Grüne Branche

Karriere im Gartenbau: „Auch kleinere Betriebe bieten gute Chancen“

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Der Gartenbau bietet jede Menge Karriere-Möglichkeiten, und das nicht nur in großen Unternehmen. Jakob Hokema, Gärtnermeister und Vorsitzender des Bildungsausschusses des Zentralverbands Gartenbau (ZVG), sieht gerade auch in kleineren Betrieben für manchen, der den immer größer werdenden Einheiten skeptisch gegenübersteht, eine Zukunftschance.

„Offenheit für neues Denken, neue Prozesse ist ganz wichtig – die Branche wandelt sich genauso schnell wie die umgebende Wirtschaft“, sagt Jakob Hokema im TASPO-Interview zu den Karriere-Chancen im Gartenbau. Foto: privat

Welche Karriere-Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten habe ich generell im Gartenbau, und wie komme ich wo hin?

Grundsätzlich: Der Gartenbau sucht gute Führungskräfte auf allen Ebenen. Die Zahl der Gärtnereien nimmt ab, aber die verbleibenden Betriebe wachsen. Die Konsequenz: Was vorher Inhaber und Familie gemacht haben, müssen nun andere Führungskräfte erledigen. In der Vermarktung werden fähige Menschen gebraucht, also auch hier gute Chancen für Menschen, die nicht direkt in der Produktion arbeiten wollen.

Viele Möglichkeiten bietet auch der Bereich Dienstleistung mit Pflanzen – vom gut organisierten Webshop bis zur glaubhaften Dienstleistung vor Ort. Die Menschen haben sich weit von den natürlichen Lebensverhältnissen entfernt und brauchen die Hilfe eines Fachmanns, um Grün richtig zu genießen.

Klimaänderung – eine gewaltige Herausforderung für unsere Gesellschaft. Hier kann Grün einen guten Beitrag leisten. Menschen, die aus dem Gartenbau kommen und mit der entsprechenden Weiterbildung tätig werden, haben gute Chancen, da sie ein verbindendes Element zwischen Kultivateuren und Verwendern sind.

Welche Chancen bietet speziell die Digitalisierung im Gartenbau – welche neuen Aufgaben und Jobs sind damit verbunden?

Wir stehen wie die gesamte mittelständische Wirtschaft am Anfang dieser Entwicklung. Das riesige Pflanzen-Sortiment lässt sich nur beherrschen, wenn Daten richtig miteinander verknüpft werden. Für die Wirtschaftlichkeit der Betriebe wird das eine elementare Voraussetzung sein.

Klimaüberwachung und -steuerung über das Netz ist für viele bereits Alltag. Steuerung und Kontrolle von Maschinen wird hinzukommen. Wir haben Überlegungen für RFID-Etiketten, die das Aufsuchen von Pflanzen im Betrieb erleichtern. Der Datenaustausch mit Kunden und Lieferanten wird intensiver und ist bereits jetzt praktizierter Alltag. Bei allem muss man dann noch die hohe Verletzlichkeit der Daten und die schon jetzt vorhandene kriminelle Energie bestimmter Kreise sehen – dann weiß man, welch hohe Kompetenz hier gefragt ist.

Welche Eigenschaften, Fachkenntnisse und Schwerpunkte sind im Gartenbau derzeit ganz besonders gefragt?

Gärtnerei ist Saisonarbeit – ohne Belastbarkeit und zeitliche Flexibilität geht es gar nicht. Offenheit für neues Denken, neue Prozesse ist ganz wichtig, die Branche wandelt sich genauso schnell wie die umgebende Wirtschaft. Wir stehen unter deutlichem finanziellen Druck – also ist wirtschaftliches Denken mehr denn je gefragt. Der berühmte „grüne Daumen“ ist Sensibilität für Pflanzen, genaues Beobachten, dokumentieren und dann die richtigen Schlüsse ziehen. Das gilt heute wie vor 100 Jahren. Und neben dem „grünen Daumen“ ist die modernste Technik eine Herausforderung, ohne die in größeren Betrieben einfach gar nichts mehr geht.

Die völlig berechtigte Skepsis gegenüber dem in den letzten Jahrzehnten geübten Pflanzenschutz hat uns bereits erreicht und wird uns deutlich mehr beschäftigen. Ob wir es wollen oder nicht – der Verbraucher will mehr ungiftige Produktion – und dem haben wir zu folgen.

Das komplette Interview mit Jakob Hokema zu den Karriere-Möglichkeiten im Gartenbau ist in der TASPO 19/2019 erschienen, die Sie im TASPO Online-Shop abrufen können.

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