekt Charlottes Garden im Industriepark Mitteldeutschland am Stadtrand von Sangerhausen besteht. Hierzu würden aktuell noch Recherchen der vorläufigen Insolvenzverwalter laufen.

Einem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung (MZ) von Mai 2017 zufolge haben die beiden Gewächshaus-Projekte allerdings lediglich den Namen Charlottes Garden gemein – der laut dem Projektleiter der Anlage in Osterweddingen widerrechtlich für das geplante Vorhaben in Sangerhausen benutzt werde, wie in der MZ zu lesen war.