Grüne Branche

LED im Gartenbau: „Man kann vieles falsch machen“

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Wie weit findet der LED-Einsatz in der gartenbaulichen Praxis derzeit tatsächlich statt? Die TASPO sprach darüber mit Holger Dinter (DH Licht, Wülfrath). Der Lichtexperte warnt davor, bei einer Komplettumstellung mit LED Schiffbruch zu erleiden.

Welche Gartenbau-Betriebe setzen bereits LEDs ein?

Die wenigsten. Eine Vielzahl hat selber getestet und kam zu ernüchternden Ergebnissen. Ein Gärtner berichtete nach Selbstversuchen: „Wenn ich 30 Tage meine Kulturen gehegt und gepflegt habe, brauche ich nur das LED-Licht einzuschalten, um alles zunichte zu machen.“ So schlimm muss es nicht sein, aber man kann da vieles falsch machen.

Wir haben vielleicht zwei Prozent an Betrieben, die mit LEDs arbeiten. Hier sind es beispielsweise Salatproduktionen sowie Obst- oder Gemüseproduktionen. Im Zierpflanzenbau kenne ich es nur als fotoperiodische Belichtung.

Bei welchen Fragen besteht dabei am meisten Beratungsbedarf bei den Betrieben?

Es wird immer als erstes nach der Energieersparnis gefragt. Daraus ergibt sich gegebenenfalls eine Amortisation – diese soll am besten bei drei Jahren liegen, was schon mal nicht geht. Wenn man dann von einigen Anbietern schön gerechnete LED-Leuchten nimmt, geht diese Rechnung zwar auf, aber es kommt zu kulturellen Problemen.

Zu viel Rot, zu wenig Blau, gar kein Weiß – und vor allem keine Wärmestrahlung. Die Balance zwischen Licht und Wärme herzustellen, ist die schwierigste Aufgabe. Vor allem die infrarote Wärmestrahlung der Hochdrucklampen, die tief ins Blatt und in die Wurzeln eindringt, ist durch eine Luftheizung nicht zu ersetzen.

Was ändert sich durch den Einsatz von LEDs in einem Gartenbau-Betrieb?

Eine Unmenge an neuen Regelvorgängen, die ein Betrieb beachten und neu einstellen muss. Teilweise auf seine bisherige Kulturführung angepasst, teilweise komplett neu entwickelt. Pilzliche Schaderreger wie Botrytis sind plötzlich wieder da, und er muss sehen, wie er sie in den Griff bekommt. Die Kulturen entwickeln sich völlig anders und in einem anderen Zeitfenster. Temperatur, Feuchte und Luftaustausch, das alles muss neu eingestellt werden.

Für welche Betriebe empfehlen Sie einen Einsatz von LEDs?

Eigentlich traue ich mich gar nicht, einem Praxisbetrieb die Umstellung zu empfehlen. Ich traue mich zu sagen: „Probiert es aus und macht Eure eigenen Erfahrungen. Nehmt es zusätzlich zu Vollspektrum oder zu Natriumdampf, um Eure Kulturen im Wachstum zu beeinflussen. Stellt Ihr komplett um, erleidet Ihr Schiffbruch.“

Das komplette Interview mit Lichtexperte Holger Dinter lesen Sie in unserem TASPO extra LED/Licht für Pflanzen, das am 11. Mai in der TASPO 19/2018 erscheint.