Kontaktstudientage: digitale und analoge Welt verknüpfen

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„Alles digital? Chancen der Onlinevermarktung für den Gartenbau“ – unter diesem Motto stehen die 49. Osnabrücker Kontaktstudientage, die am 6. und 7. November erstmals als Online-Veranstaltung stattfinden. Wir sprachen mit Marc-Guido Megies, Prof. Dr. Ulrich Enneking und Prof. Dr. Andreas Bettin von der Hochschule Osnabrück über die diesjährigen Kontaktstudientage und ihre Themenschwerpunkte.

Corona-bedingt finden die Kontaktstudientage in diesem Jahr erstmals als digitale Veranstaltung statt. Welche Auswirkungen hatte dies auf die Planung und Organisation?

Marc-Guido Megies, Vorsitzender des Freundeskreises Hochschule Osnabrück Gartenbau und Landschaftsarchitektur: Der Vorstand des Freundeskreises hat im April 2020 die Videokonferenz-Software Zoom angeschafft und seitdem in monatlichen Videokonferenzen im Schulterschluss mit den Professoren der Hochschule ein Konzept für Online-Kontaktstudientage entwickelt. Herausforderungen sind die Online-Organisation der Vorträge und die Schaffung der Kommunikation zum Bespiel in der Mittags- oder den Kaffeepausen mit Hilfe von Breakout-Sessions; auch das Filmen der Verleihung der Osnabrücker Ehrenmedaille im Livestream sowie das Drehen von Absolvent*innen in ihren Firmen für „Berufsbilder Live! 2020“ mit professionellen Partnern war und ist sehr spannend. Der Freundeskreis sendet die Verleihung der Förderpreise und der Osnabrücker Ehrenmedaille aus seinem YouTube-Kanal.

Wie werden die Kontaktstudientage in digitaler Form ablaufen, wie finden die Vorträge, der Austausch und das Netzwerken unter diesen Bedingungen statt?

Prof. Dr. Ulrich Enneking, Agrarmarketing/Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur: Nach einem halben Jahr digitaler Lehre haben wir sehr gute Erfahrungen mit Video-Meetings und Video-Konferenzen gemacht. Es gibt sogar einige Vorteile im Vergleich zu analogen Veranstaltungen. So können insbesondere bei einem digitalen Themenblock Shops oder Social-Media-Auftritte während der Veranstaltung demonstriert werden. Auch läuft das Zeitmanagement digital oft automatisch etwas disziplinierter ab.

Wir wollen durch eine etwas größere Anzahl kürzerer Vorträge eine möglichst kurzweilige Veranstaltung mit Diskussionen anbieten. Um aktiv an den Diskussionen teilnehmen zu können, benötigen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer allerdings ein gutes Mikro und eine Webcam. Hinzu kommt eine gewisse Erfahrung im Umgang mit digitalen Meetings, da das Sprechen, das aufeinander Warten und das Arbeiten mit Teilnehmerlisten eine gewisse Übung erfordert und zu etwas mehr „Sprachkultur“ zwingt. Wenn die Grundvoraussetzungen nicht nur uns, sondern auch bei allen Teilnehmenden gegeben sind, kann eine digitale Veranstaltung sehr spannend ablaufen.

Das Thema „Digital“ ist auch wesentlicher Bestandteil des diesjährigen Tagungsprogramms – am 6. November dreht sich alles um die Chancen der Online-Vermarktung für den Gartenbau. Was erwartet die Teilnehmer dabei konkret?

Prof. Dr. Ulrich Enneking: Wir haben drei kürzere Sessions konzipiert, die jeweils Einblicke in die E-Commerce-Praxis geben werden. In der ersten Session kommen vier Jungunternehmer zu Wort, die ihre Erfahrungen mit Online-Shops präsentieren werden. In der zweiten Session werden wir über neuere Technologien rund um das Themenfeld E-Commerce berichten. In der letzten Session präsentieren wir Hochschulerfahrungen mit innovativen Vertriebswegen. In allen Sessions gibt es Gelegenheit zu Diskussionen. Als kleines Bonbon planen wir am Ende ein digitales Bier-Tasting. Die angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekommen drei Flaschen Bier per Post zugesendet und wir verkosten und bewerten diese gemeinsam mit einem Bierexperten der Hochschule.

Wie ist der Gartenbau aus Ihrer Sicht derzeit digital aufgestellt?

Prof. Dr. Ulrich Enneking: Meine Beobachtung ist, dass im Gartenbau an vielen Stellen interessante Entwicklungen stattfinden. Es gibt also allerhand gute „Benchmarks“, an denen man sich branchenintern orientieren kann. Insbesondere der Gartencenter-Bereich zeigt im Vergleich zur landwirtschaftlichen Direktvermarktung oder auch zum konventionellen Lebensmitteleinzelhandel interessante Impulse auf dem Gebiet des E-Commerce. Allerdings muss man auch feststellen, dass in der Breite der Akteure noch erheblicher Nachholbedarf besteht.

Eine konkrete Fragestellung im Tagungsprogramm lautet „Muss denn alles online sein?“ – welchen Stellenwert hat daneben die „analoge Welt“?

Prof. Dr. Ulrich Enneking: Die größte Herausforderung dürfte darin bestehen, die analoge Welt mit der digitalen Welt zu verknüpfen. Ich glaube, dass die bisherigen Vermarktungswege in absehbarer Zukunft eine große Bedeutung behalten werden. Sie können aber durch eine gute Kombination mit digitalen und innovativen Ansätzen zukunftsfähiger gemacht werden. Endkunden wollen einerseits die Frische, die ästhetische Vielfalt der Waren und Atmosphären real erleben, aber andererseits möglichst „convenient“ das Alltagsgeschäft erledigen. Gleichzeitig ist die Vielfalt der Verbraucherwünsche riesig, sodass es für unterschiedlichste Kombinationen an analogen und digitalen Ansätzen Marktpotenzial gibt. Das sieht man beispielsweise daran, dass der ursprünglich reine Online-Riese Amazon auch mit realen Verkaufsläden experimentiert.

Am 7. November widmen sich die Kontaktstudientage der aktuellen Gartenbau- und Pflanzentechnologie-Forschung an der Hochschule Osnabrück – welche Themen werden hier präsentiert?

Prof. Dr. Andreas Bettin, Zierpflanzenbau/Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur: Der Sonnabend der Kontaktstudientage setzt im Gegensatz zum Freitag ausdrücklich keinen Schwerpunkt. Ziel ist es, das weite Spektrum unserer Arbeiten – von ausgewählten studentischen Projekten im Bachelor-Studium über Masterarbeiten bis hin zu Ausschnitten von Promotionsthemen – darzustellen und ein Forum zur offenen Diskussion zu bieten.

► Weitere Informationen zu den 49. Osnabrücker Kontaktstudientagen und das detaillierte Programm sind auf der Website der Hochschule Osnabrück zu finden.

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