Grüne Branche

Interview: „Wir müssen eigene Ideen entwickeln“

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Friedhof und Lebensraum, das sind zwei Begriffe, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen wollen. Weshalb das doch so ist, erklärt die Vorsitzende des Bundes deutscher Friedhofsgärtner, Birgit Ehlers-Ascherfeld, TASPO Online im Interview. Außerdem berichtet sie, weshalb Friedhofsgärtner und naturnahe Grabstätten sich nicht gegenseitig ausschließen und welche Rolle Pflanzenschutzmittel spielen.

Friedhofsgärtner können dem Trend zur naturnahen Bestattung sehr wohl nachkommen, glaubt die Vorsitzende des Bundes deutscher Friedhofsgärtner. Foto: BdF

Weshalb ist der Friedhof ein solch wichtiger Lebensraum?

Der Friedhof ist Lebensraum für Mensch und Tier gleichermaßen. Menschen, die trauern, finden hier Kontakt zu anderen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, wenn Sie so wollen zu Gleichgesinnten. Der Friedhof und das Grab erhalten den Bezug zum Verstorbenen. Auch beobachten wir Friedhofsgärtner oft, dass es eine tröstende Wirkung für die Hinterbliebenen bietet, mit den Händen etwas für die Grabstätte und damit für den Verstorbenen tun zu können.

Natürlich bietet der Friedhof als Ort der Ruhe auch Pflanzen, Insekten und Kleintieren einen Lebensraum, wie es ihn in Städten nicht oft gibt. Auch die „normalen“ Parkanlagen können hier nicht gleichziehen, bietet der Friedhof doch einen geschützten Raum ohne Müll oder spazierende Hunde, die vielleicht Kleintiere aufscheuchen. Besonders wichtig bei der Bepflanzung sind insektenfreundliche Gewächse, die von Bienen und Schmetterlingen angesteuert werden.

Ist es für Friedhofsgärtner nicht schwierig, die Erhaltung eines Lebensraums mit der eigenen Arbeit in Einklang zu bringen? Sicherlich bringen die Gärtner zum Beispiel doch auch Pflanzenschutzmittel aus…

Der Friedhof ist ein öffentlicher Lebensraum, an dem kein übermäßiger Pflanzenschutz betrieben werden darf. Nur ein kleines Beispiel: Es gab eine Zeit, da haben viele Kollegen eine Sondergenehmigung beantragt und auch bekommen, um Buchsbäume gegen hartnäckige Schädlinge zu behandeln. Im Endeffekt war trotz der Sondergenehmigung der Infektionsdruck so hoch, dass die Friedhofsgärtner lieber auf andere, weniger anfällige Pflanzen wie etwa Ilex Crenata auswichen.

Schließlich kann man nicht einfach den ganzen Friedhof mit Pflanzenschutzmitteln behandeln. Ich selbst erlebe die Friedhofsgärtner als sehr umweltbewusste Berufsgruppe. Zudem sind wir oft dazu angehalten standortgerechte Gewächse zu pflanzen.

Bedeutet der Trend zum immer natürlicheren Friedhof nicht auch eine Bedrohung der Existenzgrundlage für Friedhofsgärtner?

Ich sehe hier gar kein Problem für den Berufsstand. Wir Friedhofsgärtner können uns sicherlich anpassen und müssen unsere eigenen Ideen entwickeln, um diesem Trend gerecht zu werden. Eine Möglichkeit besteht in der stärkeren Verwendung von Stauden, also einer sehr naturnahen Bepflanzung. Wir als Bundesverband sind ja immer auch Vorreiter. Deshalb arbeiten wir gerade an dem Projekt „naturnahe Bestattung“, das wir unseren Friedhofsgärtner in naher Zukunft präsentieren möchten. 

Zum Interviewpartner

Birgit Ehlers-Ascherfeld, ist Vorsitzende des Bundes deutscher Friedhofsgärtner. Die studierte Gärtnerin bewegt sich schon 30 Jahre in der Branche und leitet eine Friedhofsgärtnerei, die auch Gartenpflege anbietet.