Grüne Branche

Kundenablenker im Handel ausschalten

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„Frau Müller, bitte Kasse 3 besetzen.“ „Herr Schulze, der Leergutautomat ist voll.“ – Wer kennt sie nicht, diese durch die komplette Fläche der LEH-Geschäfte dröhnenden Mikro-Ansagen? Was solch eine Ansage in jedem Fall mit sich bringt: Sie unterbricht zumindest unbewusst den Einkaufsvorgang. Das ist einer der Knotenpunkte, an dem die Arbeit des in der Hamburger Dammtorstraße ansässigen Unternehmens „ReAct“ ansetzt.

Via Tablet können die Kassierer die mit Smartphones oder Smartwatches ausgestatteten Mitarbeiter auf der Fläche lautlos ansprechen. ReAct/Julia Rosa Reis

Akustische Belästigung soll vermieden werden, ohne dass gleichzeitig die Kommunikation unter den Mitarbeitern leidet. Wie so etwas funktioniert, kann man unter anderem in der Niederlassung von Edeka-Niemerszein im noblen Hamburger Stadtteil Winterhude beobachten.

Kassiererinnen kommunizieren lautlos mit den Markt-Mitarbeitern

Die Kassiererinnen verfügen über Tablets, mit deren Hilfe die mit Smartphones oder Smartwatches ausgestatteten Mitarbeiter auf der Fläche lautlos angesprochen werden können. Wenn etwa der Preis für ein bestimmtes Obst beim Bezahlvorgang fehlt, drückt die Kassiererin das entsprechende Bildsymbol auf dem Tablet. Die Nachricht erreicht alle Mitarbeiter der Obstabteilung über eine Smartwatch. Einer bestätigt die Übernahme der Aufgabe, alle anderen werden darüber informiert.

Sollte keiner die Übernahme des Jobs bestätigen, wird die Anfrage immer weiter nach oben geleitet, bis hin zur Marktleitung. Die Kunden bekommen von dieser lautlosen Kommunikation nichts mit. Wobei „ReAct“ betont, dass rund 80 Prozent der bisher üblichen Mikro-Ansagen die Kunden unmittelbar auch gar nichts angehen.

Lautlose Kommunikation spart unnötige Wege

Ein weiterer Effekt: Nach Angaben des erst 2014 gegründeten Hamburger Unternehmens werden bis zu zwei Drittel aller Wege der Mitarbeiter bei solchen Situationsanfragen eingespart. Diese Größenordnung kann Ingrid Neumann, Niemerszein-Marktleiterin in Winderhude, nicht bestätigen. Doch auch sie meint: „Ein großer Teil unnötiger Wege wird eingespart.“

Das Tablet ermöglicht aber auch laute Kommunikation, etwa, wenn eine Kasse besetzt werden muss. Kommuniziert wird dann mit einer voraufgenommenen Stimme, die den entsprechenden Text spricht. Möglich ist so eine angenehme Stimmmodulation. Bei Niemerszein in Winterhude gehört diese Stimme einem Mitarbeiter, es wurde sozusagen eine eigene „Stimmmarke“ kreiert.

„Funk-Klingelschilder“ ergänzen das Kommunikationssystem

An das gesamte interne Kommunikationssystem können auch Maschinen, wie etwa der Leergutrücknahmeautomat, angeschlossen werden. Ergänzt wird das Kommunikationssystem durch „Funk-Klingelschilder“ oder durch Bildschirme, die gut sichtbar in bestimmten Abteilungen angebracht sind. Bei Niemerszein in Winterhude etwa bei den alkoholischen Getränken, die bekanntlich häufig in Glasschränken verschlossen sind.

Zu der insgesamt ruhigeren Einkaufsatmosphäre und einer effizienten Steuerung der Marktabläufe durch den Wegfall unnötiger Wege der Mitarbeiter gesellt sich die Aufwertung der akustischen Atmosphäre durch für den Retail optimierte Klangflächen. Diese hört der Kunde aber nur in bestimmten Abteilungen. Die eigens für Handelsflächen komponierte Hintergrundmusik soll entschleunigend wirken und für eine längere Verweildauer der Kunden im Laden sorgen.

Kommunikationssystem auch für Gartencenter interessant

Das gesamte Kommunikations- und Beschallungssystem von „ReAct“ wurde schon auf hunderten Handelsflächen etabliert – variabel, den individuellen Kundenwünschen entsprechend. Die Technologie kann gekauft oder gemietet werden. Grundsätzlich interessant ist das System sicherlich auch für Gartencenter, zumal dort die Mitarbeiterwege in der Regel länger sind als im LEH.

Insbesondere Einzelelemente wie die drahtlose Klingel sind an der Praxis in den Gartencentern orientiert. Wenn Kunden über einen simplen Knopfdruck Mitarbeiter für ein Beratungsgespräch herbeirufen können, dann zeugt dies von kompetentem Service. Und der ist wiederum angesichts der wachsenden Online-Konkurrenz ein Schlüssel für den künftigen Erfolg.