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Kaktus des Jahres: Opuntia ficus-indica

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In Europa ist der Feigenkaktus seit der frühen Renaissance bekannt, als die spanischen Konquistadoren erste lebende Pflanzen aus Mexiko mitbrachten. Aus dieser Zeit stammt auch der wissenschaftliche Artname der Pflanze: ficus-indica, was „indische Feige“ bedeutet.

Reich kann eine Opuntia ficus-indica ihre leuchtend gelben Blüten entfalten. Foto: Edgar Gugenhan

Feigenkaktus in Mexiko wichtige Nutzpflanze

Opuntia ficus-indica wurde von den Kakteengesellschaften der Länder Deutschland, Österreich und Schweiz zum Kaktus des Jahres auserkoren. Grund für diese Wahl waren die besonderen Eigenschaften dieser Kaktusart, denn sie spielen wirtschaftlich gesehen eine sehr große Rolle. Die Art ist in Mexiko seit urgeschichtlicher Zeit eine wichtige Nutzpflanze und wird auch heute noch in großen Plantagen angebaut. Genutzt werden einerseits die Früchte als Obst, andererseits auch die zarten Jungtriebe, die gekocht ein schmackhaftes Gemüse liefern.

Der Gattungsname Opuntia wurde 1548 erstmals in Italien benutzt. Er bezieht sich auf eine rätselhafte Pflanze in den frühen griechischen und römischen Kräuterbüchern, die aus den Blättern Wurzeln schlägt.

Flache und grüne Äste, die Wasser speichern

Was bei diesem Feigenkaktus wie Blätter aussieht, sind allerdings botanisch gesehen gar keine Blätter, sondern abgeflachte, Wasser speichernde Triebe, also gewissermaßen flache und grüne Äste. Und wie für die Verwandtschaft der Feigenkakteen typisch, sind über die Trieboberfläche kleine Büschelchen mit ganz feinen, borstenähnlichen Dornen verteilt. Sie machen den Umgang mit den Feigenkakteen etwas mühsam, vor allem auch deshalb, weil sie mit mikroskopisch feinen Widerhäkchen versehen sind. Sie lassen sich deshalb nur schwer aus der Haut entfernen. Am besten verwendet man dazu eine Pinzette.

Wegen der vielen unterschiedlichen Verwendungsmöglichkeiten wurde dieser Feigenkaktus im Laufe der Jahrhunderte in vielen Ländern mit geeignetem Klima angepflanzt. Dank der großen Wasserspeicher in den Triebsegmenten können die Feigenkakteen auch unter sehr trockenen Bedingungen gut gedeihen. So sind sie heute insbesondere auch auf den Kanaren und in frostfreien Gebieten von Italien anzutreffen.

Opuntia ficus-indica im geschützten Anbau

In Mitteleuropa ist eine Kultur wegen der kalten Winter im Freien nicht möglich. Anders ist es in einem geschützten Anbau, also in größeren Töpfen oder in einem Pflanzenkübel. Ideal ist dann eine Kultur im Sommer auf der Terrasse oder an einer geeigneten Stelle im Garten. Gut ist es dann, wenn ein Wintergarten für eine trockene, kühle und frostfreie Überwinterung vorhanden ist. Nach den Erfahrungen der Kakteenspezialisten steht dem Erfolg einer Kultur nichts mehr im Wege: Bereits an Pflanzen von 1,5 Metern Größe können dann sogar Blüten erwartet werden.