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Klassische Bestattung immer weniger gefragt

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Die Bestattungswünsche der Deutschen werden immer individueller, dagegen verliert das traditionelle Erd- oder Urnengrab an Bedeutung. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie von TNS Infratest im Auftrag der Verbraucherinitiative Aeternitas.

Das traditionelle Sarg- oder Urnengrab auf dem Friedhof ist in Deutschland immer weniger gefragt. Foto: Aeternitas

Die Zahlen, die das Marktforschungsinstitut zwischen 1998 und 2016 erhoben hat, sprechen für sich: Wollten 1998 noch 78 Prozent der Bundesbürger ihre letzte Ruhe auf einem der rund 32.000 deutschen Friedhöfe in einem klassischen Sarg- oder Urnengrab finden, waren es im vergangenen Jahr lediglich noch 43 Prozent.

Individuelle oder ausgefallene Beisetzungen in Deutschland im Kommen

Stark im Kommen sind dagegen ausgefallene oder individuelle Beisetzungsformen, wie etwa ein gemeinsames Grab mit dem eigenen Haustier oder die Bestattung auf einem speziell dafür ausgewiesenen Friedweinberg, wie er unter anderem an der an der Volkacher Mainschleife im Landkreis Kitzingen geplant ist. Auch die sexuelle Orientierung kann hier eine Rolle spielen – wobei der „Friedhof für Lesben“, der 2014 auf dem Berliner Friedhof Georgen-Parochial I eröffnet wurde, noch eher die Ausnahme bildet.

Auf den steigenden Wunsch nach immer individueller gehaltenen Begräbnissen reagieren auch Bestattungsunternehmen mit ausgefallenen oder exklusiven Angeboten. So hat etwa die in der Bundeshauptstadt ansässige Firma November neben speziellen Urnen und Särgen auch eine „Weltreise-Bestattung“ im Katalog, bei der der eingeäscherte Verstorbene posthum verschiedene Wunschstationen rund um den Globus ansteuern kann.

Nachfrage nach pflegefreien Bestattungsformen steigt weiter

Hinter dem Wandel in der deutschen Bestattungskultur stecken jedoch vermehrt auch rein pragmatische Gründe. „50 Prozent der Deutschen, deren Eltern älter als 70 Jahre sind, wohnen mehr als zwei Fahrstunden von ihnen entfernt. Nahe Angehörige sind daher häufig nicht an dem Ort der Bestattung und können sich daher nicht um die Grabpflege kümmern. Das treibt die Nachfrage nach pflegefreien Bestattungsarten, wie zum Beispiel einer Waldbestattung, an“, sagt November-Gründer Robin Klemm.

Entsprechend hat der Anteil der pflegefreien Bestattungsarten – wie beispielsweise Seebestattung, Urnenwand, anonyme Beisetzungen oder Waldbegräbnisse – von 26 Prozent im Jahr 2013 auf immerhin 32 Prozent im vergangenen Jahr zugenommen, wie die Erhebungen von TNS Infratest zeigen.