Grüne Branche

Ist ein Pfandsystem für Pflanztöpfe sinnvoll?

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Mit „HANFi“ hat das grüne Start-up Meinwoody einen biologisch abbaubaren Pflanztopf entwickelt, der komplett aus nachwachsenden Rohstoffen gefertigt ist und sich sowohl für die Anwendung im Profi- als auch Hobbygärtner-Bereich eignet. Im Interview spricht Unternehmensgründer Ozan Durukan über die Entwicklung und Zukunft von Mehrweglösungen von Pflanztöpfen.

Meinwoody-Gründer Ozan Durukan. Fotos: Meinwoody

Welche Bedeutung hat das Thema Nachhaltigkeit für Sie und inwiefern beeinflusst es die Entwicklung Ihrer Produkte?

Durukan: Wir sehen das Leitbild der Nachhaltigkeit als Basis unseres Handelns, des Klimaschutzes und der daraus resultierenden Verantwortung unserer und der folgenden Generationen. Wie es der Name bereits impliziert, ging und geht es bei der „Unternehmung“ um die zwingende Maßgabe, Innovationen umzusetzen und diese in den Gesamtkreislauf des Konsums zu integrieren – für den Umweltschutz. Ein Produkt, welches einfach eingesetzt werden kann, ohne dabei wertvolle und endliche Ressourcen zu erschöpfen und dabei die Umwelt zu verschmutzen. Nur so können wir faktisch Umweltschutz betreiben und eine Basis für unsere Zukunft schaffen.

Um die globalen Probleme unserer Zeit zu lösen, bedarf es neuer Denkansätze. Wir leben mitten in einem Paradigmenwechsel, in dem sich viele Innovatoren als Trendsetter verstehen und Märkte erobern wollen, weil Sie meinen, den Zeitgeist verstanden zu haben. Dabei greift unser menschliches Denken aber oft immer noch viel zu kurz und umfasst nur wenige Jahre auf Sicht. Wenn überhaupt. Wir halten das steile Wachstum für nicht nachhaltig. Es erschöpft meist schon vor Beginn der eigentlichen Lösungsumsetzung wesentlich mehr Ressourcen als es kompensiert, geschweige denn, dass es neue Ressourcen erzeugt. Die Aufforstung natürlicher, biodiverser Pflanzenwelten, Wälder und Lebensräume ist unabdingbar, um unsere Erde für die Zukunft und damit für uns zu erhalten und unser Überleben zu sichern.

Im Zeichen des Klimawandels und der uns in den Händen zerrinnenden Zeit war und ist es notwendig, nachhaltige Lösungen zu implementieren, die den Prozess des Aufforstens und Umweltschutzes effektiver und schlussendlich effizienter machen. Das Leitbild des Kreislaufes ist elementar, um nachhaltige Innovationen durchsetzen zu können. Nur ein Produkt, welches im natürlichen Kreislauf integriert ist, kann dienlich für die Umwelt sein. Ein stetiges und langsames Wachstum wird sehr wahrscheinlich eine stabile und dauerhafte Kultur entstehen lassen. Wir verstehen uns also in diesem Sinne als Mensch, zuerst verantwortlich für die Natur und unseren Planeten Erde. Nur wenn unsere Erde gesund und intakt ist, können wir als Menschen auf dieser Erde in Frieden leben.

Bis heute hungern auf dem gesamten Globus immer noch Millionen. Und das bei all der Technik und Innovation, die in den vergangenen Jahrzehnten unser Leben elementar beeinflusst, geprägt und verändert hat. Dabei sind das Leben und das Lebensmittel in der Moderne der Zeit verloren gegangen. Das Menschsein an sich ist auf dem Planeten Erde zu einer völlig beiläufigen Sache geworden. Wir leben in einem System, das ununterbrochen endliche Ressourcen aufbraucht, um Produkte zu generieren, die meist nur eine kurze Weile überdauern. Die dahinterstehende Logistik, Verpackung und Entsorgung sind schier unglaublich. Daher braucht es globale Lösungen. Eine wahre Innovation versteht sich immer im Zeichen des Friedens und der Gesundheit auf dem Planeten Erde Zukünftige Handlungen von „Meinwoody“ stehen somit sicher immer im Zeichen einer friedlichen und gesunden Zukunft.

Sie haben 2014 eine Machbarkeitsstudie zur Entwicklung eines Pflanztopfes aus nachwachsenden Rohstoffen durchgeführt – welche Erkenntnisse haben Sie damals aus dieser Studie gewonnen?

Durukan: Die Herausforderung war, einen nachwachsenden Rohstoff zu finden, der robust ist, und schnell und ohne großes Zutun von Menschen in der Natur wild wächst. Und dabei der Tier- und Pflanzenwelt und der Natur allgemein während seines Wachstums etwas Gutes bietet. Einen Rohstoff, mit dem es unter bestimmten Produktionsverfahren und Prozessen möglich wäre, ein biologisch abbaubares Pflanzgefäß zu produzieren. Dies vorausgesetzt, hat sich in der Machbarkeitsstudie erwiesen, dass es der nachwachsende Rohstoff Hanf, die daraus zu gewinnenden Fasern und eine Matrix aus natürlichen Bindemitteln ermöglichen, ein Pflanzgefäß herzustellen, welches sich kontrolliert und in kurzer Zeit vollständig biologisch selbstständig in der Natur abbaut. Die Machbarkeitsstudie war somit der Startschuss, die Forschung zu verifizieren und in die Tat umzusetzen. Gleichzeitig kam in den Jahren 2015/2016 das Thema Plastik in der Umwelt auch in den Medien und in der Gesellschaft verstärkt als Umweltproblem zur Sprache.

