Grüne Branche

Kriegsende: Landschaftsarchitekten halten Erinnerung wach

Zum 70. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai rückt der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) vom Berufsstand gestaltete Erinnerungsstätten in den Fokus. Als „Garten des Monats“ wird stellvertretend die Gedenkstätte für die ermordeten Wiesbadener Juden hervorgehoben, um auf den Beitrag der Landschaftsarchitektur zur Erinnerungskultur aufmerksam zu machen. 

Die Gedenkstätte für die ermordeten Wiesbadener Juden präsentiert der bdla im Mai als „Garten des Monats“. Screenshot

Gedenkstätten: Ideenreichtum und Sensibilität gefragt

Wie der bdla in diesem Zusammenhang betont, stellen die Entwürfe zu historischen Gedenkstätten hohe Anforderungen an den Ideenreichtum und die Sensibilität der beauftragten Landschaftsarchitekten. Es gelte unter anderem, die Geschichte unter Berücksichtigung der vorherrschenden Erinnerungskultur nachzuzeichnen.

Die exemplarisch ausgewählte Gedenkstätte für die ermordeten Wiesbadener Juden, die im Mai als „Garten des Monats“ präsentiert wird, will etwa durch ihre bewusst offene Gestaltung dazu einladen, eine persönliche Interpretation der Geschichte zu entwickeln und sich dem Verarbeitungsprozess des Holocaust zu stellen. Das Denkmal wurde vom Berliner Büro planung.freiraum, Barbara Willecke, geplant und am Standort der ehemaligen Synagoge errichtet.

Auf der „Landschaftsarchitektur-heute“-Website werden darüber hinaus weitere landschaftsarchitektonisch gestaltete Erinnerungsorte herausgegriffen. Dazu zählen unter anderem:

  • KZ-Gedenkstätte Dachau,
  • Gedenkstätte Esterwegen,
  • Topographie des Terrors, Berlin,
  • Platz der Befreiung, Berlin,
  • Gedenkort Mühldorfer Hart, Mühldorf,
  • Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit, Berlin.

 

Landschaftsarchitektur in der NS-Zeit politisch schwer belastet

Gleichzeitig ruft der bdla in Erinnerung, dass die deutsche Landschaftsarchitektur der NS-Zeit politisch schwer belastet sei. Von unfreiwilliger Anpassung über Zustimmung bis zur aktiven Unterstützung des Regimes habe die Haltung der damals aktiven Landschaftsarchitekten gereicht. Genauso seien Berufsverbote verhängt worden, Kollegen wurden verfolgt oder mussten zum Teil massive Einschränkungen und Verluste erdulden.

Wie der bdla anmerkt, seien die demokratischen Berufsverbände in den 1930er Jahren zerstört und das Gestaltungsspektrum ideologisch kontrolliert worden. In der Online-Ausstellung „100 Jahre Landschaftsarchitektur“ wurde dem Zeitraum von 1933 bis 1945 deshalb eine eigene Epoche gewidmet.

Landschaftsarchitekten heute mit besonderem Berufsethos

Gegenwärtig sind Landschaftsarchitekten international einem besonderen Berufsethos verpflichtet. In der Resolution „Landscape and Democracy“ der Europäischen Sektion der International Federation of Landscape Architects IFLA Europe aus dem Jahr 2014 heißt es unter anderem:

„Demokratische Landschaftsentwicklung ist ein Planungs- und Entwurfsprozess, in dem alle Bürger die Möglichkeit besitzen, sich zu beteiligen entweder direkt oder durch gewählte Vertreter. Dies bezieht sich auf die Vorschläge, auf die Entwicklung und auf die Verankerung von Regeln, wie Landschaft und Freiraum gestaltet werden (…), um damit eine demokratische Vision zu gewährleisten, die kollektive Interessen Raum gibt und kulturelle Unterschiede ausgleicht.“ (ts)