Grüne Branche

Kunstrasen drittgrößter Mikroplastik-Verursacher

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Kunstrasenplätze sind laut Forschern des Fraunhofer-Instituts die drittgrößte Quelle für Mikroplastik in unserer Umwelt – sie toppen sogar Kosmetikprodukte. Für führende Kunstrasen-Hersteller sind die Ergebnisse einerseits „absurd“ und andererseits „nicht überraschend“. Grüne und SPD fordern jetzt Alternativen.

Nicht die Plastikhalme sind das Problem, sondern vielmehr das Kunststoffgranulat, mit dem die Flächen aufgefüllt und die Halme gestützt werden. Gekräuselte Halme sollen das Granulat besser festhalten. Foto: Polytan

Größte Gefahr geht von Sportplätzen aus

Zwei Jahre lang haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik, kurz: Umsicht, den Wissensstand zu Mikro- und Makroplastik in einer Studie zusammengetragen. Das Ergebnis ist ein Paukenschlag: Den Ergebnissen zufolge sind Kunstrasenplätze aus Kunststoff die drittgrößte Quelle für Mikroplastik in Deutschland.

Auch Reifenabrieb, Freisetzung bei der Abfallentsorgung, Abrieb von Bitumen in Asphalt und Pellet-Verluste liegen ganz vorne.

Die größte Gefahr gehe dabei von Sportplätzen aus. Dessen Kunststoff-Belag sei für 11.000 Tonnen an Mikroplastik im Jahr verantwortlich – siebenmal so viel wie durch Kosmetikprodukte. Aber auch Spielplätze spielen in der Diskussion eine Rolle.

Kunststoffgranulat problematischer als Plastikhalme

Problematisch dabei sind weniger die Plastikhalme, sondern vielmehr das Kunststoffgranulat, mit dem die Flächen aufgefüllt und die Halme gestützt werden, so die Forscher. Die Studie basiert auf Hochrechnungen. „Wir haben versucht abzuschätzen, wie hoch die Emissionen sein könnten“, sagt die Wissenschaftlerin und Co-Autorin der Studie Leandra Hamann vom Umsicht-Institut.

Basis sind die Angaben der Hersteller. Sie gaben an, wie viel Granulat pro Jahr als Ersatz ausgestreut werden musste. Die Verlust-Meldungen reichten von 500 bis 4.000 Kilogramm im Jahr.

DFB will mehr Kunstrasen zur EM – für Grüne und SPD ein Graus

Sportplätze aus Kunstrasen sind beliebt. Kunststoff-Fans sprechen von pflegeleichten und belastbaren Belägen, denen Naturrasen nicht das Wasser reichen kann. So setzen immer mehr Sportvereine auf die Plastik-Alternative. Im Februar forderte der damalige Präsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB), Reinhard Grindel, auf dem Amateurfußballkongress sogar ganz direkt, in den zehn Austragungsorten der Europameisterschaft, die in rund fünf Jahren hierzulande stattfindet, mehr Kunstrasen-Fußballplätze zu schaffen. Ob das so kommen wird?

Nein, wenn es nach Grünen-Politiker Markus Tressel geht. Für ihn sind die Studienergebnisse „ein Riesenthema“. Für ihn müssen Alternativen zum Kunststoffgranulat her. „Man muss überlegen, wie man in Zukunft damit umgeht“, so der Bundestagsabgeordnete im Saarländischen Rundfunk. „Biologisch abbaubare Granulate wie zum Beispiel Kork wären vielleicht eine Möglichkeit, um die Umwelt nicht weiter zu belasten.“

Er fordert einen geschlossenen Bewässerungskreislauf und einen Verwehungsschutz für Neuanlagen oder zu sanierende Plätze. Die saarländische Landesregierung solle nur die Plätze fördern, die solche Vorgaben erfüllten.

Umweltschonende Alternativen gefordert

Die Sozialdemokraten in Bayern gehen noch einen Schritt weiter. Ihrer Meinung nach müsse die Staatsregierung handeln. Sie müsse Alternativen aufzeigen und unterstützen. Daher habe die Partei einen Antrag im Bayerischen Landtag gestellt. Florian von Brunn, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag, sagte dazu: „Die Staatsregierung ist jetzt aufgefordert, umweltschonende Alternativen aufzuzeigen – insbesondere bei den Städten und Gemeinden, die gerade neue Sportplätze planen.“

Was verschiedene Kunstrasen-Hersteller zu den Forschungsergebnissen und Forderungen der Politiker sagen, lesen Sie in der TASPO 18/2019, die Sie im TASPO Online-Shop abrufen können.