Grüne Branche

Lancierte Scheinskandale der Grünen Branche: Absolute Transparenz ist nötig

Sehr zielsicher, nämlich nur zwei Tage vor dem alljährlichen Poinsettia Day am 12. Dezember, veröffentlichte das Magazin „Der Spiegel“ einen Artikel zu angeblich menschenunwürdigen Bedingungen für gärtnerische Arbeitnehmer in Drittländern. Von Fungizidnebel, in dem die Angestellten ihre Arbeit verrichten müssen, ist darin die Rede, auch von Repressalien gegen Mitarbeiter und Gewerkschaftsmitglieder sowie zu geringen Lohn. Mit der herausgepickten Darstellung des Betriebes Las Mercedes im Westen El Salvadors traf die Kritik diesmal die Red Fox-Gruppe (Rheinberg).

Blick in ein Gewächshaus der Red Fox Gruppe im mittelamerikanischen El Salvador. Foto: Red Fox-Gruppe

Dass die Darstellung im Spiegel einer sauberen Recherche entbehrt, lässt sich leicht erkennen, denn ganz vom Anspruch des Blattes abweichend, ging es hier wohl eher nicht um die objektive Faktenlage, sondern darum, in reißerischer Weise Aufmerksamkeit zu erregen. Die im Vermehrungsbetrieb Las Mercedes stattfindende Poinsettien-Stecklingsproduktion lassen die Autoren des Beitrages lässig unter der Rubrik Floristik laufen. Man ahnt, dass es mit der Sachkenntnis nicht weit her sein kann. Dennoch treffen die Aussagen auf eine vielfach ebenfalls unkundige Leserschaft und verfehlen ihre Wirkung nicht. Wie der TASPO-Redaktion aus Fachkreisen bekannt wurde, reagierten Teile des Lebensmitteleinzelhandels umgehend auf die Veröffentlichung, indem Lieferanten explizit nach der Herkunft ihrer Ware befragt wurden. Einmal mehr zeigt sich, welch große Bedeutung dem Thema Zertifizierung heute und in der Zukunft zukommt.

Dass die Red Fox-Gruppe sich diesem Thema längst zugewandt hat, blieb im Spiegel-Beitrag unerwähnt. Denn gemäß der Firmenphilosophie „Red Fox takes care“ untermauert die Firmengruppe ihre Positionierung im Markt mittlerweile durch eine MPS-Zertifizierung, die für den Hauptbetrieb in Rheinberg bereits Gültigkeit besitzt und für die Südbetriebe – neben El Salvador auch Äthiopien – in Vorbereitung ist. Tobias Dümmen verweist als Vertreter der Red Fox-Unternehmensgruppe darauf, dass die mehrstufige MPS-Zertifizierung im ersten Schritt auf die Einhaltung festgelegter Umweltstandards abzielt und in weiteren Schritten Sozialstandards einbezieht. In diesem Zertifizierungsprozess beziehungsweise in seiner Vorbereitung befinde sich das Gesamtunternehmen.

Zum aktuellen Spiegel-Beitrag hat Red Fox auch auf der eigenen Homepage eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sich die Unternehmensgruppe gegen die unsachgemäße Berichterstattung über den Betrieb Las Mercedes verwahrt. Verwunderlich sei doch, heißt es darin, dass die Autoren des Artikels auf Aussagen von Maik Pflaum, Arbeitsrechtsexperte der Christlichen Initiative Romero, zurückgriffen, dessen angeblicher Besuch im Betrieb nicht bestätigt werden könne. Seine Darstellung beruhe offenbar auf Schilderungen von namenlosen „Betriebsangehörigen“.

Die im Artikel geschilderten Vorwürfe bezüglich der Kontrolle von Toilettengängen, schwarzen Listen bei Gewerkschaftsaktivitäten sowie dem unsachgemäßen und gesundheitsgefährdenden Einsatz von Pestiziden weist Red Fox als unhaltbar zurück: „Es werden bei uns weder die Toilettenzeiten der Mitarbeiter kontrolliert, noch werden Listen mit Namen von Mitarbeitern geführt, die wegen gewerkschaftlicher Arbeit aufgefallen sind. Auch der Umgang mit Pflanzenschutzmitteln unterliegt höchsten Sicherheitsstandards.

Es werden ausschließlich Pflanzenschutzprodukte verwendet, die auch in Europa zugelassen sind. Die Mitarbeiter, die Pflanzenschutzmittel ausbringen, verfügen über professionelle Schutzkleidung nach europäischem Standard. Bei dem im Spiegel zitierten Vapam handelt es sich anders als dargestellt keineswegs um ein Pestizid, sondern um ein Desinfektionsmittel, das zur Reinigung der Böden eingesetzt wird. Wenn es angewendet wird, bleibt das Gewächshaus drei volle Tage gesperrt. Am dritten Tag wird abgelüftet und alle Reste ausgewaschen. Die Mitarbeiter kommen nicht mit Vapam in Kontakt. Das Mittel darf noch bis 2014 verwendet werden und kommt auch in den Niederlanden regelmäßig zum Einsatz.“

Dem Vorwurf, dass die Arbeitnehmer in El Salvador mit geringen Löhnen abgespeist werden, hält Red Fox die eigene Lohnpolitik entgegen und verweist darauf, dass die Entlohnung der gärtnerischen Mitarbeiter den ortsüblichen Mindestlohn – der sich an der staatlichen Vorgabe für landwirtschaftliche Mitarbeiter orientiere – bei weitem übersteige. Eine Argumentation, von der sich der grüne Bundestagsabgeordnete Uwe Kekeritz und die CDU-Bundestagsabgeordnete Anette Hübinger bei einem Betriebsbesuch im Mai dieses Jahres vor Ort überzeugten.

