Grüne Branche

Interview mit Renke zur Mühlen über den Marktplatz Ammerland

Wie sich das Ammerländer Baumschulgebiet entwickelt fragte TASPO-Redakteurin Renate Veth den Vorsitzenden des Landesverbandes Weser-Ems im Bund deutscher Baumschulen (BdB) Renke zur Mühlen.

Renke zur Mühlen, Vorsitzender des Landesverbandes Weser-Ems im Bund deutscher Baumschulen. Foto: privat

Wie entwickelt sich das Baumschulgebiet Ammerland in Zahlen (Stichwort: Größe, Umsatz, Beschäftigte, Spezialisierung/Größe der Betriebe, Vermarktungsformen, Kundenstruktur)?

Renke zur Mühlen: Die Anzahl der Betriebe ist leicht rückläufig, Flächen gleich bleibend bis leicht steigend. Es gibt eine zunehmende Spezialisierung der Betriebe. Die Vermarktung erfolgt über eigenen Kundenkreis oder Großhandelsbaumschulen oder andere Vermarktungsorganisationen. Zu Umsatz/Beschäftigten liegen keine belegbaren Zahlen vor. Die Kundenstruktur setzt sich aus Baumschulen mit Endverkauf, Gartencentern, Baumärkten, LEH, Garten- und Landschaftsbau zusammen. Wobei die jeweiligen Anteile nicht mit Zahlen belegbar sind.<br/>

Wird angestrebt, die Gehölze aus dem Ammerland als Marke zu etablieren? Wenn ja, wie? Wenn nein, warum nicht?

Renke zur Mühlen: „Meine Oldenburger“ ist die Marke der Oldenburger Baumschulen. Durch den gemeinsamen Auftritt bei der Oldenburger Vielfalt untermauern wir diese Aussage.

Neue Großhandelsformen entstehen, auch angrenzend an das Ammerland – welche Bedeutung haben reine Handelsbetriebe für den Absatz von Gehölzen an Gartencenter und den GaLaBau (etwa Landgard in Westerstede oder Green Contor sowie der Trade Park Flora Holland in Bremen)? Wohin geht die Entwicklung hier?Werden Handelsbetriebe wichtiger?

Renke zur Mühlen: Alle Händler, die dem Kunden (Gartencentern) einen Mehrnutzen anbieten können, haben gute Chancen auf dem Markt. Anforderungen an Logistik, Marketing, Beratung, Service, Betreuung vor Ort, Regalpflege werden größer.

Für einige Produktionsbetriebe können die Händler diese Aufgaben übernehmen. Nicht jede Baumschule kann oder will sich auf die höheren Ansprüche der Gartencenter einstellen.

Es gibt in Oldenburg aber nach wie vor viele Baumschulbetriebe, die neben der Produktion eine leistungsfähige Vermarktung aufgebaut haben.

Welchen Nutzen bringt beispielsweise der Trade Park aus Ihrer Sicht für das Ammerland (Stichwort: erhöhter Bekanntheitsgrad)?

Renke zur Mühlen: Leider ist der Trade Park in Bremen angesiedelt. Räumlich näher wäre besser. Der Trade Park in Bremen ist für die „Oldenburger Baumschulen“ ein weiteres Tor zum Markt.

Welche Rolle spielt dabei die Baumschulbörse, wie entwickelt sie sich?

Renke zur Mühlen: Die Baumschulbörse dient dem schnellen Überblick im Anbaugebiet und hilft den einzelnen Betrieben bei der Komplettierung von Aufträgen.

Welche Bedeutung hat der Online-Handel für den Erfolg? Gemeint sind einmal die betriebseigenen Onlineshops, zum anderen die der Vermarkter.

Renke zur Mühlen: Für eine Reihe von Baumschulen mit Absatz an den Endverbraucher haben Online-Shops mittlerweile eine gewisse Bedeutung für den Betriebserfolg. Statistiken über die Anzahl der Betriebe mit Online-Shops sowie die Anteile des Online-Geschäfts am Umsatz dieser Betriebe liegen nicht vor.

Welchen Anteil am Umsatz hat der Online-Handel im Vergleich zum stationären schätzungsweise?

Renke zur Mühlen: Dazu sind keine verlässlichen Daten vorhanden.

Wohin wird sich der Online-Anteil Ihrer Einschätzung nach entwickeln? Wodurch wird diese Entwicklung unterstützt?

Renke zur Mühlen: Auf jeden Fall wird der Anteil steigen. Vor Allem beim B2C Handel. Auch Endgeräte wie Tablet-PC und Smartphone, und wer weiß, was alles noch kommt, werden dieses unterstützen. Entsprechende Nutzer und damit Kunden wachsen heran.

Gut aufgestellte Großhandelsshops werden eine Chance haben, wenn der Verkauf über ständig aktualisierte Bilder und Videos unterstützt wird.

Wie unterstützt der Verband die Betriebe beim Thema Online?

Renke zur Mühlen: Die Einführung des BKS (Baumschulkatalogstamm) mit der entsprechenden Artikelnummer hat erst den elektronischen Pflanzenhandel sinnvoll gemacht.

Der EDV-Ausschuss beobachtet den Markt und die Anbieter. Neue Entwicklungen werden auf Vortragsveranstaltungen und in Newslettern verbreitet, zum Beispiel QR-Code für den Pflanzenverkauf.

Welche Perspektiven sehen Sie für die Vermarktung über Hausmessen, Messen wie die Oldenburger Vielfalt und die IPM? Wie stehen sie zueinander? Wo ergänzen sie sich?

Renke zur Mühlen: Ist alles als Marketing-Mix sinnvoll. Auf der IPM werden viele neue Kontakte erst begründet, auch werden vorhandene Kundenkontakte gepflegt. Viele Kunden suchen speziell Neuheiten.

Bei der Oldenburger Vielfalt und auch bei den Hausmessen hat der Kunde die Gelegenheit, die angebotene Ware und auch die Betriebe genauer zu begutachten.

Viele Kunden sind sowieso ein- bis zweimal im Oldenburger Anbaugebiet und informieren sich vor Ort. Gerade die Hausmessen im Winter bieten dem Kunden einen umfassenden Überblick in kurzer Zeit.

Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für die Baumschulen? Wo drückt der Schuh?

Renke zur Mühlen: An erster Stelle brauchen wir guten Fachkräftenachwuchs. Über eine Imageverbesserung unseres Berufsstandes muss es uns gelingen, junge Menschen für eine Ausbildung in der Baumschule zu interessieren. Die Verbesserung der Logistik ist immer ein Thema.

Der Boom in der Landwirtschaft, in erster Linie durch die Erzeugung von Bioenergie, macht die Anbauflächen knapp und teuer. Steigender bürokratischer Aufwand bei der Betriebsführung.

(Renate Veth)