Wie würden Sie diese Erkenntnisse aus heutiger Sicht und unter Berücksichtigung der Entwicklung, die das Thema Nachhaltigkeit in der Grünen Branche gemacht hat, beurteilen?

Durukan: Es ist wohl so, dass viele Dinge entstehen, die einen natürlichen Aspekt haben. Aber dennoch zu oft zu kurzgefasst sind. Eine Verpackung zum Beispiel ist immer nur ein Transportmittel. Bei einer Pflanze ist das nochmal etwas ganz anderes, weil diese ja natürlich auch wächst. Ganz zu schweigen davon, dass es sich um ein Stück Leben handelt, das man nicht beliebig behandeln darf. Am Ende handelt es sich schließlich auch um Lebensmittel, die großgezogen, verpackt und transportiert werden, die am Ende auf unserem Teller und schlussendlich in unserem Körper landen. Wir sehen dennoch die Entwicklung positiv. Allein, dass sich schon etwas in dieser Richtung bewegt, ist ermutigend.

Was waren die ersten Überlegungen, die letztendlich zur Entwicklung des kompostierbaren Pflanzentopfes „HANFi“ führten?

Durukan: Wie es „HANFi“ im Produktnamen schon wiederzugeben versucht, geht es uns um den Hanf. Hanf war seit eh und je in der Menschheitsgeschichte ein hilfreicher Stoff, der in vielen Lebenslagen dienlich und nützlich war. Wir glaubten, in der vielfältig nutzbaren Pflanze läge ein wertvoller Schlüssel, um einen Teil unserer globalen Probleme zu lösen. Hanf ist eine kostbare Pflanze, die in vielerlei Hinsicht Lösungen bietet. Vom Anbau bis zur Verwendung.

Inwiefern könnte das Thema Mehrwegtrays in den kommenden Jahren, Ihrer Meinung nach, noch mehr an Bedeutung in der Grünen Branche gewinnen?

Durukan: Das können wir nur bedingt voraussehen. Es ist leider nach wie vor so, dass viele Ökonomie vor Ökologie stellen. Auch in der „Grünen“ Branche. Recyclingprodukte machen auch nur dort Sinn, wo es geschlossene Kreisläufe ohne Eventualitäten gibt. Wir meinen, dass es Ziel sein sollte, Pflanzen in giftfreien und natürlichen Behältern zu produzieren und zu transportieren. Unserer Meinung nach wird auch zu viel Verantwortung an den Verbraucher abgegeben. Ein Pfandsystem funktioniert auch nur dann, wenn alle mitmachen. Und das ist langfristig schwer denkbar ohne harte systematische Eingriffe, die aber wahrscheinlich völlig unverhältnismäßig wären. Produzenten sollten die Dinge vereinfachen und nicht verkomplizieren und dabei immer mehr Faktoren einbinden.

Inwieweit und auf welche Art könnten kompostierbare oder Mehrwegtrays, Ihrer Meinung nach, vermehrt in der Grünen Branche integriert werden?

Durukan: Wir denken, dass sich in den kommenden Jahrzehnten in der Landwirtschaft weitreichende Veränderungen etablieren werden und die Maßgabe des Umweltschutzes die höchste Priorität auf unserem Planeten haben wird. Von daher denken wir, dass sich diese und viele andere Lösungen zwingend in sehr naher Zukunft etablieren werden. Plastik und Pflanzenzucht passen einfach nicht zusammen. Dieser Fakt ist nicht mehr verschiebbar. Umweltschutz geht einher mit Gesundheit und dem eigenen Wohlergehen. Daher sind wir überzeugt, dass langfristig nur nachhaltige und natürliche Verpackungen beim Verbraucher überzeugen.

Welche Trends und Entwicklungen wären in diesem Bereich zukünftig denkbar und Ihrer Meinung nach dauerhaft umsetzbar?

Durukan: Wir denken, dass etwas nur dauerhaft überzeugen kann, wenn keinem Trend gefolgt wird, sondern Notwendigkeit das Maß aller Dinge ist. Das sollte uns wichtig sein. Nur so können wir dauerhafte und verantwortungsvolle Lösungen umsetzen. Das Wichtigste dabei ist, dass generationsübergreifende Lösungen entstehen, Probleme vorausgesehen und präventiv Lösungen geschaffen werden und nicht bloßes Reagieren das Handeln steuert. Unserer Meinung nach wird das Hauptthema der kommenden Jahrzehnte sein, wie wir mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen auf dem Planeten weiter umgehen. Eine davon ist Wasser.

Was denken Sie, wie Kunden auf Töpfe aus nachwachsenden Rohstoffen oder andere nachhaltig produzierte Verpackungen reagieren und diese annehmen?

Durukan: Unsere Erfahrung zeigt, dass die Endkunden sehr gerne bereit sind, ein paar Cent mehr für eine saubere Verpackung zu bezahlen, wenn das Ganze sinnvoll ist, die Umwelt schützt und das Produkt gesund und natürlich ist. Dann sind die Verbraucher bereit, einen Mehrpreis zu zahlen. Es ist schlicht eine falsche Grundannahme, dass die Kunden die paar Cent Aufpreis nicht zahlen wollen. Nach unserem Stand ist es mittlerweile so, dass ein regelrechtes Verlangen nach „cleanen“ Produkten herrscht. Es zeigt sich verstärkt, dass die Endverbraucher ihren Konsum sehr gut analysieren und dabei herauszufinden versuchen, wie Produkte und deren Lebenszyklen entstehen und sie somit das Umweltgeschehen positiv beeinflussen können.

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