Landfrisch AG: „Eigentümer sind allesamt produzierende Gärtner“

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Landfrisch-Vorstand Labinot Elshani verfügt über 20 Jahre Branchenerfahrung. Foto: privat

Mit Vertikalisierung für mehr Erzeugerertrag der anliefernden Obst- und Gemüsebetriebe sorgen will die neugegründete Landfrisch AG, die zum 1. Januar 2022 ihre Vermarktungstätigkeit startet (TASPO Online berichtete). Wir sprachen mit Landfrisch-Vorstand Labinot Elshani über das neue Vermarktungsunternehmen und die Streitigkeiten mit Landgard.

Wie viele Erzeuger mit welchen Kapazitäten und Absatzmengen bündelt die Landfrisch AG?

Die Landfrisch AG besteht derzeit aus 31 Gärtnern aus dem Unterglas- und Freilandbau mit einem Umsatzvolumen von etwa 100 Millionen Euro jährlich. Diese Erzeuger landwirtschaftlicher Urprodukte sind als Aktionäre Eigentümer der Landfrisch AG und bilden sich aus modern und professionell geführten Familienbetrieben. Sie stehen für eine sehr breite Obst- & Gemüse-Produktpalette unserer heimischen Region.

Wo liegen die Angebotsschwerpunkte?

Die Landfrisch AG steht für die Vermarktung aus erster Hand von Obst & Gemüse aus der Unterglas- und Freilandproduktion inklusive der Lagerhaltung, Logistik und den damit zusammenhängenden Dienstleistungen.

Wie muss man sich die Vermarktung über die Landfrisch AG vorstellen?

Die Landfrisch AG, als Organisation der Erzeuger, ist die Produktion und kommt dem Förderauftrag der Erzeugerbetriebe durch eine moderne und schlanke Vermarktungsstruktur optimal nach. Die Eigentümer der Landfrisch AG sind allesamt produzierende Gärtner, welche in Zeiten der Vertikalisierung ihre Produkte unmittelbar für den gesamten deutschen Lebensmitteleinzelhandel produzieren. Dabei sollen Transaktionsverluste zu Lasten der Erzeuger vermieden werden.

Als ein Ziel ist auch die Lagerhaltung genannt. Gibt es schon ein Lager oder wird dazu noch eines gebaut?

Bei unseren Produkten handelt es sich um ultrafrische Produkte. Um den Frische-Aspekt vom Acker bis zur Ladentheke optimal zu gestalten, soll Ware idealerweise nicht gelagert werden. Die Gärtner und Eigentümer der Landfrisch AG bilden hochprofessionelle Erzeugerstrukturen ab, auf höchstem Stand, die sämtliche Anforderungen des Marktes erfüllen, wie zum Beispiel die Bereitstellung von Kühlhäusern, Vakuumkühlung, Packmaschinen, hochautomatisierten Verladerampen. Darüber hinaus werden wir eigene Bündelmöglichkeiten stellen immer in Erzeugernähe, welche aktuell erweitert werden. Dabei haben wir uns dem Ziel verschrieben, Umwege zu vermeiden, keinen Warentourismus zu betreiben und den Frische-Aspekt permanent aufrechtzuerhalten.

Erfolgt die Vermarktung in Kommission? Was ist mit nicht abgeflossener Ware?

Die strategische Ausrichtung der Landfrisch AG ist die personifizierte Zuordnung der Erzeuger und die personifizierte Vermarktung. Dabei werden wir mit unseren starken strategischen Partnern stets markt- und nachfragegerecht produzieren und somit die Anbaumenge weit vor jeder Saison mit unseren Partnern koordinieren.

Soll es eine eigene Lkw-Flotte geben?

Eine optimale Logistik besteht darin, eine eigene Grundstruktur vorzuhalten, um jederzeit schnell reagieren zu können, wie zum Beispiel bei Nachbestellungen. Zudem findet eine enge Zusammenarbeit mit strategischen Partnern im Bereich Logistik statt, um darüber hinaus eine optimale und effiziente Auslastung und Verteilung vorzunehmen.

Gibt es eine Verknüpfung zur Vitarom Neurath GbR (ehemals Neurather Gärtner GbR), wo Sie Geschäftsführer sind?

Die Vitarom Neurath GbR ist Aktionär und ebenfalls Erzeuger der Landfrisch AG und bildet mit weiteren 30 Gärtnerbetrieben die Eigentümerstruktur der Landfrisch AG ab.

Wie wir vernommen haben, hat das OLG Düsseldorf zugunsten Landgard entschieden und die Beendigung der zwischenzeitlich eigenständigen Vermarktung durch die Vitarom GmbH bestätigt (TASPO Online berichtete). Hat das Urteil Auswirkungen auf Ihre Geschäftsabläufe, und wie reagieren Sie darauf?

Das Urteil des OLG Düsseldorf, dessen lediglich bekannter kurzer Tenor derzeit in der Öffentlichkeit in Teilen unzutreffend und möglicherweise vorschnell interpretiert wird, liegt schriftlich noch gar nicht vor (Stand 26. November 2021). Wir werden dieses nach Erhalt durch das OLG Düsseldorf sorgfältig analysieren und hieraus unsere Schlüsse ableiten. Dabei ist festzuhalten, dass das OLG Düsseldorf lediglich in einem vorläufigen, also Einstweiligen Verfügungsverfahren entschieden hat. Die Hauptsache-Entscheidung steht noch aus.

Gibt es noch eine Verbindung zu Landgard?

Ab 1. Januar 2022 verbindet uns die Vergangenheit.