Grüne Branche

Landgard: Henning Schmidt über rote Zahlen in 2011 und wie es weitergeht

„Landgard muss kämpfen“ oder kommt gar „ins Trudeln“: So hatten es in den vergangenen Wochen einige Medien publiziert. „Davon kann natürlich keine Rede sein“, dementiert der Landgard-Vorstandsvorsitzende Henning Schmidt im Gespräch mit der TASPO. Fest stehe, dass Landgard in 2011 rote Zahlen schreibt. Doch wurden bereits Maßnahmen eingeleitet, um wieder zu alter Stärke zurückzukommen, sagte er. 

2011 war ein schwieriges Jahr, doch Landgard habe kein strukturelles und kein finanzielles Problem und sei gut aufgestellt für die Zukunft, so Schmidt. 

Demnach war 2011 für Landgard atypisch und durch zuvor nie aufgetretene, sich überlappende Sondereffekte geprägt. So stieg der Umsatz zwar um gut neun Prozent gegenüber dem Vorjahr auf voraussichtlich über zwei Milliarden Euro, doch blieben die Umsatzerlöse hinter den Erwartungen zurück, sagte Schmidt.

Erstmals seit Jahren  ein negatives Ergebnis
Wie hoch das negative Ergebnis ausfalle, stehe erst mit der Konzernbilanz fest, wenn alle Ergebnisse der Tochtergesellschaften eingeflossen sind. Fest stehe, dass Landgard erstmals seit vielen Jahren in 2011 kein positives Ergebnis wird bilanzieren können. 

Jedoch voraussichtlich nur in 2011, denn im zweiten Halbjahr wurden entsprechende Maßnahmen eingeleitet, die sofort oder ab Beginn 2012 griffen, um wieder zu alter Stärke zurückzukommen, sagte er. Die ersten Wochen 2012 zeigten bereits ein deutliches Plus, guten Absatz und erfreuliche Preise.

Natürlich hatte der kurze knappe Winter auch seinen Einfluss. Blühende Ware ist derzeit sehr gefragt, und Primelpreise bis zu 40 Cent lassen die Herzen der Gärtner höher schlagen. Landgard zeigt sich fest entschlossen, 2012 wieder in die Erfolgsspur zu gelangen. 

2011 gab es bei Schnittblumen und Topfpflanzen ein Umsatzplus von 17 Prozent, bei Obst und Gemüse ein Minus von fünf Prozent. Hier schlug sich die EHEC-Krise voll nieder und wirkte noch lange nach. Auch insgesamt waren witterungsbedingt die Durchschnittspreise wegen Überkapazitäten am Markt oft im Keller. Die Beet- und Balkonpflanzensaison war Mitte Mai schlagartig und frühzeitig beendet.

Die Veiling Rhein-Maas hatte in ihrem ersten vollen Jahr noch mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen, das tägliche Geschäft musste sich zunächst noch einspielen. Zwar schrieb sie wirtschaftlich schwarze Zahlen, so Schmidt, doch nicht so gute wie geplant. Jetzt laufen alle Prozesse runder, und die Veiling Rhein-Maas ist gut in die Saison 2012 gestartet.

Im Fachhandelsbetrieb wurde die Ausgliederung bei Schnittblumen an Bloomways vorgenommen und der Abholmarkt in Nürnberg eröffnet, der schlechter anlief als erwartet, erläutert er weiter. 

Für die Gärtner eingesprungen
Insgesamt wurden Umstrukturierungen bei Landgard vorgenommen, die lange fällig waren. Ungeplant kam dann die Insolvenz der Manss Fruchtimport als Teilhaber der Malaco GmbH, dafür ist Landgard eingesprungen, damit die Gärtner nicht mit in den Strudel hineingezogen werden. Landgard habe damit Verluste hingenommen und die eigenen Malaco-Anteile auf 100 Prozent erhöht, sagte Schmidt. 

Zu den bereits in 2011 eingeleiteten Maßnahmen zählten auch externe Berater, die das gesamte Geschäftsmodell und den strategischen Kurs kritisch untersuchten und den eingeschlagenen Weg bestätigten.

Mit den Banken wurde einvernehmlich die Finanzierung abgesichert, so Schmidt, die auf soliden Füßen steht. Ein negatives Geschäftsergebnis in 2011 habe jedoch automatisch Einfluss auf das Rating und damit auf Kredite und Zinsen.

Zu den beschlossenen Neuerungen zählen die Zahlungsziele. Der  Lebensmitteleinzelhandel fordert bei Obst und Gemüse bis zu 40 Tagen für sich, doch die Landgard zahlt an die Gärtner deutlich früher, nach 17 Tagen, aus. Bei immer mehr Forderungen und wachsenden Umsätzen geht diese Schere der unterschiedlichen Zahlung deutlich auseinander, es muss mehr zwischenfinanziert werden, was wiederum Kosten verursacht.

Daher sollen hier die Zahlungsziele etwas angepasst werden, nur im Normalgeschäft, nicht an der Uhr. Ab der Saison 2012 müssen die Gärtner vier Tage länger auf ihre Auszahlung warten. Bei Nichtmitgliedern sei das bereits seit Ende 2011 eingeführt.


Künftig mit Meldesystem und neuem Plattform-Konzept
Der Vorwurf, von der Reform des Gebührensystems sei nichts zu sehen, sei nicht haltbar, so Schmidt. Gebührenänderungen sind bereits ab 2012 in Kraft getreten. Sie beinhalten im Wesentlichen sogar eine Ermäßigung für die Produzenten, in manchen Fällen auch eine Erhöhung wie Mindermengenaufschläge für Kleinstaufträge nach dem Kostenverursacherprinzip.

Auch die CC-Containergebühr wird ab April 2012 angepasst. 2011 war durch Überproduktion bei Zierpflanzen gekennzeichnet, der Markt übersättigt, Produktionsausweitungen führten zum Preisverfall. Um hier besser steuern zu können, hat Landgard die verschiedenen Meldesysteme eingeführt, mit Saison- und Wochenmeldungen vor der Warenanlieferung.

Weiterhin wird im Sommer das Plattform-Konzept eingeführt, das die Regionen verstärkt mit einbinden soll. Ab der zweiten Jahreshälfte soll die Auftragssteuerung neu installiert sein, was bedeutet, dass Zentralaufträge der Kunden aufgeteilt und in die Regionen vergeben werden können. Das hat zum Vorteil, so Schmidt, dass Logistikkosten gespart werden und sich daraus eine regionale Vermarktung ergibt, was viele Kunden wünschen.

„Wir können über zehn bis 15 regionale Plattformen ausliefern und die regionalen Gärtner mit einbinden.“ Ein Großauftrag zum Beispiel von einer Million Primeln lasse sich dann aufteilen, denn eine Primel müsse nicht vom Niederrhein nach München oder Dresden gefahren werden, sondern könne vor Ort zugeliefert werden.

(Gabriele Friedrich)