Grüne Branche

Jubiläum bei Rosen Tantau in Uetersen

Seit 100 Jahren gehört die Züchtung von Gartenrosensorten zur Haupttätigkeit von Rosen Tantau (25436 Uetersen). Während dieser Zeit hat sich das Unternehmen auf verschiedene Arten von Rosen spezialisiert. Vor 20 Jahren erfolgte noch einmal eine Intensivierung der Zuchtlinien auf die verschiedensten Typen von Rosen.

Mathias Tantau lernte in Uetersen Baumschulgärtner und arbeitete danach für ein Jahr in der Rosenschule bei Peter Lambert in Trier. Tätigkeiten bei Rosenbaumschulen in Frankreich und in der Schweiz erweiterten die Kenntnisse. Zurück in Uetersen, begann er auf einem Stück Land seines Vaters eine Holsteiner Baumschule aufzubauen und vollzog am 6. Januar 1906 die offizielle Gründung. Von Beginn an lag das Hauptaugenmerk auf dem Anbau von Gartenrosen, Rosenhochstämmen und auf Rosenunterlagen. Bis 1914 stieg die Anzahl der jährlich produzierten Rosenpflanzen auf über 250000, die der Wildlinge auf über drei Millionen, dazu einige Tausend Hochstammrosen. Dann unterbrach der 1. Weltkrieg die Entwicklung, und die Vermehrungszahlen fielen dramatisch. In diesen Jahren begann Mathias Tantau mit der Züchtung neuer Rosensorten.

1919 stellte Mathias Tantau seine ersten beiden eigenen Polyantha-Sorten vor: ‘Stadtrat Main’ und ‘Schöne von Holstein’. Es folgten Sorten wie ‘Rotelfe’ (1922), ‘Johanneszauber’ (1926), ‘Professor Gnau’ (1928), ‘Johanna Tantau’ (1930), ‘Johanna Röpke’ (1931), ‘Direktor Bentschop’ (1939), ‘Karl Weinhausen’ und ‘Käthe Duvigneau’ (1942), ‘Tantaus Überraschung’ (1943), ‘Märchenland’ und ‘Fanal (1946)’, die zum Teil weltweite Bedeutung erlangten. Eine der letzten Züchtungen war die rote Polyantha Rose ‘Schweizer Gruß’ (Red Favorit). Eine Züchtung der frühen 40-er Jahre war die Polyantha-Rose ‘Garnette’, die nach dem 2. Weltkrieg eine weltweite Bedeutung als Schnittrose im Unterglasanbau erlangen sollte. Diese Eigenschaft wurde zunächst in Deutschland nicht erkannt, sondern beim Kooperationspartner in den USA, der Firma Jackson & Perkins, von wo sie nach Beendigung des 2. Weltkriegs wieder nach Europa kam, um in den Niederlanden in Hunderttausenden von Exemplaren in den Gewächshäusern angebaut zu werden. Die ursprünglich doldig wachsende Polyantha-Rose wurde durch Ausbrechen der Seitenknospen zur einstieligen Schnittrose, die sich durch eine bis dahin unbekannte sehr große Produktivität und vor allem durch sensationelle Haltbarkeit auszeichnete.

Mathias Tantau junior übernahm 1948 die Verantwortung für den Betrieb. Groß geworden in Rosen verfügte er über fundierte Kenntnisse in der Züchtung wie auch in der Geschäftsleitung. Er begann mit einer Änderung in der Züchtungsstrategie, da er den Trend des Marktes zu großblumigen, langstieligen Rosen in leuchtenden Farben vorhersah. Insbesondere sollten die neuen Sorten auch eine gute Resistenz gegen Pilzkrankheiten aufweisen. Einer seiner ersten Erfolge war die Teehybride ‘Konrad-Adenauer-Rose’.

