Kritik an LEH-Werbung für Billigimporte

Veröffentlichungsdatum: , Sven Weschnowsky / TASPO Online

Spargel aus heimischer Produktion ist laut ZVG durch die aktuellen Aktionen des LEHs gefährdet. Symbolfoto: GMH/ Spargelstrasse NRW

Die Erdbeer- und Spargelsaison befindet sich aktuell auf ihrem Höhepunkt. Angesichts steigender Kosten in sämtlichen Bereichen ist die regionale Produktion unter Druck. Der Lebensmitteleinzelhandel bewirbt allerdings aktuell Billigimporte bei Erdbeeren und Spargel. Der Zentralverband Gartenbau (ZVG) und der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) haben bereits deutliche Kritik geäußert.

LEH wirbt für Billigimporte

Spargel und Erdbeeren sind aktuell von den Speiseplänen der Deutschen kaum mehr wegzudenken. Die regionale Produktion allerdings sieht sich enormem Druck ausgesetzt, denn Preise für Energie, Erntehelfer und Logistik sind exorbitant gestiegen. Die Bundesfachgruppe Gemüsebau (BfG) und die Bundesfachgruppe Obstbau des ZVG haben daher gemeinsam Kritik am Verhalten des Lebensmitteleinzelhandels geäußert, der aktuell mit Angeboten von Billigimporten aus dem Ausland bei Spargel und Erdbeeren wirbt. Dieses Verhalten während der Hochsaison der heimischen Produktion wird mit deutlichen Worten angeprangert.

Ausreichend heimische Ware verfügbar

„Die deutsche Erdbeer- und Spargelernte läuft auf Hochtouren und wir verzeichnen durch die krisenbedingte Verunsicherung der Verbraucher eine bisher nicht gekannte Kaufzurückhaltung insgesamt bei Obst und Gemüse. Und trotz aller Lippenbekenntnisse zur heimischen Produktion setzen die Einkäufer des Lebensmitteleinzelhandels offensichtlich gerade zur Hochsaison der deutschen Ware lieber auf billige Importe“, kritisieren die Bundesfachgruppenvorsitzenden Christian Ufen und Jens Stechmann das Verhalten des LEH. Weiter betonen sie, dass bewusst ein Preisdruck gegenüber der heimischen Produktion aufgebaut werde. Es sei ausreichend regionale Ware verfügbar und es müsse demnach nicht auf Importe zurückgegriffen werden.

Regionale Produktion stärken

Wie Ufen und Stechmann weiter betonen, liege das Erzeugerpreisniveau in diesem Jahr deutlich unter dem der vergangenen Jahre. Betriebsmittel seien unterdessen aber deutlich teurer geworden. Eine Würdigung der heimischen Produktion und somit auch der hohen Umwelt- und Sozialstandards sei durch die aktuelle Werbung des LEH nicht erkennbar. Werbeaktionen für Erdbeeren aus griechischer und spanischer Produktion gefährden demnach auch die deutschen Betriebe. Auch bei Spargel sehe es nicht besser aus, wie Ufen bestätigt. Die Preise seien für heimische Erzeuger demnach auf einem nichthaltbaren Niveau angelangt. Beide Bundesfachgruppenvorsitzenden fordern daher den LEH auf, zur deutschen Produktion zu stehen und Worten Taten folgen zu lassen mit gezielten Werbeaktionen für heimische Produkte.

Auch VSSE bringt Enttäuschung zum Ausdruck

Der Kritik des ZVG schließt sich auch der VSSE in einer Mitteilung an. „Wir sind ernüchtert und enttäuscht. Mit Corona, dem Krieg in der Ukraine und der Klimakrise dachten wir, es sollte nun jedem klar geworden sein, wie wichtig die Produktion von Lebensmitteln im eigenen Land ist. Weit gefehlt, der Handel hält bis mitten in die Saison hinein neben dem heimischen Spargel Importware zu Spottpreisen in seinen Regalen. Kaum besser ergeht es den Erdbeeren. Man importiert Bio-Ware aus weiter Entfernung und lässt den heimischen Anbau gegen die Wand fahren, wohlwissend, dass dies die Existenz der Landwirte gefährdet, und Regionalität und Saisonalität eine Menge CO2 einsparen und das Klima schonen“, erklärt auch Simon Schumacher, Vorstand im Netzwerk der Spargel- und Beerenverbände und bringt seine Enttäuschung zum Ausdruck.