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Kultur der Moderne: Grabmale als Spiegelbild

Geht es um den Einfluss von Kultur und Gesellschaft auf den Umgang der Menschen mit der Unvermeidlichkeit des Todes, so bietet insbesondere die Soziologie aufschlussreiche Erklärungsansätze an. Sie ist nach Norbert Elias, einem ihrer berühmtesten Vertreter, dafür zuständig, der Gesellschaft klar zu machen, dass der Tod keine Angelegenheit der Toten ist, sondern ein Problem der Lebenden.

Als Wissenschaft von der Gesellschaft ist die Soziologie mittlerweile etwa 120 Jahre alt. Zu ihren klassischen Forschungsbereichen gehört der soziale Wandel, also die Veränderung von Verhaltensmustern und Werterichtlinien, die innerhalb einer bestimmten Gesellschaft für gewisse Zeit gültig sind. Ein damit verbundener Trend, den Soziologen untersuchen, und der mittlerweile in den alltäglichen Sprachgebrauch eingegangen ist, ist die Individualisierung.

Mit diesem vielschichtigen Begriff ist im Kern gemeint, dass Menschen ihr Leben immer stärker „in Eigenregie“ in die Hand nehmen müssen, weil sie im beruflichen und privaten Umfeld anstelle stabiler Verlässlichkeiten immer häufiger unsichere Strukturen vorfinden, die sie selbst aktiv zu gestalten haben. In der Vergangenheit standen stärker gemeinschaftlich geprägte Lebensformen, die soziale Herkunft, der Stand und das Vermögen der Familie, die Einbettung in ein größeres Umfeld, aber auch Traditionsbewusstsein und die Pflege etablierter Umgangsweisen im Vordergrund und übten einen großen Einfluss auf die persönliche Lebensführung aus. Im Gegensatz dazu ist die Individualisierung ein Effekt der modernen Gesellschaft, der das Individuum aus der Masse beziehungsweise der Gruppe heraushebt. Lesen Sie mehr dazu in der April-Ausgabe der Friedhofskultur ab Seite 30.