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Interview: „Für einen Gärtner ist das ein Lottogewinn“

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Ein Schloss ist nicht nur ein architektonischer Blickfang. Auch das gesamte Areal aus Parks und Gärten muss entsprechend gepflegt werden. Doch hier gibt es einiges zu beachten. Die TASPO sprach mit Ufuk May, gärtnerischer Leiter der UNESCO-Welterbestätte Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl, über eine historische Verantwortung.

Ufuk May ist Herr über 100 Hektar Garten- und Parkanlagen der UNESCO-Welterbestätte Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl. Foto: Ufuk May

Sie haben seit 2009 die gärtnerische Verantwortung für eine Weltkulturerbestätte. Wie kam es dazu?

Ich sah die Ausschreibung zufällig in der Zeitung und habe mich schlicht beworben. Womöglich haben dann meine Ausbildungen bei der Landwirtschaftskammer NRW und meine Erfahrungen in der Pflege eines privaten Englischen Gartens in Köln den Ausschlag gegeben und ich wurde kurzfristig eingestellt. Für einen Gärtner ist sowas natürlich wie ein Lottogewinn.

Was sind Ihre Aufgaben als gärtnerischer Leiter?

Mein Aufgabengebiet umfasst insbesondere die eigenverantwortliche fachliche Leitung der erforderlichen landschaftsgärtnerischen Instandhaltungs- und Restaurierungsmaßnahmen der 100 Hektar Garten- und Parkanlagen von Augustusburg und Falkenluster Busch nach Gesichtspunkten der Gartendenkmalpflege, der Verkehrssicherung und des Naturschutzes sowie Zierpflanzenproduktion für die Blumenanlagen und die Unterhaltung einer kleinen Baumschule.

Die Gestaltung von Schlossgärten orientiert sich in der Regel an historischen Gegebenheiten und Vorbildern, bei der nur bestimmte Pflanzen verwendet werden dürfen. Wie essentiell sind diese Kenntnisse?

In der Gartendenkmalpflege besteht für die Pflanzen mehr als bei allen anderen Gartenelementen die Notwendigkeit der Präsentation nach historischer Artenwahl, welche für ihre ästhetische Wirkung mit Ausprägung in Habitus, Laub und Farbgebung, bei Gehölzen zusätzlich noch Stamm und Frucht, entscheidend ist. Mein Fachbereich nimmt hierfür regelmäßig an Symposien, Vorträgen und Fortbildungen teil. Zudem bin ich zu diesem Thema mit Kollegen anderer Schlösserverwaltungen und Gartenleitern historischer Anlagen im regen Erfahrungs- und Wissensaustausch.

Welches sind die größten Herausforderungen im Rahmen Ihrer Arbeit und was ist Ihre Motivation?

Die Auswirkungen des Klimawandels macht auch vor unseren Gartenkunstwerken nicht halt. Die instabilen Elemente der Vegetation, also Bäume, Sträucher und Blumenarrangements (im Gegensatz zu Mauern, Wege- und Wasseranlagen, etc.), reagieren besonders sensibel auf klimatischen Wandel, auf Wassermangel oder –Überschuss, sowie invasive Pflanzenschädlinge. Diese neuen Phänomene stellen uns, das heißt alle Kollegen staatlicher Gartenverwaltungen, vor große Herausforderungen.

Der interdisziplinäre Ansatz durch den Kontakt mit den verschiedensten Fachbehörden, die Führung von 23 Mitarbeitern mit allen Aspekten der Arbeitssicherheit und -gesundheit sowie nicht zuletzt der staatlichen Bewahrung und Vermittlungsauftrag macht die fachliche Betreuung historischer Gärten für mich zu einem der spannendsten Berufe überhaupt.

Was ist Ihr nächstes kurzfristiges Projekt, was Sie in Angriff nehmen werden?

Voraussichtlich 2019 werden wir den rekultivierten Bereich des „Großen Inselweihers“ für das Publikum öffnen. Dieser sehr komplexe Parkteil mit vielen Gartenelementen, wird, zusätzlich zu dem stetigen Abbau des Pflegerückstands im waldartigen Parkteil, viel Managementleistung erfordern, aber ich freue mich schon darauf.

Wie sieht Ihrer Meinung nach der perfekte Schlossgarten aus?

Jeder Garten ist natürlich ein Ort einer ständigen Veränderung und im Grunde niemals „fertig“ oder „perfekt“. Wenn gerade ein historischer Garten es jedoch schafft, dem Besucher einen Eindruck des Lebensgefühls der dargestellten Zeitschiene zu vermitteln und zudem als Vermittler zwischen Natur und menschlicher Kultur sowie als Ort der Entspannung zu dienen, dann „funktioniert“ ein Schlossgarten.