Grüne Branche

Klimawandel: Gesamtes Sortiment an Zukunftsbäumen nutzen

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Über 170 Baumarten und -sorten führt die Straßenbaumliste der GALK auf. In den meisten Städten beschränkt sich der Baumbestand jedoch auf sehr wenige Arten. Was aber passiert, wenn eine dieser Arten plötzlich aufgrund von Hitze oder neuartigen Schädlingen ausfällt, fragt der BdB und rät dazu, die gesamte Sortimentsbreite an Zukunftsbäumen zu nutzen. Zudem fordert der Verband ein Sofortprogramm für Stadtgrün in Milliardenhöhe.

Angesichts des Klimawandels erfordert widerstandsfähiges Stadtgrün eine abwechslungsreiche Bepflanzung. Foto: ENA/BdB/Graf Luckner

Deutschland weltweit mit am stärksten von Extremwetter betroffen

Der vergangene Woche von Bundesumweltministerin Svenja Schulze vorgestellte Klimabericht der Bundesregierung hat es noch einmal deutlich gemacht: Die Durchschnittstemperatur in Deutschland ist seit 1881 bereits um 1,5 Grad gestiegen – was nicht ohne Folgen bleibt. Niedrigwasser in Flüssen, eine erhöhte Gefahr für Sturmfluten an der Küste, Ernteausfälle und vertrocknete Wälder sind inzwischen im Bundesgebiet fast schon an der Tagesordnung.

Wie eine aktuelle Studie der Umweltorganisation Germanwatch darlegt, gehört Deutschland darüber hinaus zu den drei weltweit am stärksten von Extremwetter betroffenen Ländern. Die starke Hitzewelle im vergangenen Jahr etwa habe Dürreschäden in Höhe von 1,2 Milliarden Euro verursacht. Durch die Orkantiefs „Friederike“ und „Fabienne“ habe sich der durch Wetterextreme entstandene Gesamtschaden 2018 auf insgesamt 4,5 Milliarden Euro summiert.

„Klimawandel bringt heimische Gehölze langfristig an ihre Grenzen“

„Wir erleben hier und heute, wie der Klimawandel unsere heimischen Gehölze langfristig an ihre Grenzen bringt“, erklärt Markus Guhl, Hauptgeschäftsführer des Bunds deutscher Baumschulen (BdB) und Leiter der Kampagne „Grüne Städte für ein nachhaltiges Europa“. Die ohnehin mit erschwerten Bedingungen wie Standortknappheit, Umweltverschmutzungen und Hundeurin konfrontierten Stadtbäume leiden Guhl zufolge besonders unter den immer heißeren Temperaturen.

„An vielen Orten wird das Stadtbild im Sommer immer trauriger: tote Birnenkronen, braune Kastanienblätter oder vertrocknete Hainbuchen. Wenn unsere Städte auch in Zukunft über gesundes Stadtgrün verfügen sollen, müssen wir auf die gesamte Sortimentsbreite setzen“, so der BdB-Hauptgeschäftsführer. Immerhin sind in der Straßenbaumliste der Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) über 170 Baumarten und -sorten zu finden.

BdB: Monokulturen unbedingt vermeiden

Trotzdem verteilen sich die Baumbestände der meisten Städte auf lediglich drei oder vier Arten, erklärt Guhl. „Wir können nicht in die Zukunft sehen, aber was passiert, wenn eine dieser Arten plötzlich aufgrund von Hitze oder neuartiger Schädlinge ausfällt?“ Aus diesem Grund würden deutsche Baumschulen und Wissenschaftler intensiv an sogenannten Zukunfts- oder Klimabäumen forschen. Außerdem rät der BdB dazu, Monokulturen unbedingt zu vermeiden und „die gesamte Sortimentsbreite an Zukunftsbäumen zu nutzen“.

Für die Zukunft grüner Städte im Klimawandel sei darüber hinaus ein Sofortprogramm in Höhe von zwei Millionen Euro erforderlich, erklärt der BdB. Denn es sei an der Zeit, die vielen leeren Baumscheiben in deutschen Städten zu bepflanzen und damit nutzbar zu machen.

Runder Tisch für die Zukunft grüner Städte im Klimawandel gefordert

„Bei Neupflanzungen sollten wir unser bestehendes Baumsortiment durch neue, widerstandsfähige Baumsorten ergänzen, die sehr gut an die Bedingungen der Zukunft angepasst sind“, so Guhl. „Außerdem sollten Planer verstärkt über die Vorteile von Fassaden- und Dachbegrünungen nachdenken, die Häuser im Sommer merklich kühlen. Auch Anreize zur Pflanzung von Insektennährgehölzen für private Gärten sollten geschaffen werden.“

Neben einem Sofortprogramm für die Zukunft grüner Städte im Klimawandel fordert der BdB zudem einen Runden Tisch mit Planern, Bauwirtschaft, Bauministerium und Baumschulern. „Wir haben genug geredet, nun ist es Zeit zu handeln“, so Guhl abschließend.

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