Grüne Branche

Landeerlaubnis: Bienen beflügeln Hamburg Airport

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Rund 200.000 Honigbienen starten und landen derzeit am Hamburg Airport. Das Gelände des Flughafens, dazu die Kleingärten und Parks und die Gewässer ringsum, bieten den Bienen die größte zusammenhängende Grünfläche Hamburgs – größer noch als der Stadtpark, so die Angaben.

Stolz auf seine kleinen Flieger: Flughafen-Imker Ingo Fehr. Foto: Michael Penner/Hamburg Airport

Die sechs Bienenvölker scheinen sich dort wohl zu fühlen, beziehen sie doch seit 1999 jedes Jahr ihr trautes Heim am Rande eines kleinen Waldstücks ganz in der Nähe der Start- und Landebahnen. Von dort aus fliegen sie jeden Tag hinaus in ihr riesiges Revier. „Insgesamt sind sie auf einer Fläche von bis zu zwölf Quadratkilometern unterwegs“, erläutert Airport-Imker Ingo Fehr, der jährlich an die 150 Kilogramm Honig erntet.

Jede Airport-Biene besucht rund 4.000 Blüten

„Leider reicht die Menge nicht aus, um ihn zu verkaufen. Das ist so ähnlich wie bei dem Wein vom Stintfang. Stattdessen nutzen wir den Honig für kleine Präsente bei Empfängen und anderen Anlässen“, so der Imker, der seit vielen Jahren hauptamtlich als Umweltingenieur am Hamburger Flughafen arbeitet.

Trotzdem: Das Arbeitspensum jeder einzelnen Biene sei gewaltig: Jede macht täglich rund 40 Ausflüge und besucht etwa 4.000 Blüten. Für ein Kilogramm Honig sind drei Kilogramm Nektar notwendig. Eine Biene sammelt im Laufe ihres Lebens etwa einen Teelöffel Honig.

Flughafen-Honig wird regelmäßig analysiert

Jedes Jahr werde der Honig sowohl im Bieneninstitut in Celle als auch von einem unabhängigen Labor in Süddeutschland ausgiebig analysiert. „In all den Jahren wurde uns immer einwandfreie Qualität bescheinigt“, sagt Ingo Fehr. Der Honig entspräche immer den Anforderungen der Deutschen Honigverordnung und des Deutschen Imkerbunds und wurde jedes Mal – anders als vor dem Projektstart angenommen – als unbelastet beurteilt.

Für den Flughafen der Hansestadt ist die Honigqualität zugleich ein zusätzlicher Hinweis, dass die Luftgüte einwandfrei ist. „Die Insekten würden bei nennenswerter Belastung gar nicht zu ihrem Bienenstock zurückkehren, sondern unterwegs verenden“, betont Fehr.

Auch Wildbienen starten und landen

Nicht nur Honigbienen, sondern auch viele Wildbienen fühlen sich auf den Flughafen-Grünflächen heimisch. Das 2015 zusammen mit der Deutschen Wildtier Stiftung gestartete, auf fünf Jahre angelegte Projekt zum Schutz von Wildbienen komme gut voran, so Hamburg Airport.

„Zusätzlich zu den bereits vorhandenen Grünanlagen auf unserem Gelände haben wir weitere blütenreiche Flächen geschaffen. Insgesamt sind das rund 5.000 Quadratmeter, auf denen die Wildbienen bei uns einen idealen Lebensraum erhalten“, erläutert Imker Ingo Fehr, der sich auch über zunehmende „Nachfrage“ der Tiere für einen Platz in den beiden Wildbienenhotels freut.

Eine der hölzernen Konstruktionen befindet sich auf dem oberen Deck des Parkplatzes P4, die andere auf der Terrasse des Airport-Verwaltungsgebäudes.

Deutschland im Bienen-Hype

Es summt überall: Immer mehr Kommunen gestalten Grün- und Freiflächen insektenfreundlicher. In der TASPO 28/2018, die am 13. Juli erscheint, befassen sich deshalb gleich mehrere Beiträge mit diesem Thema. So lesen Sie unter anderem, welche Gehölze ideal sind und was bereits zum Schutz von Bienen und anderen Bestäuberinsekten getan wird.