Grüne Branche

IVG-Umfrage: Mitglieder besorgt über Währungsschwankungen

Die Hälfte der im Industrieverband Garten (IVG) organisierten Mitglieder geht laut einer aktuellen Befragung davon aus, dass sich die wirtschaftliche Situation auch 2015 für sie weiter verbessern wird. Sorgen bereiten den Mitgliedern des Branchenverbandes derzeit allerdings die Währungsschwankungen. 

Das russische Handelsembargo macht den Transport von Substraten und Torf aus baltischen Ländern teurer. Foto: IVG/Erika Hartmann/pixelio

Währungsschwankungen: IVG erwartet punktuelle Preisanpassungen

Betroffen sind davon insbesondere Unternehmen, die im Dollar-Raum fertigen oder sich dort mit Produkten und Rohstoffen versorgen. Als Reaktion auf diese so nicht vorhersehbare Schwächung des Euros gegenüber dem Dollar und einer damit teilweise deutlichen Verteuerung von Vorprodukten erwartet der IVG für das laufende Jahr punktuelle Preisanpassungen.

Auch der Verfall des Rubels gegenüber dem Euro habe zu einem Erlahmen des Außenhandels mit Russland geführt. Daraus ergäben sich deutliche Umsatzverluste mit den russischen Handelspartnern. Die Erdenindustrie, die auf Frachtraum als Rückfracht zum Transport ihrer torfbasierten Fertigprodukte oder auch Rohstoffe angewiesen ist, stellt die aktuelle Situation derzeit vor große Herausforderungen.

Nicht zuletzt würden die in Deutschland aktiven Schweizer Hersteller die Entkopplung des Schweizer Frankens vom Eurokurs verkraften und sich daraus ergebende Verteuerungen an den Markt weitergeben müssen. Alles in allem befürchten nur vier Prozent der Mitglieder des IVG eine schwächere Inlandsnachfrage in 2015, und zehn Prozent sorgen sich um die geringere Nachfrage, die eventuell aus dem Ausland zu erwarten ist.

IVG: Russlands Handelsembargo wirkt sich auf Substratindustrie aus

Die seit Juli 2014 geltenden Handelssanktionen gegen Russland und das daraus resultierende Handelsembargo von Seiten Russlands ziehen ihre Kreise jetzt auch in der deutschen Substratindustrie. Die Abnahme der EU-Exporte um 13 Prozent (Eurostat) nach Russland habe zu einer Abnahme von Lkw- und Containertransporten in diese Region geführt.

Diese fehlen der Substratindustrie in Deutschland jetzt, so der IVG, um ihre Produkte aus dem Baltikum nach Deutschland und den Rest von Europa zu transportieren. Bisher konnten die Substrathersteller mit Niederlassungen oder Firmen im Baltikum die Exporte nach Russland nutzen, um günstig Frachtraum einzukaufen. Um Leerfahrten zu vermeiden, boten Spediteure günstige Konditionen für die Rückfracht aus den baltischen Ländern an.

In den letzten Monaten ging die Zahl der Lkw und Container im Außenhandel mit Russland und dem Baltikum jedoch stark zurück, wodurch die Fertigprodukte und Rohstoffe zur Herstellung von Blumenerden und Kultursubstraten nicht mehr als Auslastungsmenge aus dem Baltikum nach Deutschland transportiert werden können, so der IVG.

Erdenhersteller müssten nun für die wenigen Transporte, die zur Verfügung stehen, teilweise 50 bis 60 Prozent höhere Frachtraten bezahlen als bisher. Je nach Lieferregion in Deutschland lägen die Preise teilweise auch höher. Diese erhöhten Frachtraten hätten einen großen Einfluss auf die Herstellungskosten für Blumenerden und Kultursubstrate, da sie einen großen Anteil dieser ausmachten.

Blumenerden und Kultursubstrate in Deutschland bestehen zu 83 Prozent aus Weiß- und Schwarztorf. Dieser stammt zum Teil aus deutschen Abbaugebieten, aber auch aus Abbaugebieten in den baltischen Ländern, wie Litauen, Lettland und Estland. Gerade größere Mengen des in Deutschland seltenen Weißtorfes kommen aus dem Baltikum. Nach vorläufigen Hochrechnungen des Statistischen Bundesamtes wurden 2014 2,8 Millionen Kubikmeter Weiß- und Schwarztorf aus den baltischen Ländern nach Deutschland importiert, 15 Prozent weniger als 2013.

IVG-Umfrage: Gartenmarkt wächst moderat – Online gewinnt Marktanteile

Zum Gesamtgartenmarkt sehen 75 Prozent der befragten IVG-Mitglieder in 2015 kein weiteres signifikantes Wachstum. Die gegenwärtige wirtschaftliche Situation in Deutschland wird von 81 Prozent als gut empfunden, nur 63 Prozent behaupten dies für den grünen Markt. Wachstumsimpulse in der Zukunft sehen die Befragten insbesondere beim Thema Grillen und Kochen im Garten (44 Prozent), gefolgt von der Robotic Technologie (42 Prozent). Erst an dritter Stelle sieht man die Renaissance des Nutzgartens mit 13 Prozent.

Der Vertriebsweg E-Commerce ist in der grünen Branche im Vergleich zu anderen Branchen noch nicht sehr weit entwickelt. Hier erwartet für 2015 mit 58 Prozent die größte Anzahl der IVG-Mitglieder den höchsten Hinzugewinn von Marktanteilen. Gefragt nach den aus ihrer Sicht größten Chancen als Vertriebsform innerhalb des E-Commerce rechnen 44 Prozent der IVG-Mitglieder mit einer weiter positiven Entwicklung der Internetpräsenzen des Handels, gefolgt von Internet Pure Playern (31 Prozent) und den Internet Marktplätzen (29 Prozent).

Im stationären Handel räumen 33 Prozent dem Gartenfachhandel die besten Wachstumschancen ein. Danach folgen die Gartenabteilungen der Baumärkte (13 Prozent), die mit den Discountern (zwölf Prozent) fast gleichauf liegen. (ts)