Grüne Branche

Landesfachklassen Württemberg: Beispiel auch für andere Bundesländer?

Die Staatsschule für Gartenbau in Stuttgart-Hohenheim soll sich künftig auch als „Kompetenzzentrum für friedhofsgärtnerische Aus- und Fortbildung“ einen Namen machen. Wilfried Raff – Vorsitzender der Fachgruppe Friedhofsgärtner im Württembergischen Gärtnereiverband – erwähnte dies bei der Mitgliederversammlung dieser Organisation am 28. Februar in Weilheim/Teck. 

Dr. Karin Sailer: „Ergänzende Themen werden in den Unterricht integriert!” Foto: Edwin Hanselmann

Raff erwähnte extra Aktivitäten, die in Baden-Württemberg im Rahmen einer „ersten Ausbildungsinitiative Friedhofsgärtner“ gelaufen sind. Dies ist eine landesweite berufsständische Initiative, vor allem abzielend auf die Vertiefung der Fachkenntnisse in den Bereichen Grabneuanlage und Gestaltung der Gräber.

So habe es Ende August/Anfang September in Karlsruhe eine spezielle Unterrichtung von Friedhofsgärtner-Auszubildenden des zweiten Ausbildungsjahres gegeben. Es ging ums Schneiden von Grabbepflanzungen, um das Düngen der Pflanzen auf Gräbern sowie um die Verbesserung der Pflanzenkenntnisse. Anfang November gab es eine Unterrichtung von Auszubildenden des ersten Jahres zu Themen wie Wechselbepflanzung und Tannenschmuck. Wie Raff ergänzend ausführte, wurden Ende Januar die Auszubildenden der Landesfachklasse Friedhofsgärtner zu den Themen Neuanlage und Grabgestaltung unterwiesen.

Beim Berufsinformationstag am 27. September 2012 auf der Landesgartenschau in Nagold werden sich die Friedhofsgärtner nach Angabe des Fachgruppenvorsitzenden intensiv einbringen. „Zukunftsfähig bleiben“ – so hieß es auch auf der Einladung zur Mitgliederversammlung – „heißt auch, in die Ausbildung eines qualifizierten Berufsnachwuchses zu investieren“. Qualitativ hochwertige Ausbildung sei eine Aufgabe, der sich alle Ausbildungsbetriebe widmen sollten.

Das Thema „Ausbildung“ stand bei der Fachgruppen-Mitgliederversammlung auch insofern im Blickpunkt, als Studienrätin Dr. Karin Sailer unter anderem über Aspekte der Friedhofsgärtner-Landesfachklasse referierte. Sie ist Fachabteilungsleiterin an der Landwirtschaftlichen Schule in Stuttgart-Hohenheim. Eine Landesfachklasse der Friedhofsgärtner besteht dort seit 2002/03. Im Schuljahr 2011/12 konnte man also das zehnjährige Jubiläum feiern.

Landesfachklasse bedeutet, Friedhofsgärtner-Auszubildende des dritten Ausbildungsjahres aus ganz Baden-Württemberg kommen zu Blockkursen nach Hohenheim. Damit kann man sich in der Fachkunde weitgehend auf friedhofsgärtnerische Themen konzentrieren. In üblichen Berufsschulen – wo die Friedhofsgärtner eine kleine Minderheit darstellen – ist dies nicht möglich.

Allerdings erreichen die Hohenheimer mit den friedhofsgärtnerischen Schülern allein noch nicht die geforderte Klassenstärke „Daher“ – sagt Karin Sailer – „schlagen wir dieser Fachklasse eine weitere Fachrichtung hinzu, nämlich die Staudengärtner-Auszubildenden“. Es ist somit eine Kombi-Klasse (Y-System), bestehend aus der Landesfachklasse Friedhofsgärtner und der Bezirksfachklasse Staudengärtnerei.

In einigen allgemeinbildenden Fächern wie Deutsch, Gemeinschafts- und Wirtschaftskunde werden die Auszubildenden der beiden Fachrichtungen gemeinsam unterrichtet. In fachspezifischen Fächern wird dagegen nach den beiden Fachrichtungen gesplittet und separat unterrichtet.

Karin Sailer stellte eine Palette von Beispielen für fachkundliche Themenbereiche der Friedhofsgärtner heraus:

  • Friedhofskulturen,
  • Bestattungsformen,
  • Friedhofsentwicklung,
  • Dauergrabpflege,
  • Friedhofssatzung,
  • Grundsätze für Grabgestaltungen.

Natürlich würden auch die Pflanzenverwendung, Pflanzenkenntnisse, Schalenbepflanzungen (einschließlich Kalkulation) sowie Aspekte von Düngung und Pflanzenschutz in der Landesfachklasse eine große Rolle spielen.

Zum Angebot für die Friedhofsgärtner-Auszubildenden in der Landesfachklasse zählt seit längerem ein Fachvortrag zur Dauergrabpflege. Thomas Vohrer – Geschäftsführer des Württembergischen Gärtnereiverbandes sowie der Genossenschaft Württembergischer Friedhofsgärtner– stellt den Fachschülern hierbei die Grundsätze der Dauergrabpflege einschließlich der praktischen Abwicklung vor.

Die Palette der Fachvorträge wurde nun erweitert. In diesem Schuljahr betrifft dies das Thema „Gehölzschnitt“, durchgeführt im Gehölz- und Sichtungsgarten Tachenhausen. Eine zusätzliche Erweiterung betrifft das Thema „Umgang mit Trauernden“. Dies erfolgt gemeinsam mit dem Hospiz Stuttgart.

Zu den Aufgabenkomplexen in der Landesfachklasse zählt außerdem ein fächerübergreifendes Praxisprojekt, bei dem Theorie und Praxis ineinander greifen. Jeder Teilnehmer erstellt nämlich ein Mustergrab, beginnend mit der Planerstellung und resultierend in der Bepflanzung. Für dieses Vorhaben gibt es in der Versuchsstation der Staatsschule ein Mustergrabfeld für 15 entsprechende Gräber. Wie gut die Bepflanzungen zum Grabmal passen ist hierbei eines der Bewertungskriterien.

Die Bepflanzungen verbleiben bis zum Spätjahr. Für die Schülerinnen und Schüler des folgenden Jahrgangs steht die Fläche wieder neu für ihre Grabgestaltungen bereit. (eh)