Der Nürnberger Zeitung (vom 7. Juni 2012) sagte Kekeritz im Anschluss: „Die Arbeitsbedingungen sind gut. Und obwohl der Mindestlohn im Gartenbau generell niedriger ist – er liegt bei rund 90 Dollar – zahlt die deutsche Firma freiwillig zwischen 130 und 150 Dollar.“

Der sozialen Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern ist sich die Familie Dümmen durchaus bewusst. So wird die ärztliche Versorgung der Arbeitnehmer über eine betriebseigene Gesundheitsstation abgesichert. Regelmäßige Fortbildungsmaßnahmen sowie das soziale Engagement vor Ort haben nach Information von Tobias Dümmen einen hohen Stellenwert. Ebenso wie in Deutschland genießen schwangere Mitarbeiterinnen Kündigungsschutz und können zudem für 84 Tage im Jahr bezahlten Mutterschutz in Anspruch nehmen.

Dass nicht nur die Unternehmensgruppe Red Fox, sondern alle Poinsettien-Produzenten und auch der Poinsettien-Markt von solchen rufschädigenden Aktionen betroffen sind, versteht sich von selbst. Nach Information von Dr. Susanne Lux, Projektmanagerin der Initiative Stars for Europe, befasst sich sowohl die Initiative als auch die gesamte Gartenbaubranche inzwischen intensiv mit dem Thema Krisenmanagement.

Nachdem die Branche sich mittlerweile häufigeren Angriffen ausgesetzt sehe und es schon im Jahr 2009 eine PR-Kampagne unter dem Titel „Klimakiller Weihnachtsstern“ gegeben habe, sei man zwischenzeitlich besser auf kurzfristige Reaktionsmöglichkeiten eingestellt. So bestehe in Bezug auf die aktuellen Vorkommnisse bereits ein Krisenplan, in dem eine gute Abstimmung zwischen Fachgremien, der Initiative Stars for Europe, dem Vermarkter Landgard und dem Zentralverband Gartenbau bestehe.

Schon im Verlauf des Jahres 2012 hätten die europäischen Weihnachtssternzüchter Dümmen, Syngenta Flowers, PLA (Gross, Jacobsen) und Selecta Klemm am Thema einer transparenteren Darstellung der Produktionsbedingungen bei den Poinsettien gearbeitet. Die Produktion in den Südbetrieben sei dabei ein sehr wesentlicher Aspekt. Denn ebenso wie der Weihnachtsbaum stehe die Poinsettie in der Adventszeit im Fokus der Medienaufmerksamkeit.

Um in detaillierter Art und Weise auf redaktionelle Anfragen reagieren zu können, bemühe sich die Initiative derzeit um eine Aktualisierung der Datenlage in den einzelnen Unternehmen. Denkbar wäre nach Information von Dr. Lux, sogenanntes Schnittbildmaterial, das von Fernsehredaktionen genutzt werden kann und die Situation in den Einzelunternehmen wiedergibt, sowie Texte zum Download auf die Website www.starsforeurope.com zu stellen.

Ob sich die aktuelle Kampagne der Christlichen Initiative Romero auf das diesjährige Poinsettiengeschäft in Deutschland auswirken wird, könne noch nicht beurteilt werden, so Dr. Lux. Glücklicherweise seien die auf der Website des Vereins (www.ci-romero.de) veröffentlichten Pressemitteilungen und auch eine zweijährige Studie zu den Produktionsbedingungen im Betrieb Las Mercedes bis auf eine am 10. Dezember ausgestrahlte Sendung des WDR von den Medien bislang nicht in größerem Ausmaß aufgegriffen worden.

Die vorgesehenen Verkaufsförderungsaktionen im Lebensmitteleinzelhandel konnten daher wie geplant umgesetzt werden. Nach Auskunft von Dr. Lux bewegt sich das Marktvolumen der Weihnachtssterne in diesem Jahr bei 35 bis 36 Millionen Stück. 90 Prozent der Pflanzen stammen aus deutscher Produktion, auf etwa neun Prozent belaufe sich der niederländische Marktanteil, aus Dänemark stamme etwa ein Prozent der in Deutschland verkauften Poinsettien.

Sollten aufgrund der Darstellungen im Spiegel und im WDR dennoch Kundenanfragen auf Produzenten oder den gärtnerischen Einzelhandel zukommen, empfiehlt die Projektmanagerin folgende Aussage: „Das Unternehmen Dümmen hält sich an alle in El Salvador geltenden Arbeits- und Sozialgesetze und befolgt alle Sicherheitsstandards. Vielfach geht das Unternehmen deutlich über die gesetzlichen Vorgaben hinaus.“ (ks)