Klimawandel: „Nachfrage nach Zukunftsbäumen ist riesig“

Veröffentlichungsdatum: , Daniela Sickinger / TASPO Online

Zu den sogenannten Zukunftsbäumen gehört unter anderem Cornus mas. Foto: Green Solutions

Sogenannte Zukunftsbäume sind angesichts des Klimawandels bei Landschaftsarchitekten, Planern und Grünflächenämtern derzeit gefragter denn je. Für viele Bestellungen gibt es bereits jetzt eine Warteliste. Experten bezeichnen deshalb die Produktion von zukunftsfähigen Gehölzen als „grüne Herkules-Aufgabe“ für die kommenden Jahre.

Mindestens zehn Jahre Produktionszeit für einen „Zukunftsbaum“

Der Klimawandel macht es notwendig, dass in Zukunft viel mehr und insbesondere gegen Hitze und Trockenheit tolerante Bäume in den Innenstädten gepflanzt werden. Doch solche Bäume müssen ebenso wie alle anderen Pflanzen kosten-, zeit- und arbeitsintensiv gezüchtet und produziert werden, gibt der Bund deutscher Baumschulen (BdB) zu bedenken. Die Produktion eines sogenannten „Zukunftsbaums“ dauert demnach mindestens zehn Jahre. „Bei bestimmten Arten können es sogar bis zu 20 Jahre sein, bis aus einem Sämling ein Alleebaum gewachsen ist“, führt Christoph Dirksen von der Baumschule Ley in Meckenheim dazu aus.

Produktion teilweise komplizierter und anspruchsvoller

Baumarten, die besonders lange brauchen, sind dem Experten zufolge Acer monspessulanum, Cornus mas, der aktuell sehr gefragte Eisenholzbaum (Parrotia persica), oder auch der wegen seiner goldgelben Herbstfärbung begehrte Ginkgo und hier vor allem die kleinwüchsigere säulenförmige Sorte ʻFastigiata Blagonʼ. Obendrein seien bei den „Zukunftsbäumen“ Produktionsablauf und Zeitaufwand teilweise erheblich höher, komplizierter und fachlich anspruchsvoller. „Ein Französischer Ahorn will nun mal nicht gerade und gleichmäßig wachsen“, so Dirksen. Dieser Mehraufwand treffe zudem auf erheblichen Fachkräftemangel und eine Anzahl von Baumschulen, die sich in den letzten 20 Jahren auf rund 1.700 Betriebe halbiert habe.

„Run“ beschränkt sich momentan auf bestimmte Bäume

Weil aber die Nachfrage nach den sogenannten „Zukunftsbäumen“ derzeit riesig sei – „seit drei Jahren macht sich der ‚Greta-Effekt‘ sehr bemerkbar“, so Dirksen – können viele aktuelle Bestellungen von den Baumschulen erst nächstes oder übernächstes Jahr geliefert werden. Hinzu komme, dass sich der „Run“ momentan vor allem auf bestimmte Bäume beschränkt. „Aktuell wollen alle Verantwortlichen unbedingt Acer campestre, Tilia tomentosa oder Liquidambar“, hat Dirksen beobachtet. Der Schlüssel für die Zukunft sei aber ein guter Mix der „neuen“ Bäume mit seit Jahren bewährten alten Baumsorten. „Denn auch das etablierte Sortiment ist sehr groß, über 500 Sorten“, sagt Dirksen. Klassiker wie Platanus hispanica, Tilia pallida und Acer platanoides seien weiterhin wichtig und auch verfügbar. Doch noch nie seien Bäume insgesamt so knapp gewesen wie jetzt, „und das wird noch zehn Jahre mindestens dauern“, vermutet Dirksen.