Im Jahr 1960 konnte Mathias Tantau junior einen seiner größten Erfolge auf den Markt bringen: die lachs-orangefarbene Teeyhybride ‘Super Star’ (Tropicana). Diese Rosenfarbe in Kombination mit dem starken Duft war nach eigenen Angaben eine Sensation. Zunächst als Gartenrose eingeführt, erlebte ‘Super Star’ als Treibhaus- und Freilandschnittrose Popularität. Mathias Tantau richtete ein Hauptaugenmerk auf großblumige, winterharte Sorten mit starkem Duft. Das Ergebnis waren Sorten wie ‘Duftwolke’ (Nuage Parfume, Fragand Cloud) 1963, ‘Mainzer Fastnacht’ (Sissi, Blue Moon) 1964, ‘Pariser Charme’ 1964, ‘Whisky’ (Whisky Mac) 1967, ‘Erotika’ 1968, ‘Herzog von Windsor’ (Duke of Windsor) 1969 und ‘Landora 1970’ sowie später Sorten wie ‘Piroschka’, ‘Polarstern’, ‘Romanze’, ‘Lawinia’ und ‘Montana’.

Im Jahre 1964 war Rosen Tantau zu einem Betrieb mit etwa 70 Mitarbeitern gewachsen, die jährlich drei Millionen Rosenpflanzen produzierten und rund 2500 Quadratmter Gewächshausfläche kultivierten. Mathias Tantau wurde unter anderem für seine Verdienste um die Rose mit der „Georg Ahrends-Gedächtnismedaille“ ausgezeichnet.

Im Jahr 1985 entschloss sich Mathias Tantau junior, den Betrieb an seinen erfahrenen Angestellten Hans Jürgen Evers zu verkaufen, dessen Vater Hein Evers 50 Jahre bei Rosen Tantau in leitender Stellung tätig war und ein Freund der Familie Tantau wurde. Evers hatte viele Jahre im Verkauf, in der Züchtung und der Selektion mit Mathias Tantau junior zusammengearbeitet. Dennoch gestaltete sich der Start schwierig: Durch den strengen Winter 1984/85 hatten die Veredelungen stark gelitten, es mussten Millionen von Rosen-pflanzen zugekauft und meist importiert werden. Jedoch ungeachtet dieser schwierigen Jahre konnte der Betrieb weiter ausgebaut werden, insbesondere das Züchtungsprogramm wurde ausgeweitet und umgestellt. Es kamen reich blühende, besonders krankheitsresistente Gartenrosen für weltweite Märkte in allen Segmenten dazu, beispielsweise ‘Santana’ 1985, ‘Bernstein Rose’ 1987, ‘Schneewalzer’ 1987, ‘Barkarole’ 1988, ‘Mirato’ 1990, ‘Satina’ 1992, ‘Schneekönigin’ 1992, ‘Sonnenschirm’ 1993, ‘Goldjuwel’ 1993, ‘Tea Time’ 1994, ‘Black Magic’ 1995, ‘Nostalgie’ 1995, ‘Aspirin-Rose’ 1997, ‘Austriana’ 1997, ‘Augusta Luise’ 1999, ‘Candlelight’ 2001, ‘Sweet Haze’ 2003 und ‘Pastella’ 2004. Evers war einer der Ersten, der bei Züchtungs- und Selektionskriterien sein Augenmerk auf Eigenschaften für den Anbau zur Schnittrosengewinnung im Freiland richtete. Erste Erfolge waren Sorten wie ‘Diadem’, später ‘Monica’, ‘Majolika’, ‘Softy’ und heutige Sorten wie ‘Kessy’, ‘Mariatheresia’ und ‘Nostalgie’.

Mit der Markteinführung der Schnittrosen-Sorten ‘Garnette’, ‘Ilseta’ 1982 und ‘Belinda’ hatte die Erfolgsgeschichte in diesem Segment begonnen. Die zunächst in den Niederlanden eingeführte Schnittrose ‘Osiana’ (1989) begann ihren Siegeszug durch Südamerika und öffnete dort die Türen für Tantau-Züchtungen. Zusammen mit ‘Osiana’ kam die dunkelrote, fast schwarze, duftende Teehybride ‘Barkarole’. Die großblumige, hellrote ‘Raphaela’, die gelbe Edelrose ‘Skyline’ sowie ‘Konfetti’ und ‘Noblesse’ folgten. Welterfolge waren laut Evers später ‘Black Magic’, ‘Akito’, ‘Milva’ und ‘Vendela’.

Seit 2000 leitet Sohn Christian zusammen mit seinem Vater die Firma. Bereits viele Jahre an der Züchtung beteiligt, habe er bekannte Schnittrosensorten wie ‘Cherry Brandy’, ‘Prestige’ sowie die Gartenrose ‘Sweet Haze’ eingeführt.