Grüne Branche

Lokaler Torfersatz schont das Klima

, erstellt von

Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Wädenswil hat die Umweltauswirkungen von Torf und seinen Ersatzstoffen in der Schweiz untersucht. Vier Jahre zuvor gab es bereits eine Studie durch das Institut Quantis. Die Hochschule hat nun zusätzlich Xylit sowie Landerde als Ersatzstoffe unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Torfersatz belastet die Umwelt weniger.

Laut einer Studie der ZHAW ist die Gesamtumweltbelastung von Weihnachtssternen, die mit Torfersatz produziert wurden, deutlich geringer. (Abhängig von Substratmischung). Grafik: ZHAW

Studie: Torfersatzprodukte ökologisch besonders verträglich

Der Studie nach sind holbasierte Torfersatz-Produkte ökologisch besonders gut verträglich, im Detail Landerde, TEFA-Maisstroh und Reisspelzen. Sie weisen nicht nur geringe Treibhausgasemissionen, sondern auch in anderen Umweltbereichen eine geringe Belastung auf. Die Produkte stammen in der Regel aus der Schweiz oder im Falle der Reisspelzen aus Italien. Untersucht wurden auch Erdmischungen mit unterschiedlichem Torfgehalt. Unter anderem wurden zwei Substratmischungen für die Produktion von Weihnachtssternen einander gegenübergestellt.

Torfreduziertes Substrat: Weihnachtssternproduktion wesentlich ökofreundlicher

Der Vergleich zeige: Sowohl die CO2-Emissionen als auch die Gesamtumweltbelastung seien für einen Weihnachtsstern, der in einer torfreduzierten Mischung kultiviert wird, deutlich geringer als bei Verwendung einer konventionellen Mischung. Dabei bieten sich insbesondere lokal hergestellte Torfersatz-Produkte auf Holzbasis, aus TEFA-Maisstroh sowie Landerde an. Diese weisen nach ZHAW nicht nur eine gute Ökobilanz auf, sondern schneiden auch bei der Beurteilung der sozialen Aspekte und der zukünftigen Verfügbarkeit positiv ab.

Substrat- und Erdenindustrie: Studienergebnisse nicht auf Deutschland übertragbar

Die Substrat- und Erdenindustrie hierzulande betrachtet die Studienergebnisse mit großem Interesse, ist jedoch der Meinung, dass sich die Aussagen nicht auf Deutschland übertragen lassen, wie sie der TASPO mitteilte.

So sagt beispielsweise Thomas Büter, Leitung Marketing bei Floragard (Oldenburg): „Bei der Landerde handelt es sich um ein Substitut, das über die Schweizer Grenzen hinaus kaum eine Rolle spielt.“ Die Studie beziehe sich des Weiteren auch auf die zukünftige Verfügbarkeit mit Blick auf die Konkurrenzsituation zwischen Substratherstellern und Energiewirtschaft, die in Niedersachsen allerdings eine völlig andere als in der Schweiz sei.
 
Büter ist der Meinung: „Torf ist beispielsweise im Zierpflanzenbau oder im Bereich der Presstopfsubstrate in absehbarer Zeit durch andere Ausgangsstoffe nur schwer zu ersetzen. Die Substitution einzelner Ausgangsstoffe führt weiterhin nur bedingt zu einer Verringerung der Umweltauswirkungen.“

IVG: Studie über Umweltverträglichkeit von Torfersatz widersprüchlich

Der Industrieverband Garten (IVG) begrüßt die Untersuchung, teilt jedoch im Hinblick auf die Übertragbarkeit die Meinung Floragards. Die IVG-Auffassung vertritt auch das Einheitserdewerk Patzer (Sinntal-Altengronau): „Der Ansatz ist wichtig und richtig, die Umsetzung allerdings stark geprägt vom Schweizer Markt und daher nicht ohne weiteres auf die Ansprüche der deutschen Erdenindustrie übertragbar“, betont der IVG-Geschäftsführer, Johannes Welsch.

Darüber hinaus gebe es in der Studie einige Rückschlüsse, die laut Verband widersprüchlich sind: So heißt es in der Studie beispielsweise, dass „keine der untersuchten Komponenten […] Torf in seinen pflanzenbaulichen Eigenschaften 1:1 ersetzen“ kann. In der Zusammenfassung allerdings erhalten wichtige pflanzenbauliche Eigenschaften des Torfes – wie etwa der geringe Nährstoffgehalt – eine negative Bewertung. Darüber hinaus kommt die Studie zu dem Schluss, dass „Substrathersteller […] mit Zahlkraft einer subventionierten Energiebranche nicht mithalten“ könnten. „Gleichzeitig bescheinigt man Holzrohstoffen, bei denen eine sehr große Konkurrenzsituation besteht, eine gute bis sehr gute künftige Verfügbarkeit“, sagt Welsch.