Grüne Branche

Interview: Roboter, die Töpfe rücken

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Jetzt ist die Robotertechnik auch in Containerbaumschulen angekommen: Das aufwändige Töpferücken kann, so verheißt der Schweizer Düngerproduzent Hauert, zukünftig vom HV-100 übernommen werden – einem selbsttätig arbeitenden Roboter, der diese eintönige Arbeit erledigen und jede Menge Personalkosten einsparen könnte.

Der HV-100 beim Ausstellen von Töpfen in der Ehlers Baumschulpflanzen GmbH. Foto: Ehlers/Hauert

200 Roboter in Nordamerika im Einsatz

Der Praxiseinsatz des vom US-amerikanischen Unternehmen Harvest Automation entwickelten Geräts befindet sich in einigen deutschen Baumschulen in der Probephase. In Baumschulen in den USA und Kanada sind bereits etwa 200 Roboter im Einsatz. In Europa wird das Gerät vom Schweizer Düngerproduzent Hauert vertrieben.

Das Gerät kann verschiedene Topfgrößen und -gewichte zum Beispiel vom Winterquartier auf Endabstand stellen – und umgekehrt. Angetrieben wird der kleine Helfer von Lithiumbatterien. Das Gerät orientiert sich an einem reflektierenden Grenzband, das zum Lieferumfang gehört, und einem Lasersensor, der die Töpfe erkennt, indem es die Topfoberflächen scannt.

In absehbarer Zukunft soll der Roboter sogar mit einem mobilen Düngerdispenser zusammenarbeiten. Töpfe rücken und gleichzeitiges Düngen fast ohne Personaleinsatz – eine gerade für Baumschulen in strukturschwachen Gegenden besonders verlockende Vorstellung. Die TASPO fragte bei Ludwig Eberspächer (Hauert Nürnberg) nach.

Was wiegt der Roboter und wie schnell arbeitet er?

Das Gerät wiegt rund 50 Kilogramm. Das ist nicht ganz leicht, aber dank der Follow-me-Funktion, mit der der Roboter einem vor ihm gehenden Menschen folgt, muss er nur ausnahmsweise angehoben werden. Wenn der Roboter angehoben werden muss, um ihn zum Beispiel über eine Stufe zu heben, müssen zwei Personen anfassen.

Die Anzahl Töpfe, die der HV-100 in der Stunde rücken kann, hängt stark von der spezifischen Situation ab, in der der Roboter eingesetzt wird. Eine Faustzahl sind 240 Töpfe pro Stunde. Der Vorteil des Roboters ist, dass er nicht müde wird, keine Rückenschmerzen kriegt und konstant motiviert ist. Ein Mensch, der Töpfe trägt, lässt nach einer bestimmten Zeit mit der Arbeitsleistung nach, weil er müde wird oder die Glieder schmerzen, der Roboter arbeitet konstant.

Woher bekommt der Roboter Energie, wie lange halten die Batterien?

Vier Lithiumbatterien gehören zum Lieferumfang, mit je zwei von ihnen wird der Roboter betrieben, die anderen können währenddessen aufgeladen werden. Das Ladegerät, das zurzeit ausgeliefert wird, braucht ungefähr acht Stunden für einen Ladevorgang, demnächst wird es auch ein Schnelladegerät geben, das dafür vier Stunden braucht. Mit einer Akkuladung läuft der Roboter je nach Arbeitsaufwand vier bis sechs Stunden.

Können Sie schon etwas über den Preis des Roboters sagen?

In Deutschland befindet sich der Vertrieb noch in der ganz frühen Pionierphase. Erst seit wenigen Tagen läuft der erste Roboter bei der Baumschule Ehlers in Westerstede-Hüllstede. Wir sind noch nicht in der Lage, etwas über den endgültigen Verkaufspreis zu sagen, weil wir den Betreuungsaufwand der Geräte noch nicht richtig kalkulieren können.

Fest steht aber schon, dass wir für alle Interessenten grundsätzlich eine einmonatige Miete vor dem Kauf vorsehen. So haben unsere potenziellen Kunden ausreichend Zeit, sich intensiv mit dem Roboter zu beschäftigen, und können am Ende eine vernünftige betriebswirtschaftliche Entscheidung treffen.

Unser komplettes Interview zum Roboter HV-100 lesen Sie in der TASPO 19/2018, die am 11. Mai erschienen ist.