Grüne Branche

Interview: Automatisierung im Gartenbau

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Welchen Stellenwert haben die Themen Arbeitswirtschaft und Automatisierung im Gartenbau? Mit dieser Frage befassen sich die Kontaktstudientage am 11. und 12. November in Osnabrück. Im Interview mit der TASPO gibt Prof. Dr. Thomas Rath von der Hochschule Osnabrück eine erste Einschätzung.

Prof. Dr. Thomas Rath (Mitte) mit Gartenbau-Studenten. Foto: GMH

Welchen Stellenwert haben diese Themen in den Betrieben neben beispielsweise Energiefragen oder Pflanzenschutz?

Diese Themen haben einen großen Stellenwert. Betrachtet man die reinen betriebswirtschaftlichen Zahlen der Betriebe, erkennt man sofort, dass die Arbeitskosten zu den großen vier Kostenfaktoren im Gartenbau gehören. Die reinen Zahlen sagen aber noch nicht aus, wie viel Stress und Managementtätigkeit sich hinter diesen Zahlen verbergen. Gespräche mit den Betriebsleitern zeigen immer wieder, dass die Beschäftigung von qualifizierten und zuverlässigen Mitarbeitern eine Schlüsselposition in der Erfolgsgeschichte eines Gartenbau-Unternehmens darstellt.

Aus Laboren, Universitäten, vom Maschinenbau, aber auch spezialisierten Landmaschinenfabriken kommt der Input. Welche technischen Lösungen sind von ihnen für die Zukunft zu erwarten?

In erster Linie erwarte ich die Verbesserungen der bisherigen Maschinen und Systeme. In naher Zukunft erwarte ich insbesondere:

  • weitere Verbesserungen der Klimaregelcomputer, speziell die vernetzte Nutzung aller zur Verfügung stehenden Daten zur Produktion, zum Transport und zur Vermarktung der Produkte
  • weitere Automatisierung aller anfallenden Handarbeiten im Gewächshaus und im Freiland, insbesondere erste praktische Durchbrüche bei der selektiven Ernte
  • Verbesserungen bei Einmalerntesystemen im Hinblick auf Produktschonung, Qualitätsverbesserung und Arbeitseffizienz

Auf den Technikfachmessen werden viele Projekte zum Vertical Farming, einem voll automatisierten Anbau in geschlossenen Räumen unter Kunstlicht, vorgestellt. Ist das die Zukunft auch für den deutschen Gartenbau?

Ich sehe hier maximal Möglichkeiten für Spezialkulturen oder Produktion unter ganz speziellen Randbedingungen. Eine ökologisch und ökonomisch ausgewogene und sinnvolle gartenbauliche Produktion kann nur unter Verwendung der natürlichen Globalstrahlung stattfinden. Es ist schon etwas verwegen, über die Ernährung der Weltbevölkerung und die Einhaltung von Klimazielen zu diskutieren und dann über Kunstlichtproduktionssysteme nachzudenken. Das passt überhaupt nicht zusammen.

Das komplette Interview mit Prof. Dr. Thomas Rath zur Automatisierung im Gartenbau lesen Sie in der TASPO 43/2016, die am 28. Oktober erscheint. Dort finden Sie außerdem das komplette Programm der diesjährigen Kontaktstudientage in Osnabrück.