Grüne Branche

Kommunikation am Grab zulassen (Teil 1)

Kernfrage des Kreativseminars in Weimar war: was motiviert Menschen zukünftig für die Wahl eines Grabes auf dem Friedhof? In den Diskussionen wurde deutlich, dass die Kommunikation dabei entscheidend ist.

In einer Best-Practice-Demo stellten Seminarteilnehmer konkrete Projekte aus ihrer Praxis vor. Die Teilnehmer auf dem Bild sichten gerade die Beispiele und Gestaltungsideen für Grabstätten und Grabmale, die anschließend diskutiert wurden. Foto: Höfers

„Zusammen mit unserer Lebenswelt verändert sich auch unsere Totenwelt“, sagte Prof. Dr. Thomas Klie von der Theologischen Fakultät der Universität Rostock in seinem Vortrag in Weimar. Er sprach über „Gründe gesellschaftlicher Veränderungen und Auswirkungen auf Bestattungsritual und -performanz“.

Es gibt eine kulturelle Beschleunigung: alles verändert sich – und immer schneller, so Klie. Auch die sterblichen Überreste würden immer mehr zu einer „schnellen Sache“. Die Umgangsformen mit Aschen und Leichen werden zu fakultativen Gestaltungsvarianten, wie es Klie nannte. „Wir verändern die Kultur selbst, es ,passiert‘ nichts damit.“ Jeder Bestatter der ein neues „Angebot“ in seinen Dienstleistungskatalog aufnimmt, trage selbst zur Beschleunigung bei. In der Bestattungskultur herrsche zudem zunehmend Wahlzwang.
Individualisierung führt zu vielen Angeboten, auch zu Geschmacklosigkeiten etwa in Form von Lebensjuwelen oder Erinnerungsdiamanten. Je mehr Alternativen man kenne, desto anspruchsvoller und unsicherer werde man in der Auswahl. „Wir kriegen die Zahnpasta nicht mehr zurück in die Tube“, meint Klie.

Wer es sich leisten kann nimmt die Planung der inszenierten Bestattung vorwerg, wer sicht das nötige Geld hat, wendet sich an die Institutionen. „Zur Reliquie werden kann heute jeder, der es sich leisten kann“, so Klie. Ein Aschediamant verwische dabei die Grenze zwischen lebendigem und toten Körper.

Die Attraktivität alternativer Bestattungsformen ist die Folge der Individualisierung. Individuelle Wahlmöglichkeit für den Einzelnen ist Freiheitsgewinn. Dies sei aber durchaus zweischneidig zu sehen. Anstelle von Traditionen treten Aushandlungsprozesse. Ortsbindung ist in Städten kaum mehr gegeben, die Pflege entfällt. Lesen Sie mehr in der Juni-Ausgabe der Friedhofskultur ab Seite 11.