Grüne Branche

Interview: „Kommunikation Face-to-Face ist unschlagbar“

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Nach 16 Jahren Moderation von Gartensendungen beim NDR, wie der gelernte Gärtner und Florist John Langley sie hinter sich hat, kann man schon als wirklicher Praktiker unter den Medienexperten der Branche gelten. Im Interview mit der TASPO verrät der prominente Gartenbotschafter, wie das Thema Garten in den Medien behandelt wird.

Medienprofi: John Langley moderierte zwischen 1999 und 2015 wöchentlich beim NDR Gartenthemen – so schlagfertig wie fröhlich. Heute firmiert er als Gartenbotschafter. Foto: Langley

Wie wurde in Ihren Moderationsanfängen 1999, wie wird heute das Thema Garten beim NDR oder anderen Medien behandelt?

In der aktuellen Medienarbeit gibt es aus meiner Sicht kein „gestern“ mehr, der lange bewährte Prozess hat sich gewandelt. Es reicht nicht mehr, in wenigen TV-Minuten einen Kompost zu bauen, es muss gleich ein ganzer Event daraus geschmiedet werden. Und das mit Unterhaltung, eindrucksvoller Visualisierung und modernen, kurzweiligen, wenig elaborierten Sprachbotschaften. Wird das gemacht, dann klappt das auch mit dem einen oder anderen Medium.

Es geht den verantwortlichen Redakteuren natürlich um die Verbrauchergunst, um Einschaltquoten. Und das TV muss selbstverständlich die neuen Herausforderungen der sozialen Netzwerke annehmen und beantworten.

Hat sich der Einfluss der TV-Sendungen auf die Verbraucher durch die sozialen Netzwerke gewandelt?

Es gibt sicher einen Wandel. Immer mehr Menschen suchen über Online-Medien einen Weg, in einer bislang ungeahnten Art und Weise auch mal „zu Wort“ zu kommen. Zugleich hat der Konsum von Tipps, Ratschlägen oder kurzen, unkomplizierten Entscheidungshilfen rund um den Garten exorbitant zugenommen. Faktisch kann sich jeder mit einem Klick ins Internet zu praktisch jedem Gartenthema klüger machen. Die Gartenthemen im Fernsehen haben dadurch ihr früheres Alleinstellungsmerkmal verloren.

Wenn nahezu alle Informationen rund um das Thema Garten verfügbar sind – wie, mit welchen Infos lassen sich die Verbraucher denn überhaupt noch ansprechen?

Mit dem unmittelbaren Kontakt zu Experten. Der „Lange Tag der StadtNatur“ in Hamburg hat das beispielhaft bewiesen. NDR-Pflanzendoktor Rene Wadas, Apfelexperte Eckhardt Brandt, Buchautor Jürgen Feder, Dr. Schirarend vom Botanischen Garten oder Dr. Matthias Glaubrecht vom Centrum für Naturkunde waren im Europa Center zu Gast. Sozusagen Experten zum Anfassen. Damit möchte ich sagen: Kommunikation Face-to-Face ist unschlagbar.

Als Moderator beim NDR-Fernsehen ist man ja Empfänger von Pressemeldungen aus der Branche. Was wünscht man sich in den Redaktionen eigentlich an Inhalten solcher Pressemeldungen?

Gleichbleibend aktuell ist die Fragestellung: Was hat unser Zuschauer, Hörer, Leser von den Inhalten der eingereichten Meldung? Journalisten sind keine „Werbebotschafter“. Deshalb selektieren sie sehr genau, welche Mitteilungen, welche Botschaften sie für eine Veröffentlichung verwerten. Fakt ist und bleibt, dass der Neuigkeitswert über allem steht.

Gute Chancen hat man nur, wenn es um innovative Produkte, einzigartige Dienstleistungen oder aktuelles Zeitgeschehen geht. Ich habe in vielen Jahren meine Erfahrungen gemacht und dabei festgestellt, dass manchmal ein bekannter Name für größeres Interesse sorgt.

Seit einiger Zeit gibt es von mehreren großen Playern der Branche Medienkampagnen mit dem Ziel, die Wertigkeit von Blumen und Pflanzen zu erhöhen. Wird so etwas in den Redaktionen wahrgenommen?

Ob diese Kampagnen in den Redaktionen so wahrgenommen werden, dass sie zu eigenen Themen inspirieren, das weiß ich nicht. Aber natürlich schaffen etwa die Kampagnen des Blumenbüros unter der Leitung von Frank Teuber ein neues Bewusstsein für Pflanzen und Blumen als unverzichtbare Begleiter unseres Lebens.

Meine ganz persönliche Wertschätzung gilt dem überregionalen Markenkonzept der traditionellen Blumengroßmärkte für den inhabergeführten Blumeneinzelhandel. Die Marke „Ich bin von Hier!“ wird in der Öffentlichkeit wahrgenommen und verstanden. Die Marke bleibt dabei dem Blumeneinzelhandel vorbehalten, den vielen, oft kleinen Geschäften, die es schwer haben und doch die Basis der ganzen Branche sind. Und was unglaublich klingt: „Ich bin von Hier!“ greift einen gesellschaftlichen Megatrend auf, der sich fest etabliert hat.

Es gibt ja noch einige andere Kampagnen der Branche, die allesamt ihren Schwerpunkt bei den sozialen Netzwerken haben. Ist das ein Fingerzeig darauf, dass Medienkanäle wie TV und Print immer weiter an Bedeutung verlieren?

Die Netzwerke spielen heute bereits eine zentrale Rolle im gesellschaftlichen Leben. Nahezu jeder hat darauf Zugriff und die Chance, unmittelbar aktiv oder besser gesagt interaktiv zu sein. Das macht einen großen Reiz aus und wird sich nie wieder ändern. Ich bin aber überzeugt: Die Medien lassen sich nicht grundsätzlich voneinander unterscheiden oder abgrenzen. Eine News von wirklichem Wert wird ihren Weg finden, egal ob über das Fernsehen oder über Twitter.