Grüne Branche

Lieferanten ohne Einfluss?

Ohne Pflege geht es nicht
Bäume geliefert – und was dann? Einen kritischen und auch provokanten Blick auf die Entwicklung jüngerer Baumanpflanzungen mit ihren Mängeln warf Dr. Hartmut Balder, Beuth Hochschule Berlin.

Mit gärtnerischem Wissen waren Baumschulen in den Anfängen der Baumschulproduktion früher in die Planung eingebunden, waren befasst mit der Pflanzung und Pflege. So hatten sie Einfluss auf die Gesamtentwicklung ihres Produkts am Standort. Heute endet er in der Regel dort, wo die Pflanze den Betrieb verlässt. Dass einiges getan werden muss, damit die Investition in eine Baumpflanzung nicht verloren ist und sie stattdessen eine Chance hat, sich zu einem langjährigen Bestand zu entwickeln, war Balder ein besonderes Anliegen. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Ausstattung der Bäume in der Baumschule bis hin zur Pflege hält er dafür offensichtlich für unumgänglich.

Balder zitierte in seinem Vortrag die Aussage einiger Städte, dass für Neuanpflanzungen kein Geld vorhanden sei, sondern die vorhandene Mittel für die Verkehrssicherheit ausgegeben werden müsse. Große Unterschiede bestehen bei den Pflegekosten. So benötige Paris für die Pflege eines Baumes sieben bis maximal neun Euro pro Jahr. Berlin benötige pro Baum beinahe schon 100 Euro.

In anderen Branchen und Projekten steigen die Anforderungen an Kostenklarheit, ausgereifte Technik und zertifizierter Gütesicherung. Auch in der Stadtbegrünung sei damit zu rechnen.
Um dauerhafte Bestände aufzubauen, könne also nur die Devise lauten: Optimal pflanzen und pflegen - ansonsten bleiben lassen.

In der Baumschulproduktion sieht Balder mehr als nur die Produktion von Pflanzen oder die Frage der Sortimente. Neben einer guten Qualität gehe es um die Ausstattung mit bestimmten Eigenschaften – für die gesicherte Etablierung am Standort. Das betrifft beispielsweise auch den Kronenschnitt. Und es geht weiter bis zur Frage nach dem Pflanzballen (was ist da alles drin?) und der Abstimmung auf die Bodenverhältnisse: Sand oder Lehm?

Direkter Austausch mit Planern und Durchführenden gehört dazu, einschließlich der wünschenswerten Auswahl der Gehölze in den Baumschulen. Oder auch Inaugenscheinnahme des Baumstandorts, mit Blick auf Stauwasser und Bodenart. Wassersparende Systeme wie die Bewässerungssäcke sieht Balder positiv, wichtig sei aber auch, was für ein Boden da drunter ist.

Aus den Niederlanden sind ihm Beispiele bekannt, dass Bäume mit Messgeräten ausgeliefert werden.

Ein Beispiel aus Berlin anführend, betonte Balder noch einmal die Dringlichkeit angesichts der Kosten: Wenn bei einem 758 Bäume umfassenden Projekt nur 6 Bäume ausgetauscht werden müssten, koste das soviel wie die Pflege aller Bäume.