Grüne Branche

Interview: Engagiert für den freien Handel

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Vor rund einem Monat wurde Jan-Dieter Bruns bei der Tagung der European Nurserystock Association (ENA) in Oxford zum Präsidenten gewählt. Seit 2016 war er ENA-Vizepräsident. Wir sprachen mit ihm über seine Ziele für die ENA und aktuelle Themen der europäischen Baumschulwirtschaft – wie Xylella, den bevorstehenden Brexit und den ENA-Beitritt der Türkei.

Jan-Dieter Bruns ist Geschäftsführender Gesellschafter der Baumschule Bruns und Präsident der ENA. Foto: privat

Herr Bruns, Sie engagieren sich schon sehr lange in der ENA. Welche Themen liegen Ihnen als neuer Präsident besonders am Herzen?

Sehr wichtig ist mir der freie und offene Pflanzenverkehr, sowohl innerhalb der EU als auch darüber hinaus. Daher sind für mich die derzeit vorrangigen Themen der Umgang mit Xylella und der „Brexit“. Um diese Herausforderungen in der ENA gemeinsam lösen zu können, müssen wir viel miteinander reden und uns austauschen.

Was muss im Kampf gegen Xylella passieren? Die ENA hat zu dem Erreger ja im Februar ein Positionspapier verabschiedet…

Im Vordergrund steht die Frage, wie wir Baumschulen den Erreger eingrenzen können. Grundlage dafür sind die EU-weit verbindlichen Maßnahmen, etwa zum Monitoring oder zur Meldepflicht. Diese müssen natürlich konsequent umgesetzt werden. Außerdem müssen wir die Kunden der Baumschulen noch stärker einbinden, also den Endverkauf sowie planende und ausschreibende Stellen und den Garten- und Landschaftsbau. Mir scheint, dass noch nicht alle Beteiligten den Ernst der Lage erkannt haben.

Dabei ist auch die Rückverfolgbarkeit wichtig, wie im ENA-Positionspapier zu Xylella ausgeführt: Danach müssen alle Baumschulen, Groß- und Einzelhändler Proben jeder ein- oder ausgehenden Lieferung folgender Xylella-Wirtspflanzen für mindestens drei Jahre aufbewahren: Coffea, Lavandula dentata, Nerium oleander, Olea europaea, Polygala myrtifolia, Prunus dulcis. Diese Hochrisikopflanzen dürfen erst nach einer umfangreichen Testung in den Handel gebracht werden. Sinnvollerweise wird nun innerhalb der EU-Kommission auch überlegt, bestimmte Pflanzen von außerhalb der EU gar nicht mehr einzuführen. Dies könnte das Risiko einer weiteren Einschleppung zumindest minimieren.

Britische Kollegen haben zudem vorgeschlagen, dass in jeder Stufe der Grünen Branche (Planung, Ausschreibung, Pflanzung und Endverkauf) ein Pflanzenschutzspezialist verantwortlich ist, um Xylella und andere Schaderreger besser im Blick zu haben. Eine gute Idee, die sich auch relativ leicht umsetzen lässt. Viele Baumschulen haben einen solchen Beauftragten ohnehin schon.

Welche Folgen könnte der bevorstehende Brexit für Baumschulen haben?

Meine Sorge ist, dass das Vereinigte Königreich Importbeschränkungen einführt – bei Xylella-Wirtspflanzen wie Oliven wird das schon diskutiert. Ich befürchte, dass besonders für größere Gehölze mit Erdballen Quarantäneregelungen drohen – davon wären dann beispielweise Pflanzen für die Objektbegrünung betroffen, das heißt, dass diese Pflanzen erst eine Vegetationsperiode in einem englischen Baumschulbetrieb kultiviert werden müssen. Wurzelnackte Pflanzen und Pflanzen im Torfsubstrat dürfte es dagegen weniger treffen.

Der britische Gartenbau erhofft sich durch die mit dem Brexit verbundenen Maßnahmen auch eine Steigerung ihrer eigenen Produktion.

Mit welchen Restriktionen wir jedoch konkret rechnen müssen, ist derzeit noch nicht klar, da heißt es abwarten. Wir als ENA wollen dabei auf jeden Fall Einfluss nehmen, mit dem Ziel, den freien Handel weiterhin zu ermöglichen. Mir kommt es darauf an, diese heiklen Themen fachlich fundiert zu diskutieren – und Emotionalität außen vor zu lassen.

Welche Chancen erhoffen Sie sich durch den ENA-Beitritt der Türkei?

Die Türkei entwickelt zunehmend ihre Eigenproduktion und strebt dabei die Qualitätsstandards der EU an – was ich sehr begrüße, denn je mehr Länder diese Standards einhalten, desto besser für den Handel mit Baumschulware in einem gehobenen Preisniveau.

Die türkischen Baumschulen sind nicht nur am Ausbau der Handelsbeziehungen interessiert, sondern auch am fachlichen Austausch. So suchen junge türkische Baumschulgärtner die Möglichkeit zu einem Praktikum in deutschen Baumschulen, um dazu zu lernen. Davon profitieren dann beide Seiten.

Über welche Themen wurde auf der ENA-Tagung in Oxford noch gesprochen?

Wie immer gab es bei dem Treffen einen Bericht zum Marktverlauf. Es zeigt sich, dass die Preise für Baumschulerzeugnisse in vielen Bereichen immer noch zu niedrig sind. Die Ursachen sind zum Teil nicht erklärlich. Immerhin ist die Nachfrage nach Pflanzen sehr erfreulich und der Absatz insgesamt gut.

Der Strukturwandel schreitet in allen ENA-Ländern voran – in Portugal zum Beispiel ging im letzten Jahr die Produktion deutlich zurück. Das witterungsbedingt schwierige Frühjahr hat durchgehend alle Länder in Europa betroffen. Auch die zurzeit vorherrschende große Trockenheit beschäftigt viele Betriebe – hoffentlich gibt es nicht zu viele Pflanzenausfälle.

Gab es dort auch Neues von der ENA-Kampagne „Grüne Städte für ein nachhaltiges Europa“?

Diese Kampagne, die sich an Entscheider in Stadt- und Landschaftsplanung richtet, ist für die ENA insgesamt ebenso wie für Deutschland sehr positiv. Der BdB (Bund deutscher Baumschulen) wird 300.000 Euro über die dreijährige Laufzeit zur Verfügung haben; geplant sind zum Beispiel Veranstaltungen wie Seminare für Landschaftsplaner und Entscheider in den Kommunen. Im Rahmen der Messe GaLaBau in Nürnberg werden wir die erste Veranstaltungsreihe auflegen.

Im Moment sind wir dabei, unsere Botschaften für die Kampagne zu visualisieren: Dabei kommen Print- und Online-Formate zum Zuge. Wichtig ist dabei, dass wir der gesamten europäischen Kampagne einen einheitlichen Rahmen geben wollen. Das fördert den positiven Austausch zwischen den Kampagnenteilnehmern.