Grüne Branche

Kuipers: HighTech-Kombinationsgewächshaus Emsland Gemüse eröffnet

Wieder einmal setzen der Standort Emsbüren und die Gärtnerfamilie Kuipers Maßstäbe. Letztere hatte zur feierlichen Eröffnung der Emsland Gemüse GmbH, einem HighTech-Kombinations-Gewächshaus, eingeladen. Und rund 500 Gäste – Vertreter der beteiligten Firmen, aus Politik und Wirtschaft, Kunden und Freunde – waren gekommen. 

Neben dem Emsflower Erlebnispark, dem Schaugarten und den 33 Hektar Gewächshäusern sind jetzt 8,5 Hektar neu hinzugekommen. Dort werden auf 1,5 Hektar Gurken der mehltau-resistenten Sorte ‘Proloog’ sowie auf dem Rest Tomaten der Sorte ‘Delioso’, eine große Cherry-Tomate, sowie die Rispentomate ‘Lyterno’ mit hohem Lycopingehalt kultiviert.

Das Besondere ist jedoch, dass die moderne Ausstattung erlaubt, sowohl Gemüse als auch Beetpflanzen anzuziehen, erläuterte Bennie Kuipers: „So wie es früher üblich war.“ Von Mitte April bis Ende Oktober kann das Gemüse reifen, danach wird abgeräumt, und es ziehen zunächst Violen, später Beet- und Balkonpflanzen ein. Diese sind bis spätestens Mitte April verkauft.

Dieser neue Gewächshaustrakt ist soweit wie möglich entfernt von den bestehenden Flächen, da für Gemüse verschärfte Hygienevorschriften gelten. Daher die klare Trennung der Betriebe, erklärt einer der beiden Söhne, Tom Kuipers. Besucher haben hier normalerweise keinen Zutritt, Desinfektion wird großgeschrieben. Dazu zählt auch, dass Kuipers die Jungpflanzen selbst anzieht, um die Hygienekette komplett im Griff zu haben. Geranien-Stecklinge kommen aus dem eigenen Mutterpflanzenbetrieb in Tansania.

Das bedeutet, dass die Zellen der Jungpflanzen-Platten nicht immer zu 100 Prozent gefüllt sind. Daher haben die Drei zusammen mit TTA (Tuinbouw Technisch Atelier, NL-Bleskensgraaf) den Flexplanter HS4 plus entwickelt, einen Automaten, der per Kamera und Computer die Platten erkennt, Jungpflanzen entnimmt, einzeln begutachtet und pikiert, das alles in einem einzigen Arbeitsgang.

Fünf Stück davon hat Kuipers, zwei laufen bei Emsland Gemüse in der großen Arbeitshalle. Drei Arbeitskräfte sind zum Bedienen nötig. Gepflanzt werden Beetpflanzen in 10er Trays. Programmiert ist, wo sie im Gewächshaus ausgestellt werden. Im Boden befinden sich Sensoren, die das lenken, abgestimmt auf das ganze Transportsystem und die Gießwagen.

Die Kultur der Gurken und Tomaten erfolgt auf Kokosmatten. Das komplette Regenwasser wird aufgefangen und zum Gießen verwendet, für die Jungpflanzen-Anzucht auch desinfiziert. Die notwendige Energie und Wärme für die Häuser liefert das eigene Naturholz-Heizkraftwerk „Bio-Power“. Kohlendioxid wird per Industriegas zugeführt.

Jedes Beet hat seinen eigenen Gießwagen, der über Schienen geführt wird und als Transportmittel fungiert. Per Hebe-Senkfunktion lassen sich die auf großen Wagen angelieferten Pflanzen auf den Produktionsflächen absetzen. Das System aus Heizungsrohren, Tröpfchenbewässerung und Rinnen ist ebenfalls mit Hebe-Senkfunktion ausgestattet, wodurch es der Produktion von Beetpflanzen ebenso dient, wie ab Mitte Mai der von Tomaten und Gurken.

Vier und eine halbe Abteilung, jede etwa 1,5 Hektar groß, sind so ausgestattet. Das Abräumen der Beete oder das Packen für große Aktionen ist so leicht möglich. Beete sind im Schiff 250 Meter tief, für Gemüseerntewagen zu lang, deshalb ist im Sommer noch ein extra Gemüseweg auf der Hälfte eingerichtet, in der Beetpflanzenzeit stehen dort auch Pflanzen.

Möglichst nachhaltig ist die Produktion, unterstreicht Tom Kuipers, daher sind ständig Nützlinge im Einsatz. Entsprechend soll das Gemüse weitestgehend ohne chemischen Pflanzenschutz auskommen. Von Vorteil ist, dass Emsbüren kein klassisches Produktionsgebiet ist und daher kaum Ansteckungsgefahr droht.

Zurzeit können Gurken jeden Tag geerntet werden, Tomaten zweimal die Woche. 30 bis 40 neue Arbeitskräfte sind für die Gemüse-Produktion eingestellt worden. In der Hochzeit von Ernte und Verpackung kommen 30 weitere Saisonkräfte hinzu. In der Packhalle arbeiten die Sortier- und Verpackungsmaschinen von Aweta (NL-Nootdorp) weitgehend vollautomatisch, sie wiegen, sortieren, verpacken, folieren, etikettieren, beispielsweise 18.000 Gurken pro Stunde.

Vermarktet wird zu 100 Prozent über Landgard als regionales Gemüse, das auf kurzem Transportweg vor allem in die Absatzmärkte Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gelangt. Aussortierte, unverkäufliche Ware, die nicht den Handelsnormen entspricht, liefert Kuipers direkt an die Tafeln für Bedürftige in der Umgebung. Tom Kuipers: „Wir vermarkten definitiv deutsches Gemüse, gesund und nachhaltig produziert, aus der Region für die Region.“ Und bisher läuft es gut, unterstreicht er, entsprechend wollen sie den Betrieb möglichst schnell erweitern. Die Infrastruktur dafür ist gelegt, Strom- und Wärmeversorgung, der Boden ist nivelliert, noch in diesem Jahr soll Baubeginn sein.

Insgesamt können Kuipers noch 28 Hektar reine Glasfläche bauen, ohne neue Arbeits- und Verladekapazitäten zu benötigen. Und auch Bruder Bart, momentan für das provisorische Gartencenter und weitere Abteilungen zuständig, erläutert die Pläne für einen weiteren Neubau: Das schon lange geplante Gartencenter in Schmetterlingsform soll im kommen Jahr gebaut werden, die Eröffnung ist für September 2013 geplant. (fri)