Grüne Branche

Kunststoffe im Gartenbau: „Nicht generell verteufeln“

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Kunststoffe sind aus unseren Betrieben nicht mehr wegzudenken, sagt Prof. Dr. Karl Schockert von der Gesellschaft für Kunststoffe im Landbau (GKL). Denn praxistaugliche Alternativen gibt es noch zu wenige – oder sie sind einfach noch nicht ausreichend erforscht, wie der GKL-Präsident im Interview mit der TASPO erklärt.

In welchen Bereichen im Gartenbau sind Kunststoffe denn beispielsweise unersetzlich?

Die Einsatzbereiche sind so vielfältig, dass sie sich hier kaum alle aufzeigen lassen. Denken wir nur einmal an den täglichen Betriebsablauf – von Kisten und Jungpflanzen-Trays bis zu Düngemischern, Bewässerungsleitungen oder Tischbelägen. Oder an Energieschirme und Gewächshaus-Bedachungen. Hinzu kommt die Verwendung von Mulch-, Flachfolien und Vliesen zur Erntesicherung, Verfrühung und Produktionssteuerung.

Das sind sehr bedeutende Maßnahmen, sichern sie doch Erträge und Preise, schaffen Marktpräsenz, befriedigen Qualitäts- und Verbraucheransprüche und erlauben – das vergessen viele schnell – einen Verzicht oder zumindest eine Reduzierung des Herbizid- und Insektizid-Einsatzes, eine bessere Wassernutzung und Bodenschutz. Ähnliches gilt im Prinzip für Schutznetze gegen Schädlinge wie Gemüse- oder Kirschessigfliege.

Aber sind Kunststoffe oft nicht schon durch umweltverträgliche Alternativen ersetzbar?

Es könnten für Mulchfolien statt klassischen Kunststoffen beispielsweise bioabbaubare Kunststoffe auf Papier-, Stärke- oder auf PLA-Basis verwendet werden. Allerdings sind kaum praktikable Materialien auf dem Markt oder preislich nicht akzeptabel – wie Mulchpapier oder Folien auf Stärkebasis. Hier ist noch viel Forschung und Entwicklungsarbeit erforderlich. Wir würden es sehr begrüßen, wenn hier Unterstützung beispielsweise durch Förderprogramme angeboten würde.

Bei Pflanzentöpfen ist auf Dauer eventuell ein Teil durch biologisch abbaubare Kunststoffe ersetzbar – beispielsweise für Beet- und Balkonpflanzen, die sowieso ausgepflanzt werden. Allerdings ist das eine Kostenfrage – und es fehlen Erfahrungen. Für Zimmerpflanzen sind solche Töpfe aufgrund der Lebensdauer und der mangelnden Kundenakzeptanz eher keine Alternative.

Wie wird die Zukunft mit Kunststoffen im Gartenbau – gerade auch angesichts der aktuellen Diskussion in der Bevölkerung – aussehen?

Der Anteil der bioabbaubaren Kunststoffe wird künftig ansteigen. Dabei ist aber die Abbaubarkeit auf dem Feld für kurzlebige Materialien zu unterscheiden von der Abbaubarkeit bei technischer Kompostierung. Hier muss ein Sammelsystem aufgebaut werden und jede regionale Anlage entsprechend ausgestattet sein. Zudem wird es sicher auch weitere Mehrweg-Verpackungen für den Transport geben sowie neue Entwicklungen für Produktverpackungen.

Heute können Blumentöpfe über den Gelben Sack entsorgt werden – eine logische Folge der Systembeteiligungspflicht für das Gros der Töpfe. Diese Änderung seit diesem Jahr muss aber kommuniziert werden, damit Blumentöpfe auch den Weg dahin finden. Also sollten wir zur Aufklärung aufrufen und dies den Kunden klar machen.

Das komplette Interview mit GKL-Präsident Schockert sowie mehr zum Thema „Plastikmüll – im Gartenbau (un)vermeidbar? lesen Sie im gleichnamigen TASPO dossier III/2019, das Sie im TASPO Online-Shop abrufen können.