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Kunstrasen und Mikroplastik – alles halb so wild?

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Durch eine Studie des Fraunhofer-Instituts „Umsicht“ sind Kunstrasenplätze jüngst als drittgrößte Quelle für Mikroplastik in Deutschland in Verruf geraten. Inzwischen zweifeln allerdings immer mehr Experten die vorgelegten Zahlen an. Und auch das Fraunhofer-Institut selbst rudert inzwischen zurück.

Rund 3.500 mit Gummi-Granulat verfüllte Kunstrasenplätze gibt es derzeit in Deutschland. Foto: Polytan

Gummi-Granulat zum Auffüllen der Kunstrasenplätze droht Verbot

Rund 11.000 Tonnen an Mikroplastik sollen der Studie zufolge pro Jahr von den deutschen Kunstrasenplätzen in die Umwelt gelangen. Verantwortlich dafür sind aber nicht etwa die Plastikhalme, sondern vielmehr das Kunststoff-Granulat, mit dem die Flächen aufgefüllt und die Halme gestützt werden. Entsprechend steht auf EU-Ebene ein Verbot des Gummi-Granulats zur Diskussion.

Sollte es tatsächlich zu einem EU-weiten Verbot des umstrittenen Granulats kommen, würde das dennoch nicht das Aus für Kunstrasenplätze bedeuten – Alternativen für deren Verfüllung wären etwa Sand oder Kork. Beide Materialien kommen in der Praxis auch bereits zum Einsatz, können Experten zufolge aber in puncto Lebensdauer, Komfort und Pflege nicht mit dem Kunststoff-Granulat mithalten. Deshalb werde schon an weiteren, besseren Alternativen gearbeitet, wie der Kunstrasen-Hersteller Polytan erklärt.

Fraunhofer-Studie stellt Worst-Case-Szenario dar

Allerdings könnten neue Studien auch das Gummi-Granulat rehabilitieren. Unter anderem das  Deutsche Institut für Normung (DIN) und die Gütegemeinschaft RAL bezweifeln nämlich, dass die vom Fraunhofer-Institut vorgelegten Ergebnisse, wonach jährlich etwa 11.000 Tonnen Mikroplastik von Kunstrasenplätzen abgetragen werden, der Realität entsprechen. Den Berechnungen von DIN und RAL zufolge liegt der tatsächliche Austrag bei lediglich rund zehn Prozent des Fraunhofer-Wertes.

Das Institut selbst hat inzwischen eingeräumt, dass seine Forscher für die Studie von einem Worst-Case-Szenario ausgegangen waren, um für das Thema Mikroplastik zu sensibilisieren. Nun will das Fraunhofer-Institut neue Zahlen vorlegen, wobei das Ziel sei, „wegzukommen von Worst-Case-Szenarien hin zu realen Szenarien“, wie das Institut in einer Stellungnahme gegenüber den Medien erklärt hatte. Die Tendenz für eine neue Studie mit aktualisierten Zahlen sei, dass deren Ergebnisse „weniger alarmierend ausfallen“, so das Fraunhofer-Institut.