Grüne Branche

Interview: „Züchter-Konzentration gefährdet nicht die Vielfalt“

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„Aus wirtschaftlichen Gründen und wegen der teils weltweiten Aktivitäten der Ciopora-Mitglieder ist eine Konzentration der Züchterhäuser unabwendbar.“ Diese Meinung vertritt Prof. Dr. Jürgen Grunewaldt. Wir sprachen mit dem bald scheidenden Geschäftsführer der Züchtervereinigung über mögliche Konsequenzen, Patente und gentechnisch veränderte Organismen.

Prof. Jürgen Grunewaldt legt zum 31. März sein Amt als Geschäftsführer von Ciopora Deutschland nieder, bleibt als Mitglied des Instituts für Pflanzengenetik der Leibniz Universität Hannover jedoch der Förderung der Angewandten Züchtungsforschung erhalten. Foto: Ciopora

Wie sieht Ciopora Deutschland die Konzentrationen durch Fusionen der Züchter?

Anders als bei den Züchtern von landwirtschaftlich genutzten Arten befasst sich jeder weltweit tätige Zierpflanzen- und Obstzüchter, abgesehen von wenigen Ausnahmen wie Rosenzüchtern, mit einer breiten Palette von Arten. Insofern bleibt trotz Firmenfusionen die Vielfalt der Sorten erhalten.

Und auch, wenn fachfremdes Kapital zur Ansammlung von zuvor agierenden Einzelfirmen in einem Firmenkonglomerat führt, entstehen zwar Wettbewerbsverschiebungen, beeinträchtigen aber noch nicht das breite Sortenangebot.

Stichwort Gentechnisch veränderte Organismen (GVO): Wie steht es mit Verunreinigungen bei der Züchtung?

Das Auftreten transgener Petunien und die vergeblichen Anstrengungen, deren Herkunft lückenlos zu ermitteln, haben gezeigt, dass Zuchtmaterial vor seiner Verwendung auf eine mögliche gentechnische Veränderung hin zu untersuchen ist.

Unsere Mitglieder haben Untersuchungen selber durchführen lassen und das Ergebnis für jedermann zugänglich publiziert, deshalb sind Züchter und Verbraucher auf der „sicheren Seite“.

Rechnen Sie bei vegetativen Sorten damit, dass es Patente geben wird?

Das zuständige Europäische Patentamt (EPA) hat zurückliegend Patente, in denen Pflanzen einbezogen sind, erteilt – und auch widerrufen. Zurzeit werden anhänge Patentanträge bearbeitet.

Grundsätzlich sehen wir die Patentierung als eine Möglichkeit, den Züchtervorbehalt wesentlich einzuschränken. Da die Anforderungen zur Erteilung eines Patentes und die Kosten erheblich sind, wird es keine Patentinvasion geben.

Wo sehen Sie die Zukunft der Züchtungsforschung an den Hochschulen?

Ciopora Deutschland sieht eine ihrer Hauptaufgaben in dem Erhalt von Lehre und Forschung in den öffentlich geförderten Einrichtungen in Deutschland. Ohne die wird zukünftig auch in diesen Bereichen die Nachfrage unter den wirtschaftlich stärkeren Bewerbern entschieden.

Damit wären, bedingt durch den Marktwert der unterschiedlichen Arten, „kleinere“ Zierpflanzen-Züchter zunehmend und stark benachteiligt. Auch Züchterhäuser mit eigener Züchtungsforschung brauchen ausgebildeten Nachwuchs aus den Hochschulen.

Das komplette Interview mit dem Noch-Geschäftsführer von Ciopora Deutschland lesen Sie in der TASPO 10/2019, die Sie im TASPO Online-Shop abrufen können.