Landschaftsgärtner präsentiert „Horst sein Schrebergarten“

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Landschaftsgärtner und TV-Moderator Horst Mager hat den Schrebergarten als neues Feld für sich entdeckt. Foto: GPP/Petra Seiler

„Horst sein Schrebergarten“ heißt das jüngste Format des Landschaftsgärtners und Fernsehmoderators Horst Mager. Im Interview spricht der Produzent und Autor zahlreicher TV- und Online-Formate unter anderem darüber, wie der GaLaBau von den Erfahrungen im Schrebergarten profitieren kann.

Welche Garten-Themen sind heute im Fernsehen und in den Online-Formaten gefragt?

Es sind nach wie vor die Themen, die puren Service bieten ohne viel Drumherum. Einfach erklärt – am besten in einzelnen Schritten. Dahinter stehen heutzutage immer die beiden Fragen: „Ist das nachhaltig?“ und „Ist das ökologisch sinnvoll?“. Die Art der Umsetzung hat sich stark verändert – nur hübsch reicht nicht. Das „Sendungsversprechen“ muss sofort genannt werden, die Relevanz schlüssig sein und das Versprechen muss dann zu 100 Prozent eingelöst werden. Der Zuschauer will wissen, warum er ausgerechnet diesem Thema seine Zeit widmen soll.

Was wissen Gartenbesitzer heute über Pflanzenverwendung?

Was ich Tag für Tag erlebe ist, dass es eine immense Lust und Neugier auf Pflanzen gibt. In der „RBB Gartenzeit“ stelle ich regelmäßig Pflanzen und Pflanzen-Kombinationen vor, die ich in meinem Schrebergarten ausprobiere. Das kommt wahnsinnig gut an, weil es anschaulich ist. Ich versuche, alles zu vermeiden, was die Angst vor der Pflanze schüren könnte, damit die Lust nicht vergeht. Mittlerweile gibt es für jede Pflanze eine eigene Pflegeanleitung und für jede Maßnahme den optimalen Moment. Man könnte glauben, wenn man das nicht genau nach Anleitung macht, ginge die Pflanzenwelt unter. Ein Garten muss aber „machbar“ sein. Es gibt nicht nur den richtigen Moment für die Pflanze, sondern auch den richtigen Moment im persönlichen Alltag – weil es halt gerade passt! Wenn die Pflanzen ihren Standortansprüchen gerecht gepflanzt werden, dann ist doch erst einmal alles gut.

Wie bedeutsam ist Natur im Garten?

Themen wie Klimawandel und Insektensterben prägen das Handeln der Gartenbesitzer ganz extrem. Es wird immer wichtiger, mit und nicht gegen die Natur zu gärtnern. Mit dem Garten auf Augenhöhe – das ist ein Anliegen geworden. Viele erkennen, dass sie dem Garten nicht alles aufzwängen können, er bietet ja auch von sich aus etwas an. Der Garten hat eigene Ideen, und die sind manchmal besser und pflegeleichter als die eigenen. Die Gartenbesitzer wollen es Grün, sie wollen Bienen summen hören und Schmetterlinge flattern sehen. Der kleinste Balkonkasten wird zur Blumenwiese und in den Fugen zwischen den Gehwegplatten darf Thymian wachsen. Natur und naturnahe Pflanzungen beglücken die Menschen. Man schließt die Natur nicht mehr aus, sie darf und soll wesentlicher Teil des Gartens sein.

Welche Pflanzen gehören unbedingt in einen zeitgemäßen Garten?

Pflanzen, die mit den Klimaveränderungen und dem Standort gut klarkommen – ohne, dass sie aufwendig versorgt werden müssen. Das Sortiment erfährt da gerade einen riesigen Wandel. Oft sind es auch Pflanzen, die ohnehin an dem Standort gut wachsen oder sich schon in der Nachbarschaft bewährt haben. Es ist auch sinnvoll, Wildes mit in die Gestaltung zu integrieren. Wilde Möhre zum Beispiel – eine attraktive, unkomplizierte und insektenfreundliche Wildpflanze – natürlich lasse ich sie gewähren. Nicht überall, aber an vielen Stellen schon! Gerade Schrebergärten spielen ja eine sehr wichtige Rolle als Rückzugsort für die Natur.

Welche Erkenntnisse bringen Ihre Erfahrungen im Schrebergarten für den GaLaBau?

Die Regeln im Schrebergarten sind strikt, aber eigentlich ziemlich sinnvoll, denn sie schreiben Vielfalt und Mischkultur vor. Ein Drittel Ziergarten, ein Drittel Erholungsgarten und ein Drittel Nutzgarten: alles drin. Da ist für jeden etwas dabei, das spricht alle Sinne an, und gesünder und erlebnisreicher ist es auch! Die Pflanzen sollten zum Beispiel für Insekten interessant sein, und etwas zum Naschen für die Gartenbesitzer ist wünschenswert. Viele Kollegen im Garten- und Landschaftsbau bauen ja ihre Gärten genau so, dass auf natürliche Weise alle Sinne angesprochen werden.

Wie hat die Corona-Pandemie den Blick auf den (Schreber-)Garten verändert?

Der Schrebergarten wird zunehmend von jungen Familien geschätzt. Für sie ist er ein Geschenk: ein Ort, an dem alles gut ist. Man darf mit den Kindern an der frischen Luft sein und im Notfall kann man sich zu einem Teil sogar selbst versorgen. All das gilt aber für den privaten Garten generell, hier ist man frei und sicher. Alle meine Gartenfreunde – ob real oder virtuell – empfinden das genauso. Dieses Gefühl der Sicherheit und Unabhängigkeit hat gerade in einer Zeit, in der nichts mehr so ist wie gewohnt, einen unschätzbaren Wert.

Welche Bedeutung haben soziale Medien für Gartenbesitzer?

Für die RBB Reportage #Schrebergartenglück habe ich ohne Vorabsprachen oder Motivbesichtigungen interessante Instagram-Garten-Accounts recherchiert und die Menschen dahinter besucht. Ich erlebe, dass soziale Medien heute enorm wichtig sind, um Erfahrungen und Informationen schnell und direkt auszutauschen. Man schaut nicht mehr in ein Buch oder befragt diverse Suchmaschinen. Die Frage wird der Community gestellt und prompt kommt eine Antwort. In der Garten-Community erfährt man so immer die Verbindung von Mensch und Pflanze, damit wird es greifbar und anschaulich. Die Strukturen und Verbindungen sind viel realer und sozialer, als ich das im Vorfeld vermutet hätte. Auch waren alle Gartenbesitzer familiär vorbelastet. Man sollte über das „Fach Gärtnern“ an Regelschulen nochmal nachdenken.

Was empfehlen Sie Landschaftsgärtnern, um aktuelle Entwicklungen bei Garten- und Pflanzenthemen zu verfolgen?

Rein in die sozialen Medien! Viele Garten- und Landschaftsbaubetriebe sind bei Facebook und Instagram engagiert und Teil der Community. Da bekommt man die Bedürfnisse direkt mit. Man lernt weltweit so viele spannende Menschen, Orte und Themen kennen. Mittlerweile sind die sozialen Medien auch für die Suche nach TV-relevanten Themen eine der wichtigsten Quellen geworden.

Quelle: BGL / GPP