Grüne Branche

Kleinstadtfriedhöfe in Bildern

Das Buch ist anders als manch anderer Bildband zum Thema Friedhof. Es erschöpft sich nicht in der romantischen Schau der Vergänglichkeit, sondern gestaltet sich zu einem fast verzweifelten Aufschrei angesichts verlorener Schicksale, die einst auf den Friedhöfen eine zu kurze Erklärung gefunden haben. Seit dem 19. Jahrhundert sind wir es gewohnt, die fehlenden Antworten auf das Leben mit monströsen Grab-Monumenten und haltlosen Leerformeln zu kaschieren. Diese Friedhofs- und Grabkultur wird in Kramers Bildern als große Lüge entlarvt.

Man kann sich nicht sicher sein, die Intentionen des Fotografen richtig zu erfassen, wie überhaupt jede Kunst sich einer objektiven Interpretation entzieht, aber die sozialkritische Betrachtungsweise der Grabmalkultur des 19. Jahrhunderts, die ja weit in unsere Tage hineinreicht, sieht ebenfalls in den Friedhöfen eine Alibifunktion für die fehlenden Inhalte einer säkularen Gesellschaft, die deshalb an die Stelle der spirituellen die materielle Memoria gesetzt hat. Und wie vergänglich die materielle Memoria ist, belegen die Bilder von Rüdiger Kramer in eindrücklicher Weise. So wird dieser Bildband tatsächlich zu einer Dokumentation über die Endlichkeit ewiger Ruhestätten. „Unvergessen – Bilder von Kleinstadtfriedhöfen“, von Rüdiger Kramer (Fotograf und Herausgeber), mit Beiträgen von Reiner Sörries, Gabriele Uerscheln, Bernhard Jansen. 144 Seiten, farbige Abbildungen, Format 20 x 28 cm, Broschur mit 8-seitigem Umschlag, B. Kühlen Verlag, Mönchengladbach. € 22,80, ISBN 978–3–87448–333–9. 

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