Grüne Branche

Kolumbarium Osnabrück: Ort zum Sein und Staunen

Die Gemeinde hält eine kleine Andacht in dem nach oben offenen, hellen Rund mit den warmen Holzbänken. Sie lässt sich nicht stören von dem langsamen Kommen und Gehen während der „Langen Nacht der Kirchen“, sie ist das Interesse an ihrem Kirchbau mit integriertem Kolumbarium mittlerweile gewöhnt. Die Aufmerksamkeit wachse stetig, bis Ende Oktober kamen 2012 bereits 120 Besuchergruppen, berichtet Diakon Harald Niermann.

Von außen ist der Bau der katholischen Kirche Heilige Familie in Osnabrück am Schölerberg auch nach dem Umbau im Sommer 2010 noch immer unscheinbar. Die Kirche wurde Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts geweiht, die Veränderungen in der Bestattungskultur, die größere gesellschaftliche Mobilität und der demografische Wandel machten nun Konsequenzen erforderlich. Dass die Gemeinde den Weg des in den Gottesdienstraum integrierten Kolumbariums mitging, als sich langsam füllender Begräbnisstätte, war zunächst mit zahlreichen Diskussionen verbunden, erinnert sich Diakon Harald Niermann und die fanden sich auch in der Osnabrücker Presse wieder. Immerhin und das sei seines Wissens deutschlandweit einmalig, so der Diakon, blieb das Gotteshaus weiter Pfarrkirche.

Die Kolumbariumskirche Heilige Familie Osnabrück bietet 1.200 Urnenplätze und ist nach eigenem Bekunden (www.kolumbarium-os.de) nun „ein Ort, an dem die Verstorbenen ihren Platz finden. Inmitten der Lebenden. Ein Raum, an dem Menschen ihrer gedenken und der mit ihrem Namen verknüpft ist.“ Auf der Internetseite erfährt man auch, dass das Wort Kolumbarium aus dem Lateinischen (columbarium) kommt und ursprünglich einen Taubenschlag meinte. Als Bezeichnung für Grabkammern sei es erstmals etwa 50 vor Christus in römischen Quellen aufgetaucht. „Damit spielten die Menschen auf das Aussehen der Kammern an, in denen in mehreren Reihen übereinander Nischen eingerichtet waren, in denen Urnen standen.“

Mit einem Taubenschlag haben allerdings Architektur und Atmosphäre nichts mehr gemeinsam – wer die Osnabrücker Kolumbariumskirche betritt, kann spüren, dass er sich an einem „besonderen“ Ort befindet, gar in „eine andere Welt eintaucht“. Eine junge Frau habe ihm einmal gesagt: „Ich weiß gar nicht, ob ich bete, aber hier kann ich so gut sein“, berichtet Niermann, der von weiteren Menschen weiß, oft auch „eigentlich“ kirchenfernen Besuchern, die mit diesem Raum besondere Erfahrungen verbinden. „So soll es auch sein“, sagt der Münsteraner Architekt Tobias Klodwig. Er wollte „einen Raum schaffen, der erstaunt.“ Lesen Sie mehr dazu in der Dezember-Ausgabe der Friedhofskultur ab Seite 20. 

Weitere Informationen finden Sie auch unter: www.kolumbarium-os.de und www.klodwig-company.de.