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Interview: „Auch der Profi kann mit einem ‚Pilzdaumen’ seine Ziele erreichen”

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Diese Schule ist einzigartig in Europa: Mit der Eröffnung der Pilzzuchtschule „Heureka“ Mitteldeutschland am 24. Mai bietet Betreiber Heinz Plage erstmalig Seminare für Hobbygärtner und Gartenbaufachbetriebe an, die eine solide und fundierte Unterstützung beim Aufbau einer eigenen Pilzzucht benötigen. Dabei stellt er den Betrieben und allen Interessierten sein umfangreiches Wissen aus einer 45-jährigen Karriere als Pilzzüchter zur Verfügung. Ein Grund mehr für die TASPO, näher bei dem sogenannten „Pilzmann” nachzuhaken.

„Der Pilzmann” Heinz Plage vor einer dreistöckigen Shiitakeanlage. Foto: Privat

Woher kommt der Name Ihrer Pilzzuchtschule „Heureka” ?

Heureka kommt aus dem Altgriechischen und heißt übersetzt in etwa „Ich habe (es) gefunden!” Der Spruch wird auf Archimedes von Syrakus zurückgeführt, demzufolge er unbekleidet und Heureka rufend durch die Stadt gelaufen sein soll, nachdem er das nach ihm benannte Archimedische Prinzip entdeckt hatte. Als freudiger, stolzer Ausruf wird Heureka seitdem nach einer gelungenen schweren Aufgabe oder Herausforderung verwendet.

Auch der bekannte Mathematiker Carl Friedrich Gauß verwendete dieses Motto. Das Staatsmotto des US-Bundesstaates Kalifornien lautet ebenfalls Heureka. Als „Der Pilzmann” wünsche ich mir, dass die Pilzfreunde und Pilzanbauer in spe meine Pilzschule auch mit dem Ausruf verlassen: „Heureka! Ich habe es gefunden, jetzt weiß ich, wie ich meine eigenen Pilze erfolgreich züchten kann!”

Ihr Credo lautet „Natur schützen durch nützen”. Was verbirgt sich dahinter?

Hinter meinem Credo steht generell das Anliegen des Naturschutzes. Die Natur braucht uns nicht, wir aber die Natur. Ja, wir Menschen müssen das an der Natur angerichtete mit aller Konsequenz reparieren, soweit noch möglich. Mit der Pilzzucht auf Holz wird ein gewichtiger Beitrag zur Selbstversorgung mit hochwertigen, meist einheimischen Großpilzarten und Speisepilzen geleistet. Grundgedanke ist, je mehr wir Pilze selber naturnah züchten, desto weniger Speisepilze werden Wald und Wiese entnommen.

Dieses Herangehen trägt zum Erhalt des natürlichen Vorkommens der Pilzarten in ihrer Vielzahl und Vielfalt bei. Das Wissen um die Pilze und ihr Anbau als Kultur fördert ein verstärktes, bewussteres Verständnis und Handeln in und mit der Natur für ihre Kreisläufe. Wir nutzen sogenanntes Industrieholz für die Pilze, erzeugen weißfaules Holz als Heimstadt vieler wirbelloser Tiere wie von Hirschkäfern, Nashornkäfern, Tausendfüßlern bis hin zu Blindschleichen. Alle diese teilweise bedrohten und gefährdeten wirbellosen Tierarten produzieren wiederum die kostbare, lebenswichtige Erde.

Hat das Publikum an Hobbygärtnern in den letzten Jahren zugenommen? Wenn ja, woran könnte das liegen?

In den letzten Jahrzehnten hat sich in Europa und speziell in Deutschland ein stark wachsendes Interesse an dieser Art der Pilzzucht des Pilzanbaues entwickelt. Vor der deutschen Einheit war der eigene Anbau von Kulturspeisepilzen im Kleingarten in der ehemaligen DDR weit verbreitet. Auch in den alten Bundesländern wächst das Interesse. Die Gründe dafür sind vielseitig. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht suchen Obstbauern, Gärtner und Landwirte weitere Produktionsfelder. Dem vernünftigen, weil gesunden Trend der Selbstversorgung mit Obst, Gemüse usw. aus dem Haus- und Kleingarten folgend, ordnet sich hier richtigerweise der eigene Anbau von Kulturspeisepilzen auf Holz sinnvoll ein.

Immer mehr gewinnt das Prinzip „Aus der Region für die Region” an Bedeutung. Es spielt die Tatsache, dass der Pilzanbau auf Holz das ursprünglichste und natürlichste Anbauverfahren ist eine nun mehr größere Rolle. Seine wesentlichen Vorteile liegen auf der Hand. Geringer Aufwand, langer Lebenszyklus, sichere und hohe Ernten, sowie nicht zuletzt, das absolute Nichtbenötigen von chemischen Dünger und Schädlingsbekämpfungsmitteln sprechen für sich. Aufwand und Ergebnis einer Produktion von Kulturspeisepilzen, ob im Freiland oder Gewächshaus, stehen in einem gesunden Verhältnis.

Worin unterscheidet sich die professionelle und die Hobby-Pilzzucht?

Der grundsätzliche Unterschied besteht in dem Ziel und Zweck des Pilzanbaues. Der Hobbypilzzüchter möchte sich selbstversorgen, preiswert Pilze wachsen lassen, will biologisch anbauen und Freude haben. Die professionelle Pilzzucht auf Holz verfolgt Versorgungsziele der Region mit dem Hintergrund des Bio-Anbaues sowie nicht zuletzt betriebswirtschaftlichem Gewinn. Auch der Profi kann mit einem „Pilzdaumen” seine Ziele erfolgreich erreichen.

Was macht die Pilzzucht für Gartenbau-Betriebe besonders interessant?

Eigentlich machen alle Gesichtspunkte das bisher dargelegten die Pilzzucht auf Holz für Gartenbaubetriebe interessant. Ich möchte einen bescheidenen Beitrag für eine Renaissance der Pilzzucht auf Holz leisten. Interessant ist auch, dass sich gerade im ländlichen Raum in Ostdeutschland alle Stallanlagen, Gewächshäuser und ungenutzte Flächen für solch eine Produktion anbieten. Gerade diese Ausgangsbedingungen sprechen für einen ökonomischen Erfolg.

Weitere Informationen rund um den „Pilzmann” Heinz Plage lesen Sie im Interview in TASPO-Ausgabe Nr. 26/2018.