Grüne Branche

Liefert der Wildapfel ein Gen gegen Feuerbrand?

Da die meisten Apfelsorten, die heute weltweit angebaut werden, anfällig sind für das Feuerbrandbakterium Erwinia amylovora, suchen Experten intensiv nach Möglichkeiten, resistente Sorten zu züchten, die zugleich auch schmackhaft sind. Wie das Julius Kühn-Institut (JKI) berichtet, untersuchen Wissenschaftler der Einrichtung die genetischen Grundlagen der Widerstandsfähigkeit von Wildapfelarten gegen den Feuerbranderreger.

Frostschutzberegnete Apfelblüten für Bekämpfungsversuche zum Feuerbrand in der Versuchsanlage „Kirschgartshausen“ des JKI. Foto: Bernd Pfeifer/JKI

Zusammen mit ihren Partnern von der Michigan State University (USA) identifizierten sie kürzlich ein Gen im Feuerbrandbakterium, das die Resistenz im Wildapfel Malus x robusta 5 aktiviert. Malus x robusta ist eine natürliche Malus-Arthybride (Sekundärart) zwischen den primären Apfelwildarten Malus baccata und Malus prunifolia deren Ursprung in Sibirien und Zentralasien zu finden ist, erläuterte das JKI gegenüber der TASPO. Die Abstammung M. × robusta 5, ist ursprünglich in der Umgebung um Peking, auf der Strecke nach Wutai Shan, als Samen gesammelt worden.

In dem jetzt in der Zeitschrift „New Phytologist“ publizierten Artikel belegen die erwähnten Forscher, dass es sich bei diesem Vorgang der Resistenzaktivierung sehr wahrscheinlich um eine sogenannte Gen-für-Gen-Beziehung handelt. Der Wildapfel „erkennt“ quasi seinen „Gegner“ und ist in der Lage, eine Abwehrreaktion auszulösen. Oder in der Sprache der Forscher: Das Genprodukt des Feuerbranderregers wird von einem Genprodukt des Wildapfels erkannt.

Bei der Suche nach diesem Gegenspieler, das heißt dem Resistenzgen von Malus × robusta 5, verzeichnen die JKI-Wissenschaftler den Angaben zufolge in einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit der ETH Zürich und Agroscope Wädenswil in der Schweiz ebenfalls erste Erfolge: Sie identifizierten in der gleichen Wildapfelart Malus × robusta 5 ein erstes Kandidatengen.

Die Wissenschaftler klären jetzt, ob es sich dabei wirklich um das gesuchte Feuerbrandresistenzgen handelt. „Ein erster wichtiger Schritt ist damit getan“, so der Züchter Dr. Andreas Peil vom JKI. „Wir sind dabei, auch andere Wildapfelarten genetisch zu durchleuchten, um weitere Resistenzgene aufzuspüren, damit wir die Mechanismen der Widerstandsfähigkeit besser verstehen.“

Eine effektive Bekämpfung der vom Bakterium Erwinia amylovora verursachten Feuerbrandkrankheit ist derzeit nur mit Pflanzenschutzmitteln möglich, die auf dem Antibiotikum Streptomycin basieren. Deren Anwendung ist jedoch nur in Ausnahmefällen und in begrenztem Umfang zugelassen. Neuere Forschungen und Versuche mit alternativen Präparaten auch am JKI (siehe TASPO 24/13) lassen hoffen, dass im Apfelanbau künftig umweltfreundliche Mittel angewendet werden können. Eine nachhaltige Lösung für den Obstanbau der Zukunft stellt laut JKI jedoch der Anbau von resistenten Sorten dar. (hlw/jki)