Grüne Branche

Kontaktstudientage: Branche steht vor Herausforderungen

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Im Fokus der 48. Osnabrücker Kontaktstudientage stand neben dem Klimawandel und der Pflanzenverwendung in der Landschaftsarchitektur auch die Frage nach der Notwendigkeit des Einsatzes von chemischem Pflanzenschutz. Rund 300 Experten diskutierten an Campus Haste ausgiebig zu diesen Themen.

Klimawandel und nicht-chemischer Pflanzenschutz beschäftigten die Teilnehmer der 48. Osnabrücker Kontaktstudientage in den Vorträgen. Foto: Bettina Meckel

Die Städte abkühlen

Bei den jährlich vom Alumni-Verein „Freundeskreis Hochschule Osnabrück Gartenbau und Landschaftsarchitektur e.V.“ und der Hochschule Osnabrück gemeinsam ausgerichteten Kontaktstudientagen standen in diesem Jahr vor allen Dingen Nachhaltigkeit und Umwelt auf der Tagesordnung. Welche Auswirkungen die Hitzewellen der vergangenen beiden Sommer auf den menschlichen Körper besonders im Zusammenhang mit den immer heißer werdenden Städten, dem widmete sich Prof. Dr. Friedrich Rück von der Hochschule Osnabrück. So habe es 2018 in Berlin 490 und in Hessen sogar 740 Todesfälle infolge der Hitzeperioden gegeben. Um das zukünftig zu verhindern, müsse man das Stadtklima abkühlen, erklärte Rück. Da Städte sogenannte „Wärmeinseln“ sind und die Größe der Stadt den Grad der Überwärmung maßgeblich beeinflusst, wird es zukünftig auch für Osnabrück wichtig sein, das Stadtklima abzukühlen.

Versiegelte Flächen wieder öffnen

Laut Rück müssen demnach versiegelte Flächen zukünftig wieder mehr begrünt werden, da sie wichtig für das innerstädtische Klima seien. Ein hoher Versiegelungsgrad etwa durch asphaltierte Straßen verhindert zudem die Verdunstung. Als Beispiel nannte Rück Parkplätze von Supermärkten, die zukünftig über oder unter die Verkaufsflächen gebaut werden sollen. Weiterhin forderte er die Planer auf, mehr Bäume mit lichten Kronen zu pflanzen, die die nächtliche Ausstrahlung ermöglichen, was auch vom Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Bouillon über mögliche Baumarten gestützt wurde. Prof. Dr. Kathrin Kiehl und Peter Küsters (Greenpass GmbH) warben mit eindrucksvollen Bildern für das Potenzial der Fassaden- und Dachbegrünung im urbanen Bereich. Kiehl referierte in dem Zusammenhang über Extensive Dachbegrünungen und die Vorteile regionalen Saat- und Pflanzguts zur Sicherung und Förderung regionaler Biodiversität. Zudem wurde im Vortrag betont, dass eine Kombination aus Solaranlagen mit einem Gründach besonders empfehlenswert seien. Durch die Verdunstung der Pflanzen werden die Solarzellen gekühlt, sodass sie bei einer Temperatur von etwa 25 Grad Celsius erheblich mehr Strom produzieren können, als auf stark aufgeheizten Dächern ohne Gründach. Dem Thema Upcycling widmete sich Prof. Cornelia Müller. Sie sehe dabei Upcycling als Chance, bestehende Elemente mit neuen zu verknüpfen. Denn es ist in der Landschaftsarchitektur zunehmend wichtiger, Lösungen zu finden, die gleichzeitig den Klimawandel berücksichtigen und nachhaltig wirken.

Chemischen Pflanzenschutz minimieren

Für einen nachhaltigen Einsatz auch im Bereich des Pflanzenschutzes sprach sich Dr. Tobias Frische vom Umweltbundesamt in Dessau aus. „Die derzeitige Intensität des chemischen Pflanzenschutzes ist nicht nachhaltig“, so Frische. Auf dem Gebiet bestehe dementsprechend ein großes Handlungsdefizit, dem mit dem 5-Punkte-Programm für einen nachhaltigen Pflanzenschutz des Umweltbundesamtes entgegengewirkt werden solle. Neben den Vorträgen und der Firmenkontaktmesse wurde auch die Osnabrücker Ehrenmedaille an Jürgen Rohrbach, Geschäftsführer der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau (FLL) in Bonn, verliehen. Unter seiner Führung habe sich die FLL als Regelwerksgeber der grünen Branche etabliert.