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Knoblauchsland: Ende des Gewächshausstreits in Sicht?

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Die Expansion von Gewächshausflächen im fränkischen Knoblauchsland hat in den vergangenen Jahren immer wieder für Diskussionen gesorgt. Nun bahnt sich eine Lösung an: Gemeinsam wurde von Stadt und Anbauern ein Gebietskonzept entwickelt.

Laut Umfrage ist eine Verdopplung der Unterglasflächen im Knoblauchsland denkbar. Bisher produzieren die Anbauer dort auf rund 85 Hektar unter Glas. Foto: M. Fröhlich/AELF

Jüngst berichteten bayerische Medien unter der Überschrift „Streit um Gewächshäuser im Knoblauchsland – wenn Gemüse unter Glas verschwindet“ über weitere Expansionsprojekte einzelner Gärtner. Weil die Nachfrage nach heimischem Gemüse steigt, bauen die dort ansässigen Produzenten immer mehr Gewächshäuser.

Kritik an den Gewächshausplänen im Knoblauchsland vor allem von Anwohnerseite

Dass es noch mehr Glasfläche werden soll, passt so manchen Anwohnern und Naturschützern nicht. Die Kritik an den Gewächshausplänen kommt nach Aussagen von Josef Hofbauer, Abteilungsleiter Gartenbau beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Fürth, aber weniger von Seiten des Naturschutzes, sondern wenn, dann von Anwohnerseite.

Das bestätigt auch der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes BBV für Nürnberg Stadt, Peter Höfler, Höfler Gemüse GbR Nürnberg. Er sieht das aber eher gelassen: „Unsere Erfahrung zeigt uns: Wenn wir mit den Menschen reden und unsere Gründe darlegen, hat der allergrößte Teil Verständnis für uns.“

Die Stadt Nürnberg hat nun im Vorfeld neuer Planungen in einer Umfrage alle Gemüsebaubetriebe zu ihren Expansionsplänen befragt. Laut Hofbauer hat das von der Stadt in Auftrag gegebene „Agrarstruktuelle Gutachten Knoblauchsland“ gezeigt, dass die Anbauer zusätzlich etwa 400 Hektar Gemüseanbaufläche aus den vorhandenen 2.100 Hektar landwirtschaftlicher Fläche im Gebiet benötigen und sich die Gewächshausfläche noch einmal verdoppeln könnte. Derzeit liegt sie laut Hofbauer bei rund 85 Hektar.

Stadt Nürnberg unterstützt Flächenbedarf der Gartenbau-Betriebe

Ein wichtiges Ergebnis des agrarstrukturellen Gutachtens sei es, dass das Knoblauchsland sich durch sehr gut aufgestellte Betriebe auszeichne, mit gut ausgebildeten Betriebsleitern und einem recht jungen Altersschnitt beziehungsweise gesicherter Betriebsnachfolge. Die Stadt Nürnberg habe nach dem Gutachten nun das klare Signal gesetzt, dass sie die Betriebe und deren Flächenbedarf anerkenne und unterstütze, sagt Höfler.

„Die Stadt Nürnberg möchte den Gewächshausbau allerdings steuern und Sichtachsen oder problematische Siedlungsbereiche freihalten“, ergänzt Hofbauer. Hinzu kommt, dass auch der Baulandbedarf wächst.

Deshalb habe man nun gemeinsam ein Konzept für die gesamte Region erarbeitet, das drei Gebiete unterscheiden wird: Solche, in denen künftig bis zu 25 Prozent der Freiflächen Gewächshausfläche sein dürfen, solche, in denen es maximal 15 Prozent, und solche, in denen es maximal fünf Prozent sein dürfen. Diese Aufteilung vermeide eine Benachteiligung einzelner Betriebe, da sie nicht, wie erst geplant, völlig bebauungsfreie Flächen vorsehe, sondern das Ganze verteile, erläutert Höfler.

Gewächshäuser nehmen nur fünf Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche im Knoblauchsland ein

Er gibt zu bedenken, dass der Anteil an Gewächshausflächen im Knoblauchsland gerade einmal fünf Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Flächen betrage, wobei sich natürlich je nach Infrastruktur mancherorts eine Ballung ergebe. Was die Gärtner durchaus verstanden hätten, sei, dass manchen die Optik großer Gewächshausflächen im Landschaftsbild nicht behage. Dem wollen die Gärtner künftig mit Maßnahmen wie einer ansprechenden Begrünung Rechnung tragen, verspricht der Vorsitzende.

Auch für die Anforderungen des Artenschutzes habe das neue Konzept eine Lösung gefunden: Danach werden die Anbauer für neue Gewächshäuser Freiflächen als Ausgleichsflächen schaffen, die allerdings weiter der landwirtschaftlichen Nutzung im Rahmen des integrierten Anbaus dienen dürfen.

Der komplette Beitrag über die Gewächshauspläne und das Gebietskonzept für das Knoblauchsland ist im aktuellen TASPO Extra Genusspflanzen in der Ausgabe 20/2017 erschienen.