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Landflucht: Standortfrage in neuem Licht

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Die demografische Entwicklung, die Verödung ländlicher Regionen, die sprunghafte Entwicklung der Digitalisierung und die Zunahme des Online-Handels – all das sind Aspekte, die den stationären Handel deutlich beeinflussen. In einem neuen Licht erscheint dabei die Standortfrage.

Dörfliches wandert in die Metropolen: entspanntes Einkaufen in der Markthalle Rotterdam. Foto: Katharina Adams

Genauer gesagt die Beobachtung des Standort-Umfelds im eigenen Einzugsbereich, der ja bei Gartencentern recht groß sein kann. Denn wenn sich im Umfeld auch vermeintlich nur Kleinigkeiten ändern (was ganz schnell gehen kann), kann dies große Auswirkungen haben. Daher sollte die Devise lauten: beobachten, nicht verdrängen.

Deutsche zieht es immer mehr in die Stadt

Wie selten zuvor in den vergangenen zwei Dekaden ist Deutschland in starke (Städte-) und schwache (Land-)Regionen unterteilt. Wobei so eine Generalisierung nicht immer zutrifft. Es gibt auch ländliche Regionen, die prosperieren. Häufig liegt der Grund dann in den „hidden champions“, mittelständischen Unternehmen, die nicht selten in ihren Branchen Weltmarktführer sind. Doch generell lässt sich sagen: Die Deutschen zieht es in die Stadt.

Wachstum verzeichnen insbesondere die „Big 7“: Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Stuttgart und München. Aber auch in der zweiten Reihe gibt es angesagte Städte wie Kiel, Würzburg, Karlsruhe, Halle/Saale, Bamberg, Heidelberg, Mainz, Jena, Trier, Braunschweig, Ulm. Wie die „Big 7“ ziehen sie insbesondere die 20- bis 35-Jährigen an. Eine Altersgruppe, die für den größten Teil der innerdeutschen Umzüge verantwortlich zeichnet. Wobei die Soziologen von „Schwarmbildung“ sprechen, da beileibe nicht nur Studenten diese Hochschulstädte bevorzugen.

Nicht nur in Deutschland: Landbevölkerung schrumpft

Auf der anderen Seite stehen die ländlichen Regionen und die Kleinstädte. Die Bevölkerungswissenschaftler verorten etwa 1.300 peripher gelegene Kleinstädte in Deutschland, in nahezu allen schrumpft die Bevölkerung. Oft beginnt damit die Abwärtsspirale: Kaufkraftverlust, weniger Steuereinnahmen, dadurch weniger kommunale Investitionen, Abbau von Infrastrukturangeboten (etwa Schulen, Schwimmbäder) – das wiederum beschleunigt die Abwanderung insbesondere von jüngeren Menschen und qualifizierten Arbeitskräften.

Diese Landflucht ist kein deutsches Phänomen, man kann sie weltweit beobachten. So berichtete im April die TV-Sendung „ttt“ von der Situation in Italien, wo es 600 sterbende oder schon verlassene Dörfer geben soll.

Handel: Veränderungen im Umfeld rechtzeitig erkennen

Inhaber von Gartencentern, die außerhalb von wachsenden Regionen ihren Standort haben, sollten mit Argusaugen darauf achten, ob und wie sich das Umfeld ändert. Denn es kann alles ganz schnell gehen, wie das Beispiel von Hohenlimburg, das für viele steht, zeigt. Noch vor zehn Jahren galt die Fußgänger- und Einkaufszone des 20.000-Einwohner-Ortes in NRW als mustergültig für funktionierenden Einzelhandel.

Vor fünf Jahren, parallel zum Erstarken des Online-Handels, begann der Abstieg. Erst schlossen einige Gasthäuser, dann der eine oder andere Laden, dann kamen aufgrund einer den Verkehrsfluss störenden Großbaustelle weniger Kunden, und in Folge schlossen weitere Einzelhändler. Heute zählt man rund 20 Leerstände – als Einkaufsstätte ist der Ort tot.

Weiche Standortfaktoren sind entscheidend

Bei der Analyse des Einzugbereiches geht es insbesondere um die weichen Standortfaktoren. Wie entwickeln sich Wirtschaftsklima und Kaufkraft, wie Wohnumfeld und Freizeitangebot? Gibt es Neubaugebiete, ziehen Familien hinzu? Wie ist die generelle Bevölkerungsentwicklung, wie das Standort-Image? Welche Initiativen werden von der Geschäftswelt und den Behörden gestartet? Was tut sich in den Nachbarorten des Einzugsbereiches?

Warum bei lokalen wie regionalen Standortfragen „engagierte Werbegemeinschaften“ immer wichtiger werden und worauf es bei der Standortbeurteilung noch ankommt, lesen Sie in unserem kompletten „Landflucht“-Beitrag in TASPO 31/2015.