Grüne Branche

Interview: Bienen unter dem Radar

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Flugzeuge, Kerosin und ein Bienenstock am Rande des Rollfeldes. Was sich wie eine ungewöhnliche Kombination anhört, gehört zu Ingo Fehrs Alltag. Er ist Umweltingenieur am Hamburg Airport und hat ein spezielles Hobby: Flughafenimker. Im Interview mit der TASPO klärt er über die Arbeit an einem außergewöhnlichen Arbeitsplatz auf.

Trotz Kerosin und Flugzeugen arbeiten Ingo Fehrs Bienen rund um die Uhr. Foto: Michael Penner/Hamburg Airport

Sie sind Flughafenimker am Hamburg Airport. Wieso siedeln sich die Bienen ausgerechnet auf einem Flughafengelände an?

Jedes Jahr im April werden sechs Bienenstöcke auf dem Flughafengelände in der Nähe des Startbahnsystems aufgestellt. Die Grünflächen des Flughafens und die angrenzende Vegetation der Kleingärten und Parks bieten ein gutes Nahrungs- und Trachtangebot für die Bienen. Zusätzlich gewährleisten die umliegenden Gewässer eine ausreichende Wasserversorgung. Im Rahmen des seit vier Jahren laufenden Wildbienenprojekts werden auf Teilflächen der Flughafen-Grünflächen Blühstreifen angelegt, um das Nahrungsangebot für Insekten zu verbessern.

Flughafenimker ist ein eher ungewöhnlicher Beruf. Wie kamen Sie dazu?

Es begann als Hobby, das ich durch meinen Schwiegervater kennengelernt habe. Am Flughafen hatten wir in der Umweltabteilung vor fast 20 Jahren dann die Idee, wenn schon ein Imker vor Ort ist, kann man auch einmal Bienen auf dem Betriebsgelände aufstellen. Hintergrund war das Thema Luftschadstoffe. Da Bienen ein Sammelgebiet von etwa zwölf Quadratkilometern bei der Nektarsuche abfliegen und dabei mit Schadstoffen in Kontakt kommen können, entstand die Idee, Bienenprodukte wie Honig, Pollen und Wachs speziell auf typische Luftschadstoffe zu untersuchen. Hamburg Airport war damit der erste Flughafen. Inzwischen haben auch andere Flughäfen Bienen.

Was ist Ihre Aufgabe als Flughafenimker?

Alle acht bis neun Tage erfolgt eine Kontrolle der Bienenvölker. Unter anderem wird überprüft, ob ausreichend Futter (Honig und Pollen) vorhanden ist und ob das Bienenvolk Anzeichen von Krankheiten aufweist. Und nicht zuletzt sorge ich für die Honigernte.

Welche Vorteile bieten die Bienen für die Umwelt?

Natürlich produzieren sie den süßen, leckeren Honig. Aber vor allem ist es der landwirtschaftliche Nutzen durch die Bestäubungsleistung der Honigbienen, Wildbienen und andere Insekten.

Honig zwischen Kerosin und Flugzeugen – eine ungewöhnliche Kombination. Wie steht es um die Qualität des Honigs?

Der Honig des Flughafens (technisch geprägter Standort) und eines Vergleichsstandortes im Südosten von Schleswig-Holstein (naturnaher Standort) wird jedes Jahr von einem unabhängigen Lebensmittellabor untersucht. Die Ergebnisse sind jedes Mal einwandfrei - der Honig ist auch am Flughafen-Standort schadstofffrei und von bester Qualität. Er konnte daher aufgrund der Untersuchungsergebnisse immer als unbelastet und genusstauglich eingestuft werden und entsprach stets den Bestimmungen der deutschen Honigverordnung für Speisehonig und den Qualitätsrichtlinien des Deutschen Imkerbundes (DIB). Unser Honig verfügt über einen honigtypischen, blumig aromatischen Geschmack und Geruch. Ein Geruch oder Geschmack nach Kerosin durch die Nähe zum Flughafen – wie mancher Skeptiker behauptet – kann nicht festgestellt werden.

Wie viel Honig produzieren die Bienen und was passiert mit dem Honig?

Im Durchschnitt werden mit etwa 200.000 Bienen rund 150 Kilogramm Honig pro Jahr geerntet. Der Honig wird in 250 Gramm Gläser abgefüllt und dient unter anderem als Präsent für besondere Anlässe.

Das Bienensterben ist ein aktuelles Thema. Sind Ihre Völker davon betroffen?

Zu schaffen macht den Bienen ein Parasit, die Varoa-Milbe, gegen die der Imker aber mit Ameisensäure seinen Bienen helfen kann. In den letzten zwei bis drei Jahren gab es so gut wie keine Völkerverluste zu verzeichnen. Winterverluste von zehn bis zwölf Prozent sind aber mittlerweile schon fast normal.

Wie fällt der Honigertrag generell in einer Großstadt wie Hamburg aus? Weniger als auf dem Land?

Über das Jahr gesehen kommt es auf die gleiche Menge heraus, jedenfalls bei mir und je nach Wetterverlauf über den Sommer. Meistens ernte ich im Juni mehr auf dem Land (Rapshonig), dafür aber im Juli mehr in der Stadt (Lindenhonig).

Sind weitere Projekte in Zukunft geplant?

Ja, wir starten gerade mit den Planungen für ein weiteres Artenschutzprojekt direkt neben unserem Betriebsgelände an einem Fließgewässer. Mehr dazu in 2019 auf der Homepage des Hamburger Flughafens