Grüne Branche

Kontaktstudientage in Osnabrück

Das Thema Friedhof geht jeden an, meint Prof. Dr. Jürgen Milchert. Angesichts der Diskussion um die Entwidmung von Friedhöfen sei es an der Zeit, sich mit dem Potenzial alter Friedhöfe zu befassen.

Ein Klezmer-Konzert auf dem Hasefriedhof gehörte zur Veranstaltungsreihe „Neues Leben zwischen alten Gräbern“. Foto: Niels Biewer

In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts benötigten die Verantwortlichen auf den Friedhöfen bundesweit jeden Quadratmeter für Bestattungen. Heute nimmt die Zahl der Feuerbestattungen weiter zu, die der Erdbestattungen ab, alternative Bestattungsformen setzen sich durch, jüngst hat das Land Bremen unter bestimmten Bedingungen den Friedhofszwang für Urnen aufgehoben – das alles bedeutet: Mehr Platz auf den Friedhöfen.

Ihre Atmosphäre werde sich verändern, das prognostizierte denn auch Prof. Dr. Jürgen Milchert von der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur der Hochschule Osnabrück in seiner Bilanz der Tagung „Vielfältige Anforderungen – unsere Friedhöfe auf dem Weg in eine neue Ära“. Milchert vertritt an der Fakultät das Fachgebiet Freiraumplanung, Gartenkunst und Gartengeschichte. Bei einem Viertel bis einem Drittel zu viel Fläche auf den Friedhöfen bundesweit werde sich trotzdem „weniger Raum für bekannte Rituale“ bieten. „Friedhof geht aber jeden an“, so Milchert. Man müsse, neben den Fragen der Gestaltung und des Naturschutzes, auch an die „kulturellen Erzählungen“ und die „inneren Bilder von Tod, Trauer und Friedhof“ anknüpfen. Alte Friedhöfe böten mit ihrer „pflanzlichen Atmosphäre, dem Moos, das auf Steinen und Mauern wächst“, viel Potenzial für die Zukunft dieser Orte, jenseits von Entwidmung und Auflösen. Milchert hatte, zusammen mit Niels Biewer, Hochschule Osnabrück, und Hans-Jürgen Zietz vom Freundeskreis Hochschule Osnabrück Gartenbau und Landschaftsarchitektur, das Tagungsprogramm für die Sektion Landschaftsarchitektur vorbereitet. Anfang November nahmen insgesamt rund 200 Interessierte an den 43. Kontaktstudientagen der Hochschule Osnabrück teil und diskutierten über aktuelle Trends ihrer Branchen, etwa 50 bis 60 besuchten die Friedhofstagung. Lesen Sie mehr in der Januar-Ausgabe der Friedhofskultur ab Seite 10.