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Klimawandel: neue Gehölze für den Einzelhandel

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Das sich verändernde Klima macht den Gehölzen zu schaffen und damit ist auch der Einzelhandel gefordert, sich mit seinem Sortiment und seiner Beratung darauf einzustellen. Denn auch Gehölze im Hausgarten sind zunehmendem Stress ausgesetzt.

Das sich verändernde Klima macht den Gehölzen zu schaffen. Foto: ExQuisine/Fotolia

Gehölze empfänglich für Krankheiten und Schädlinge

Hohe Temperaturen, Staunässe, lange Trockenphasen, milde Winter, kurzzeitige Temperaturwechsel, zunehmende Extremwetterlagen – das macht sie empfänglich für Krankheiten und Schädlinge. Dazu kommen neue Schädlinge, die eingeschleppt werden und deren Befall gravierende Folgen bis zum Absterben ganzer Bäume haben kann.

Dr. Andreas Wrede von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (Ellerhoop) nennt hier als Beispiele den Asiatischen Laubholzbockkäfer, die neue Ulmenzickzackwespe und den Asiatischen Moschusbockkäfer. „Um die Brisanz sollten Einzelhandelsgärtner wissen“, sagt der Gehölzexperte.

 

Versuchszentrum Ellerhoop testet Gehölze auf Stresstoleranz

Da sich Gehölze im Gegensatz zu krautiger Vegetation einem Klimawandel nur sehr schwer anpassen können, muss die Wissenschaft hier nachhelfen: Das Versuchszentrum in Ellerhoop testet deshalb seit einiger Zeit eine Auswahl von 48 Stadt- und Alleebäumen auf ihre Stresstoleranz und Schädlingsanfälligkeit – ein Ausweiten der Versuche auf andere Gehölzsortimente ist nicht ausgeschlossen.

Die Testbäume stammen aus Regionen, in denen bereits ein für unsere Breiten prognostiziertes Klima herrscht. „Einfach so Bäume aus anderen Ländern, beispielsweise Finnland, nehmen, die besonders harte Winter haben, funktioniert nicht“, erläutert der Experte. Denn die vertrügen keinen Warm-Kalt-Wechsel, wie wir ihn haben.

Erste Trends zeigen mögliche Baumarten der Zukunft

Das EIP-Projekt „Stadtgrün 2025“, das im Herbst 2015 gestartet wurde, testet 20 Baumarten in verschiedenen Städten. Zudem wird seit Ende 2014 ein Sortiment aus 48 Baumarten im Bezirk Hamburg Mitte geprüft. Die Projekte der Kammer sind in ein Netzwerk von Versuchsstandorten eingebunden, die sich in enger Absprache mit dem Thema befassen. Laut Wrede sind das Kriterien wie Winterhärte, Wuchsverhalten, phänologische Parameter und Schäden. Aus den auf zehn Jahre angelegten Versuchen lassen sich bereits erste Trends ableiten, welches die Baumarten der Zukunft für unser Klima sein könnten.

Zu dieser Liste gehören unter anderem Acer campestre ‘Elsrijk’, Acer monspessulanum, Alnus cordata, Alnus x spaethii, Carpinus betulus ‘Frans Fontaine’ und ‘Lukas’, Fraxinus ornus ‘Obelisk’ und ’Mecsek’, Fraxinus pennsylvanica, Liquidamber styr. ‘Worplesdon’, Magnolia kobus, Ostrya carpinifolia, Quercus cerris, Tilia americana ‘Redmond’ sowie Ulmus hollandica ‘New Horizon’ und ‘Rebac’, einzelne davon wie Fraxinus ornus ‘Meczek’ oder Liquidamber styraciflua ‘Gumball’ sind laut Wrede durchaus auch für den Hausgarten geeignet.

Das EIP-Projekt soll repräsentative Ergebnisse für ganz Norddeutschland erarbeiten und in Zusammenarbeit mit einem bayerischen Projekt „Stadtgrün 2021“ belastbare Ergebnisse für ganz Deutschland und das angrenzende Ausland bereitstellen.