Grüne Branche

Landesregierung NRW: „Landgard ist systemrelevant“

Die Vermarktungsorganisation Landgard ist systemrelevant für den Gartenbau. So deutlich äußerte sich Dr. Ludger Wilstacke, Abteilungsleiter Landwirtschaft, Gartenbau und ländlicher Raum im Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen.

Landgard übernehme für den Gartenbau nicht ersetzbare Funktionen und habe eine Rolle als Vermarktung wahrzunehmen wie sonst kein anderer. Dies nicht nur für den nordrhein-westfälischen Gartenbau, sondern für ganz Deutschland und über seine Grenzen hinaus bis in die europäischen Nachbarländer, sagte Wilstacke bei der Tagung des Verbandes Gartenbau Rheinland auf Schloss Dyck in Jüchen.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung stehe dazu, eine Einrichtung wie Landgard immer unterstützt zu haben. Noch in diesem Frühsommer habe die NRW-Regierung eine Landesbürgschaft zur Überbrückung finanzieller Engpässe übernommen, damit Landgard seine Produzenten auszahlen konnte, da einige Großkunden eher schleppend ihre Lieferungen bezahlten.

Die Landgard sei damals in dem Sektor der größte Förderungsgegenstand gewesen und ist größtes Einzelprojekt, das Land, Bund und EU zusammen finanziell gefördert haben. Das gab es vorher nicht und nachher auch nicht, sagte Wilstacke. Deshalb werde deren Entwicklung auch sehr genau beobachtet und zum Teil auch mit Besorgnis betrachtet. Er hoffe, dass der jetzt eingeschlagene Weg auch in der Zukunft ein tragfähiger sei und dass die Konsolidierung weiter gut verlaufe. Denn die Landgard habe eine einmalige Funktion, die in dieser Größenordnung von keinem zu ersetzen sei.

Ähnlich äußerte sich auch Heinrich Hiep, Präsident im Landesverband Gartenbau Rheinland, auf Schloss Dyck vergangene Woche. Die innovativen Unternehmer auf der einen Seite und die Vermarktung auf der anderen Seite seien Garanten für eine erfolgreiche Entwicklung im Gartenbau. Landgard ist in aller Munde, und so manche Kritik ist bestimmt auch mehr oder weniger berechtigt, sagte Hiep.

Aber es gebe keine wirkliche Alternative. Ohne die starke Vermarktung am Niederrhein damals mit NBV und UGA und dann mit Landgard hätte es diese Entwicklung dort nie gegeben. Das Wachstum der Betriebe, aber auch das Entstehen der anderen Vermarkter, hängen eng mit NBV, UGA und jetzt Landgard zusammen. Alle Vermarkter am Niederrhein sind wichtig, aber ohne Landgard wird es nicht gehen, unterstrich Hiep.

Denn die Vermarktung ist als Gesamtmarktplatz zu sehen, die Kunden müssen sich zumindest dort erkundigen, aber die meisten kaufen auch dort. Und die Kraft des Niederrheins sei ungebrochen, so Hiep. Allein die Gewächshausfläche ist in den vergangenen zehn Jahren um zehn Prozent gestiegen, gleichzeitig in Deutschland um über sechs Prozent zurückgegangen. Und diese Entwicklung gehe weiter. Es werde in Gewächshäuser und moderne Freilandflächen investiert.

Georg Hanka (Kempen), Vorsitzender des Fachverbandes Zierpflanzen, forderte, jetzt Vertrauen aufzubauen. Weder FloraHolland noch Landgard seien die Herausforderungen des Marktes in den vergangenen Jahren strategisch genug angegangen. Die Arroganz der Größe habe den persönlichen Kontakt zum Kunden und zum Gärtner immer mehr unterbrochen. Doch wie auch in der europäischen Finanzkrise helfe jetzt nur noch Vertrauen. Und es sei schwer, dieses Vertrauen wieder aufzubauen, doch sei dies, so Hanka, alternativlos. (fri)