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Kunst und Birkenhain: Urnengrabfeld in Winterthur

Der Trend vor allem in den westlichen Industrienationen hat sich verfestigt. Das gestaltete Einzel- oder Familiengrab weicht immer mehr dem Urnengrab. Dass diese Form der Bestattung aber nicht kalt und anonym sein muss, zeigt ein Beispiel aus Winterthur in der Nord-Schweiz.

Der Wunsch kam aus der Bevölkerung und wurde seit Beginn dieses Jahrhunderts vermehrt an die Stadt- und Friedhofsverwaltung herangetragen. Winterthur ist mit etwa 105.000 Einwohnern die sechstgrößte Stadt der Schweiz im Kanton Zürich. Aus dem demografischen Wandel und den veränderten Familienstrukturen resultiert auch hier eine neue Friedhofskultur.

Immer mehr Menschen haben keine Nachkommen, sterben individualisiert in Heimen oder Pflegeeinrichtungen oder wünschen aus anderen Gründen eine Urnenbestattung. Der Wunsch nach Anonymität im Tod wächst. Während Kremation, Friedwälder und Kolumbarien oft die Antwort sind, hat man sich in Winterthur für ein Gemeinschaftsgrabfeld entschieden. Die Urnenbestattung ist sowohl namentlich als auch anonym möglich.

Wettbewerb und Ergebnis

Im Jahr 2006 war die Entscheidung gereift. Auf dem bestehenden, fast 100-jährigen Friedhof Rosenberg im Norden der Stadt in Waldrandlage wurde eine nicht mehr neu belegte Viertelkreisfläche nach Ende der Ruhezeit frei. Die Stadtgärtnerei lobte für diesen Bereich einen Gestaltungswettbewerb mit fünf eingeladenen, regionalen Büros aus. Rotzler Krebs Partner Landschaftsarchitekten aus Winterthur gewannen den ersten Preis, mit einem beeindruckenden Planungskonzept.

Das neue Gemeinschaftsurnengrab wurde als Teil der Gesamtanlage des historischen Friedhofs aufgefasst. Es ordnet sich respektvoll in die vorhandene Friedhofsstruktur ein, mit übergeordneten Wegeachsen, Plätzen, Baumpflanzungen und Brunnenanlagen. Der Identität stiftende, lichte Birkenhain, die radiale Ausrichtung der Wege und die fließende Geländemodellierung blieben weitgehend erhalten. Das Gemeinschaftsgrab betont innerhalb des Friedhofs seine Eigenständigkeit, indem es sich von den übrigen Grabfeldern durch seine offene Gestaltung bewusst absetzt, aber die begleitenden Wege räumlich einbezieht.

Durch das Entfernen von trennenden Hecken und den Rückbau des untersten Weges wird das Gemeinschaftsgrab als Einheit über den gesamten Wiesenhang hinweg wahrgenommen. Es liegt im Spannungsfeld zwischen dem oberen Versammlungsplatz mit „Namensband“ und dem unteren Platz mit einem „schwebenden Wasserspiegel“. Eine breite Eibenhecke, mit eingeschnittenem Rampenweg und die neu angepflanzte Magnolien-Allee begrenzen das Gemeinschaftsgrab zum Hauptweg. Lesen Sie mehr in der April-Ausgabe der Friedhofskultur ab Seite 36.

Weitere Informationen auch unter www.rkp.ch und www.stadtgaertnerei.winterthur.ch