Grüne Branche

Klimawandel: Die Stadt der Zukunft ist grün

Mit einem ganzen Themenpaket präsentierte sich die Baumschule Lorenz von Ehren (Hamburg) auf der diesjährigen IPM in Essen. Im Fokus stand das Thema Nachhaltigkeit, dem Bernhard von Ehren drei wesentliche Entwicklungs-Säulen zuordnet. 

Die Ausrichtung an ökologischer Produktionsweise bilde dabei einen der Schwerpunkte, wobei dem ein hohes Kostenbudget zuzuordnen sei. „Für die Betriebe ist das teilweise mit einem ziemlichen Spagat verbunden“, meint er, „da sich der erhöhte Aufwand preislich nicht ohne weiteres an den Markt weitergeben lässt.“ Maßnahmen, wie das Düngen nach Bodenanalyse, der Zwischenfruchtanbau, der Einsatz bodenschonender Technik sowie der auf ein Minimum reduzierte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ergäben zusammengenommen das Bild künftiger Gehölzproduktion. Die Entwicklung dahin sei jedoch nur in kleinen Schritten möglich.

Auf der anderen Seite stehen von Ehren zufolge neue Anforderungen des Marktes, die eine spezifischere Sortimentsgestaltung notwendig machen. Zunächst habe die Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes zu einer Sensibilisierung auf der Abnehmerseite, speziell im Bereich des Garten- und Landschaftsbaus sowie der Kommunen geführt. Gehölze wie Rotbuche, Hainbuche oder Feldahorn und Weißdorn seien beispielsweise in diesem Zusammenhang aktuell stärker nachgefragt, wobei diese Entwicklung hauptsächlich Verwendungsbereiche in der freien Natur betreffe.

Daneben spielen verbesserte Krankheitsresistenz und Standorteignung für die Verwendung im urbanen Bereich eine immer größere Rolle. Der Klimawandel ist dabei ein wesentliches Stichwort, meint von Ehren. Vor dem Hintergrund künftiger Megastädte und der damit einhergehenden Flächen-Versiegelungsrate – in Deutschland sind es 60 Hektar pro Tag – sei ein Teil der Klimaveränderung weltweit und maßgeblich durch Menschen beeinflusst. Dies bringe neue Ansprüche an die Verwendungseigenschaften von Pflanzen mit sich. Noch gäbe es kein auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierendes Klimamodell für die Mega-City der Zukunft, doch habe das Thema „Grün in Städten“ bereits jetzt eine hohe Bedeutung.

Dieser Trend bilde allerdings nur einen Zusatz zur allgemeinen Veränderung des globalen Klimas, dessen Auswirkungen bereits deutlich spürbar seien. Lang anhaltende Trockenperioden, Starkregen, schwere Gewitter, Hitzewellen, Stürme und Hagel sowie ein erhöhter Schädlingsdruck gehören dazu und werden wissenschaftlichen Prognosen zufolge weiter zunehmen. „Glaubt man den Computersimulationen, so müssen Baumschulen in Deutschland regional künftig mit bis zu 30 Prozent weniger Niederschlag innerhalb der Vegetationsperiode auskommen“, so Bernhard von Ehren.

Das Unternehmen hat sich mit seinem Projekt „Stadtbäume – Fit für die Zukunft“ bereits auf diese Entwicklungen eingestellt und arbeitet seit über zehn Jahren an der Selektion klimatoleranter Stadtbaumarten. Ein erstmals auf der IPM vorgestellter Flyer gibt einen Überblick über die derzeit aus 39 Gattungen und Arten bestehende Liste, der jährlich zehn bis zwölf neue Bäume beziehungsweise Sorten hinzugefügt werden. Grundlagen für die Auswahl bilden die GALK-Straßenbaumliste, die KlimaArtenMatrix für Stadtbaumarten mit 16 Bewertungen nach Trockentoleranz und Winterhärte, das Forschungsprojekt „Stadtgrün 2021“ sowie Erfahrungswerte aus der eigenen Arbeit.

Bereits ohne veränderte Klimabedingungen sind Stadtbäume in ihrem künstlichen Umfeld besonderen Stressfaktoren ausgesetzt, so von Ehren. Dazu gehören unter anderem die allgemeine Luftverschmutzung, die Bodenverdichtung am Standort, der hohe Bodendruck, beispielsweise bei unter einer Fahrbahn verlaufenden Wurzeln sowie die Strahlungshitze, die von versiegelten Flächen und Gebäuden ausgeht.

Mit dem einsetzenden Klimawandel kommen weitere Stressfaktoren hinzu, was dazu führe, dass bislang verwendete Stadtbaumarten mit der zusätzlichen Belastung extremer Witterungssituationen immer weniger zurecht kämen. Dies zeige sich unter anderem im stärkeren Auftreten von Sekundärschädlingen, die beispielsweise das Eschentriebsterben hervorrufen. Auch bei Kastanien lasse sich seit einigen Jahren ein erhöhter Befall durch Pseudomonas-Bakterien oder die Rosskastanienminiermotte feststellen. Andere Arten reagieren auf zu hohe Strahlungswärme mit Rindenschäden.

Ausgehend von diesen fortschreitenden und teilweise schnell um sich greifenden Prozessen und der Forderung des Marktes nach „funktionierenden“ Gehölzen ist die Zielrichtung künftiger Arbeit klar vorgegeben, meint von Ehren. Im eigenen Sortiment klimatoleranter Stadtbaumarten werden deshalb Gehölze zusammengestellt, die sich voraussichtlich besser an den Klimawandel anpassen können, als die bislang verwendeten Bäume. Mehr als 150 Jahre Baumschulerfahrung bilden dabei eine fundierte Basis. Aber auch der Blick in Regionen, in denen die für Deutschland prognostizierten Klimate bereits vorherrschen, ist hilfreich, so der Unternehmer.

Mit Quercus cerris stehe beispielsweise eine frost- und trockenheitstolerante Varietät der Zerr-Eiche zur Verfügung. Die robuste Silber-Linde ‘Brabant’, in der KlimaArtenMatrix ebenfalls mit 1.2 bewertet, entspreche einem „sehr gut“ im Hinblick auf Winterhärte und Trockenheitsresistenz, zudem sei der Blattlausbefall bei dieser Sorte gering. Auch die neuen Malus-Hybriden ‘Evereste’ und ‘Red Sentinel’ können von Ehren zufolge mit Vorzügen aufwarten, da sie weniger von Schorf befallen werden als herkömmliche Varietäten. (ks)

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der aktuellen TASPO Ausgabe 11/2012.